Ergebnis 1 bis 7 von 7
  1. #1
    Pixie ist offline addict
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    Standard Erster Todestag

    Hallo,
    heute vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Da ich zwei kleine Kinder habe (mein Sohn war bei ihrem Tod drei Wochen alt) hatte ich in dem Jahr nicht genügend Zeit zum Trauern. Zumindest empfinde ich das so. Tagsüber muss ich funktionieren. Und nachts weine ich in die Kissen.
    Als meine Mutter starb, war ich bei ihr. Und obwohl sie zwei Tage vor ihrem Tod noch ansprechbar war, haben wir uns nicht verabschiedet. Die Worte Sterben und Tod waren ein Tabu. Und ich bin bis heute nicht darüber weg, dass wir uns nicht verabschiedet haben. Eine Psychologin, mit der ich gesprochen habe, sagte mir, ich könne doch mit meiner verstorbenen Mutter Kontakt aufnehmen. Ich habe es versucht, aber nicht das Gefühl, dass es mir wirklich gelungen ist.
    Ich glaube, dass ich nie darüber hinwegkommen werde, dass wir am Ende so sprachlos waren.
    Das musste ich mir mal von der Seele schreiben.
    Pixie

  2. #2
    lotti66 ist offline Member
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    Standard Re: Erster Todestag

    Zitat Zitat von Pixie Beitrag anzeigen
    Hallo,
    heute vor einem Jahr ist meine Mutter gestorben. Da ich zwei kleine Kinder habe (mein Sohn war bei ihrem Tod drei Wochen alt) hatte ich in dem Jahr nicht genügend Zeit zum Trauern. Zumindest empfinde ich das so. Tagsüber muss ich funktionieren. Und nachts weine ich in die Kissen.
    Als meine Mutter starb, war ich bei ihr. Und obwohl sie zwei Tage vor ihrem Tod noch ansprechbar war, haben wir uns nicht verabschiedet. Die Worte Sterben und Tod waren ein Tabu. Und ich bin bis heute nicht darüber weg, dass wir uns nicht verabschiedet haben. Eine Psychologin, mit der ich gesprochen habe, sagte mir, ich könne doch mit meiner verstorbenen Mutter Kontakt aufnehmen. Ich habe es versucht, aber nicht das Gefühl, dass es mir wirklich gelungen ist.
    Ich glaube, dass ich nie darüber hinwegkommen werde, dass wir am Ende so sprachlos waren.
    Das musste ich mir mal von der Seele schreiben.
    Pixie
    Hallo,
    ich kenne das Gefühl der Machtlosigkeit . Als mein Vater starb, ging alles im Endeffekt doch so schnell, obwohl er schon Monate vorher sehr schlecht war. Ich glaube diese Sprachlosigkeit ist oft so, es ist auch sehr schwer direkt mit den Sterbenden über den bevorstehenden Tod zu sprechen.

    Ich hatte auch nicht so wirklich Zeit zum Trauern, weil meine Schwester kurz nach dem Tod meines Vaters in die Endphase ihrer schweren Krebserkrankung kam.

    Auch heute noch (7 und 6 Jahre nachdem beide gestorben sind), sind einige Tage unerträglich und ich vermisse beide noch schrecklich.

    Ich drück Dich mal ganz fest.
    LG
    Lotti66

  3. #3
    mamimami ist offline addict
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    Standard Re: Erster Todestag

