Hallo Ihr Lieben!
Ich habe hier ein wenig rumgestöbert und ein paar interessante Dinge zum Thema LRS gelesen. Bei meinem Sohn (fast 11 Jahre, 5 Klasse Gymnasium) wurde die LRS Diagnose gestern gestellt. Irgendwie war ich erleichtert, dass ich endlich nach jahrelangem auf und ab, einer endlosen Rennerei von Arzt zu Arzt eine Diagnose hatte.

Alles fing an, als Darius seine Einschulungsuntersuchung hatte. Diagnose: Muss zum Schulpsychologen. Und warum??? Weil er den Knauf an dem Tisch nicht malen wollte und sich weigerte sich vor einer fremden Frau auszuziehen. Um endlich von dieser unmöglichen Ärztin wegzukommen, sind wir also zum Schulpsychologischem Dienst.
Diagnose: Kann nicht eingeschult werden. Grund: Darius wäre zu neugierig und hat den Idealstandartdamitkannichallesbeurteilentest nicht zufrieden stellend gemacht.
Prima-Schublade auf-Kind rein-Keks gegessen.

Wir haben Darius dennoch eingeschult - Gott sei Dank. Er machte sich prima, glänzte mit seinem Wissen, seiner Begeisterung und seiner schnellen Auffassungsgabe. Einziges Manko er war ein Chaot, verlor ständig irgendetwas und brauchte viel Platz für seine Sachen.

Im 2 Schuljahr wurde es dann schwieriger, Darius hakte und zwar in DEUTSCH, auch seine Schrift war die reinste Katastrophe. Wenn ich schreibe er hakt in Deutsch, dann meine ich die Rechtschreibung, denn lesen war bis dahin unauffällig und grammatikalisch glänzte er. Doch wehe es wurde ein Diktat geschrieben oder er sollte einen Text abschreiben -HILFE!

Die 3 Klasse wurde dann richtig anstrengend, abgesehen davon, dass seine Verliererei nicht abbrach und seine Schrift eine Herausforderung für jeden Hieroglyphenleser war, er wurde im lesen schwächer (er konnte lesen, nur eben langsamer wie viele seiner Kameraden und er lies oft Worte weg oder las welche die gar nicht da waren und seine Rechtschreibung war gruselig. Er fand für 1 Wort 5 Möglichkeiten es falsch zu schreiben. Das Schlimme daran, alles üben und lernen brachte keine Besserung. Was tun? Neuer Versuch beim Psychologen.
Ein Horror. Denn binnen von 30 Minuten hatte ich eine Familientherapie am Bein und Darius eine Schachtel Tabletten. Wir haben auf beides Verzichtet, ebenso wie auf den Arzt, der unserer Meinung nach eine Behandlung wesentlich nötiger hatte wie unser Kind.

Es dauerte einige Zeit bis wir noch einmal einen Versuch starteten – neuer Psychologe – neues Glück. Diesmal mit der konkreten Forderung nach einem LRS-Test. Wir hatten Glück. Der gute Doc machte den Test, der allerdings negativ ausfiel – kein LRS. Aber definitiv Konzentrationsprobleme. Jetzt begann die Ursachenforschung, denn an irgendetwas musste das ja liegen, ebenso wie seine Rechtschreibproblematik. Zum Neurologen – nix. Zum Pädaudiologen – nix, zum Allergologen – nix, zum Augenarzt – nix, zum Hausarzt, Schilddrüsencheck usw.- nix, nix, nix. Dann 6 Monate Ergotherapie- keine Besserung.

Dann kam das erste Mal der Verdacht, ADS. Doch da uns die Aussicht auf ein Kind das permanent Tabletten schlucken sollte gar nicht gefiel, gaben wir Fragebögen an die Familie, Freunde, Lehrer, eben all jene, die Darius gut kannten und ihn zu beurteilen in der Lage waren. Die Auswertung dieser Bögen war eindeutig und wir versuchten es schweren Herzens mit den Tabletten. Immer im Bewusstsein, dass eine ADS Diagnose nie 100% entspricht.

Im 4 Schuljahr, die ersten Erfolge. Darius verbesserte sich in jedem Fach um eine Note und bekam ‚nur’ die Minimaldosis. In jedem Fach???? Nein, nicht in Deutsch! Die Rechtschreibung verbesserte sich ebenso wenig wie seine Schrift, dafür wurde das Lesen wieder besser.
Schulwechsel – Klasse 5 Gymnasium mit der Diagnose ADS. Auf eigenen Wunsch gingen wir nach dem Halbjahreszeugnis (Deutsch + Englisch 4) noch einmal mit Darius zu einem Pädaudiologen, diesmal zu einem Spezialisten. In 2 Tagen wurde er nun das 2 Mal in seinem Leben auf den Kopf gestellt. Diagnose: LRS.

Nächste Woche haben wir einen Termin beim Jugendamt, wo wir Adressen zur geeigneten Förderung unseres Sohnes bekommen und die Kostenübernahme beantragen.
Ich habe hier so vieles gelesen bzgl. Rechtschreibung nicht werten, und und und.

Wir haben damit ein Problem, denn wir wollen nicht, dass Darius für den Rest seiner Schullaufbahn gesondert behandelt wird. Schließlich ist er ein cleverer Junge. Sicherlich nimmt ihm Notenaussetzung u.ä. zunächst den Druck von den Schultern und von der Seele, aber irgendwann wird er sich diesem Druck wieder stellen müssen, vor dem wir ihn jetzt schützen. Wir haben Darius bis dato immer gestärkt, wenn er ein Tief hatte, ihm gesagt wie klug er ist (das sagen ihm auch seine Lehrer), wie liebenswürdig und wie viel und was er alles erreichen kann, wenn er nur weiter so ehrgeizig bleibt wie er ist. Vielleicht ist das naiv, aber irgendwann sind Kinder erwachsen und wir denken je eher sie sich mit sich und ihren Defiziten auseinandersetzen umso selbstständiger können sie ihr Leben trotz der einen oder anderen Schwäche meistern.

Wir haben jedenfalls nicht vor uns von irgendwelchen Diagnosen aus der Bahn schleudern zu lassen. So ermüdend, anstrengend und aufreibend es manchmal auch ist Wir sind überzeugt davon, dass Darius mit etwas Hilfe seine LRS – Schwäche in den Griff bekommt.

Auf die Frage auf welche Schule er später mal gehen möchte (Wir haben sie ihm in der 1 Klasse gestellt), sagte Darius: Auf ’s Gymnasium. Lange Zeit sah es nicht so aus als würde das klappen. Aber mit seinem Ehrgeiz hat er dann doch geschafft was er wollte.
Jetzt will er Staatsanwalt werden: Wetten das kriegt er auch hin!