    Hallo liebe Pixie,
    ich kann Dich sehr gut verstehen! Laß Dich mal
    Meine Mama ist vor 4 1/2 Jahren an einer Lungenembolie gestorben (plötzlich und ohne Vorerkrankung). Ich konnte mich von ihr auch nicht verabschieden, habe nur einen Anruf auf der Arbeit gekriegt, dass ich so schnell wie möglich auf die Intensivstation des KH kommen sollte, es wäre was mit meiner Mama. Als ich ankam, war sie schon im Koma und ist kurz darauf verstorben.
    Ich kann glaube ich gut nachvollziehen, wie sehr es Dich belastet, dass Du nicht Abschied nehmen konntest und ihr nicht mehr sagen konntest, was Dir wichtig war. Aber vielleicht hat Deine Mama ja gespürt, dass Dir ihr Tod sehr nahe geht und wollte Dich "schonen". Ich hoffe, Du weißt, was ich meine. Manchmal haben Sterbende so ihre eigenen Vorstellungen von Dingen, die besser noch gesagt werden sollten oder besser ungesagt bleiben. Vielleicht wäre es Deiner Mama einfach zu schmerzhaft gewesen, mit Dir über ihren Tod zu sprechen, sie wollte Dich nicht leiden sehen oder hatte selber "Angst" vor dem Tod? Wenn Du Dich zurückerinnerst an die letzten Tage mit Deiner Mama, vielleicht gab es einen Blickwechsel zwischen Euch oder eine Geste (z.B. ein Händedrücken), das sagt manchmal mehr als tausend Worte...

    So ein Alltag mit 2 Kids ist auch nicht einfach, man ist den ganzen Tag gefordert und hat gar nicht die Möglichkeit, sich mal "der Trauer hinzugeben". Als meine Mama starb, war ich mit unserem 1. Kind schwanger (ca. 26. SSW), mittlerweile erwarte ich unser drittes Kind. So richtig "Zeit" zu trauern hatte ich in dem ersten Jahr nach ihrem Tod auch nicht. Aber manchmal muß man sich einfach diese Zeit nehmen, auch wenn es schwer fällt und höllisch weh tut. Du sagst ja selber, dass Dir das irgendwie fehlt...
    Was mir sehr geholfen hat, ist auch der Besuch bei einer Psychologin, das machst Du ja auch habe ich gelesen. Und das mit dem Kontakt aufnehmen mit dem Verstorbenen, das ist leichter gesagt als getan. Da muß man finde ich auch in der richtigen Stimmung sein, Zeit haben, sich dem Gefühl hingeben können... Manche Menschen können das auch einfach nicht, es ist nocht "ihr Ding".
    Ich habe neben der Psychologin noch eine Trauergruppe besucht, das war für mich auch sehr wichtig. An meinem damaligen Wohnort hat das einerseits die Kirche organisiert (obwohl ich sonst nicht so gläubig bin, war die Pfarrerin damals eine große Hilfe), es gab aber auch einen gemeinnützigen Hospizverein, wo ich dann letztendlich die Trauergruppe besucht habe. Es war sehr beruhigend zu wissen, dass ich mich dort auf den regelmäßigen Treffen in meine Trauer fallen lassen + mich ausheulen konnte, Gedanken loswerde, die ich sonst keinem anvertrauen konnte. Vielleicht gibt es ja auch so eine Trauergruppe bei Dir in der Nähe und es wäre noch eine Möglichkeit für Dich?

    Du kannst auf alle Fälle stolz sein, auf das was Du schon geschafft hast: Ein ganzes Jahr ohne Deine Mama "überlebt" zu haben, Deine Kinder mit aller Kraft und mit den besten Absichten weiter versorgt zu haben, nicht aufzugeben und den Alltag irgendwie zu meistern auch wenn es Tage gibt, an denen das manchmal einfach nicht machbar scheint! Und das erste Weihnachtsfest ohne die eigene Mama, Ostern, Muttertag, der Geburtstag Deiner Mama, Dein Geburtstag, die Geburtstage Deiner Kinder, der 1. Todestag. Das sind alles Anlässe, an denen meine Mama immer besonders fehlt. Das hast Du schon alles zum ersten Mal "hinter Dich gebracht". Es muß ja nicht heißen, dass das nächste Weihnachtsfest automatisch "easy" wird, aber ich hatte gerade im ersten Jahr einen Heidenrespekt davor und war immer auf eine Art erleichtert, wenn der Tag dann "rum" war.
    Weine, wenn Dir danach ist, mir hat es immer sehr geholfen. Auch jetzt habe ich noch manchmal Momente, wo es mich manchmal trifft wie ein Blitz aus heiterem Himmel und meine Mama einfach so dolle fehlt, dass es so weh tut. Wenn man aber an der Trauer arbeitet, dann wird der Alltag irgendwann wieder erträglich, der ständige Schmerz wird langsam weniger...
    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für die kommende Zeit .
    Ein Gefühl bleibt bei mir allerdings immer: Die eigene Mama kann keiner ersetzen, die ist einfach einmalig! Und dass sie nicht mehr da ist, tut sehr sehr weh.

  4. #4
    Pixie ist offline addict
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    Standard Re: Erster Todestag

    Vielen Dank für Eure lieben Worte!
    Sicher ist nachts weinen auch Trauerbewältigung. Ich habe nur das Gefühl, dass die Trauer kein bisschen kleiner geworden ist. Aber das ist nach nur einem Jahr vielleicht auch zu viel verlangt. Zumindest geht es mir körperlich etwas besser. In den vier Monaten nach dem Tod meiner Mutter hatte ich schlimme Schmerzen im Kiefer, die mich fast wahnsinnig gemacht haben. Körperlich ließ sich nichts feststellen. Die Psychologin meinte, die Schmerzen würden durch meine Wut verursacht. Ich sei so voller Wut, Wut auf mich selbst, Wut auf das Schicksal, Wut auf den Tod, auch Wut auf meine Mutter (was mich erschreckt hat, aber sie meinte, es sei normal, dass die kindliche Seite in einem Menschen wütend auf den Elternteil sei, der geht und "das Kind" zurücklässt) und die müsste ich irgendwie rauslassen. Was mir aber nicht gelingt.
    Ich war übrigens nur ein einziges Mal bei einer Psychologin. Das war während einer Mutter-Kind-Kur. Hier zu Hause habe ich es irgendwie nicht geschafft, mir psychologische Hilfe zu holen. Und ich konnte mich auch noch nicht überwinden, zu einem Trauertreff zu gehen. Erstens sind diese Treffs vormittags und da habe ich ein Kleinkind zu versorgen. Und dann frage ich mich, ob es gut ist, mit anderen trauernden Menschen zusammen zu sein. Ich weiß es nicht.
    Dass meine Mutter und ich uns vor ihrem Tod irgendwie verständigt hätten - durch Blicke oder Gesten - ist leider auch nicht der Fall. Sie schien mir sehr abwesend und nach innen gerichtet zu sein. Sie hatte noch ihren neugeborenen Enkelsohn auf dem Arm, worüber sie sich auch gefreut hat. Aber ansonsten haben wir überhaupt nicht gesprochen. Und sie hat auch sonst keinen Kontakt zu mir aufgenommen. Es hört sich seltsam an, aber ich habe mich nicht mal getraut, ihre Hand zu nehmen. Es ging ihr so schlecht und sie hat so gelitten. Und ich war wie gelähmt. Mein Vater hat mir nach ihrem Tod erzählt, dass sie eine Woche vor ihrem Tod die Hoffnung auf Genesung aufgegeben und gesagt hat, Sterben sei gar nicht so schlimm. Mir gegenüber hat sie sich nicht geäußert und ich vermute, dass sie mich wirklich schonen wollte.
    Ich wünsche Euch allen ebenfalls viel Kraft. Es tut gut, wenn man sich austauschen kann!
    Liebe Grüße
    Pixie
    Geändert von Pixie (18.10.2009 um 21:22 Uhr)

  5. #5
    anjaundkids ist offline Member
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    Standard Re: Erster Todestag

    Meine Mutter ist im Februar einen Tag nach ihren 59. Geburtstag an einer schweren Blutvergiftung nach einer Bypass-Op auf der Intensivstation verstorben. Sie war die ganze Zeit über im KH gewesen.

    Ihr 1. Todestag fällt nächstes Jahr genau auf Karneval. Ich weiß nicht, wie wir diese beiden Tage überstehen sollen.

    Auch wir konnten uns nicht von meiner Mutter verabschieden, obwohl wir zwei Tage vorher schon wussten, dass es ihr plötzlich so schlecht ging. An ihrem Geburtstag wurde sie erneut operiert und dann haben wir sie auf der Intensiv im künstlichen Koma wieder gesehen. Den Anblick werde ich nie vergessen. Als sie dann verstorben sind, saßen wir im Wartezimmer der Intensiv. Und den Ärzten mussten wir regelrecht die Würmer aus der Nase ziehen.

    Meine Mutter hatte immer Angst vor der Bypass-Op, und wir alle haben sie quasi dazu überredet. Und irgendwie hatte ich auch ein ungutes Gefühl, meine Mutter ins KH zu schicken. Das brennt mir jetzt ganz schön auf der Seele. Aber alles "was wäre wenn" bringt mich da nicht weiter - und das weiß ich auch.

    Meine Kinder vermissen ihre Oma. Wir reden auch offen über dieses Thema - sofern die Große es möchte, mein Sohn ist dafür noch zu klein.

    Tagsüber komme ich gar nicht dazu, daran zu denken, aber nachts kann ich deshalb oft nicht schlafen. Mir ist oft zum Heulen zumute, aber es geht einfach nicht.

    Da heißt es nur: Kopf hoch, das eigene Leben geht weiter! (auch wenn's blöde klingt)
    Stolze alleinerziehende Mama von:


    René, 2 Jahre...........und..............Katja 6 1/2 Jahre





  6. #6
    Pixie ist offline addict
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    Standard Re: Erster Todestag

    Liebe Anja,
    das tut mir leid mit Deiner Mutter!
    Das eigene Leben geht weiter, klar! Aber es ist nicht mehr wie vorher. Meine Mutter fehlt mir jeden Tag. Mit ihr habe ich so vieles besprochen. Ihre Meinung war mir immer wichtig. Jetzt frage ich mich oft, was hätte sie zu diesem oder jenem gesagt. Mir fehlt auch ihre moralische Unterstützung. Oder einfach nur, alltägliche Dinge zu besprechen und den anderen am Leben teilnehmen zu lassen.
    Ich wünsche Dir, dass Du den 1. Todestag gut überstehst!
    LG
    Pixie

  7. #7
    anjaundkids ist offline Member
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    Standard Re: Erster Todestag

    Liebe Pixie,

    dass deine Mutter gestorben ist, finde ich auch sehr traurig. Danke für deine lieben Worte.

    Mir geht es genauso wie dir. Wenn was mit meinen Kindern (6 und (inzwischen) 2) war, konnte ich immer fragen. Sie stand mir immer zur Seite - einfach, als wäre alles selbstverständlich. Aber das war es nicht. Ihr Halt an meiner Seite fehlt einfach. Man überlegt, wie würde sie das machen?

    Ich habe noch eine (inzwischen) 19jährige Schwester. Ihr den Halt zu geben, den ich selber suche, ist verdammt schwer.

    Tagsüber die Starke markieren, damit nicht alles zusammen bricht, aber nachts? Da steigt die Wut und auch die Trauer in einem auf. Und immer die Frage: Warum? Es tut verdammt weh!

    Manchmal komme ich mir vor wie in einer Zeitschleife, wo alles von vorne beginnt. Die Erinnerungen an diese schwere Zeit - auch die letzte Bitte anzunehmen. Und jetzt noch den ganzen Familienstress mit meinen Bruder und meinem Vater. Weil mein Bruder nicht genug bekommen kann. Nachts kommt eben alles wieder hoch, wofür man tagsüber keine Zeit hat. Aber irgendwann macht man sich um auch alle anderen Beteiligten so seine Gedanken und Sorgen.

    Ich hoffe, du hast den 1. Todestag deiner Mutter einigermaßen gut überstanden. Kann dir ganz gut nachfühlen, dass dieser Tag nicht einfach für dich und deiner Familie war.


    Liebe Grüße.
    Stolze alleinerziehende Mama von:


    René, 2 Jahre...........und..............Katja 6 1/2 Jahre





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