Hallo,
mein Name ist Michael und ich bin 33. Ich bin stolzer Vater einer 14 jährigen Tochter die seit einigen Wochen nun bei mir und bei meinem Lebensgefährten wohnt.
Meine Tochter war ein absoluter Unfall. Ich war gerade 18 und habe auf der Abifahrt meine Klassenkameradin geschwängert. Meine Freunde haben mir damals eingeredet, dass ich nicht als "Jungfrau"auf die Uni gehen könne und, dass ich diese Chance nutzen müsse. Das ich Schwul bin habe ich schon geahnt, eingestehen wollte ich es mir allerdings noch nicht. 40 Wochen nach der Klassenfahrt war ich dann Vater und Medizinstudent. Die Mutter meiner Tochter war mit unserer Mathilda überfordert und so zog ihre Mutter die ersten Jahre die kleine groß. Ich hatte bis auf ein Auslandssemester ständigen Kontakt zu meiner Tochter.
Das ich Homosexuell bin habe ich vor meiner Tochter nie verheimlicht. Sie war noch als Schnullerkind im Kinderwagen auf ihrem ersten CSD. Meiner "Schwiegermutter" war das gar nicht recht, sie meinte wir würden das arme Kind emotional überfordern. Ich habe mich in der Sache aber durchgesetzt.
Die ersten Probleme traten dann im Kindergarten auf. Meine Tochter sollte im Kindergarten ihre Familie beschreiben, wie alle heißen, Hobbies... Bei mir viel meiner Tochter nur ein, dass ich schwul bin. Darauf hin erklärte mir die Kindergartenleiterin, dass Sexualerziehung im Kinderarten ein zu kontroverses Thema sei und, dass ich meiner Tochter doch bitte beibringen solle nicht über so etwas zu reden. Ich habe der netten Dame mitgeteilt das ich das nicht tun werde und falls es Probleme gäbe oder sich Eltern beschweren würden sollen sie sie an mich weiterverweisen. Die einzige Rückmeldung die ich von anderen Eltern bekam war die von einem lesbischen Pärchen deren Tochter ebenfalls in die Gruppe meiner Tochter ging. Wir sind bis heute befreundet.
In der Grudschule wurden die Probleme dann größer. Das Thema AIDS machte die Runde und, dass das alle Schwulen hätten. Meine Tochter hat mich dann an einem Wochenende weinend gefragt ob ich AIDS hätte und ob ich dann bald sterben würde. Während dieser Zeit musste sich meine Tochter einiges gefallen lassen. Die üblichen Beschimpfungen (Dein Vater ist ein...) Trotzdem ist meine Tochter sehr stark geblieben sie meinte nur, entweder du Papa oder Jennifers Mutter die im MS hat und im Rollstuhl sitzt oder Daniels Vater mit den Feuerroten Haaren. Die Kinder in der Schule würden jeden Tag über jemand anderes lästern.
Jetzt ist sie auf dem Gynasium und gelästert wird immer noch. Und dank Internethandys hat der Klassenkasper auch dauernd die tollsten Schwulenwitze auf Lager. Matilda meint nur, dass wenn sie für jedes mal, dass er das Prostata gesagt hat einen Cent bekommen hätte sie sich jezt ne Wii kaufen könnte.
Seit dem neuen Schuljahr wohnt Mathilda nun bei uns und musste deshalb auch die Schule wechseln. Wir haben lange überlegt ob wir es diesmal verschweigen wollen aber Mathilda hat bei ihrer Vorstellung vor der Klasse gesagt, dass sie bei ihrem schwulen Vater und dessen Lebensgefährten wohne. Bis jetzt halten sich die dummen Sprüche in Grenzen. Am schlimmsten mein meine Tochter sei es seit neuestem an Freitagen. Denn wenn abends Germany´s next Topmodel laufe und der komische Thomas und Horge dort auftreten kommen am nächsten Tag immer seltsame Fragen wie z.B. trägt dein Vater auch High Heels wie Horge oder trägt dein Vater auch so Klamotten wie der Thomas ( Halstuch und seltsame bunte Hemden). Ich frage mich da immer welches Bild Jugendliche von Homosexuellen bekommen (wobei meine Tochter immer wieder betont wie intellient Horge sei. Schließlich hätte der rassige Kubaner ja ein Diplom als Atomingenieur. Fukushima lässt grüßen)

Mit meinen Lebenspartnern ist Mathilda immer gut ausgekommen. Bisher hat sie auch nur zwei von ihnen kennengelernt. Mit Christopher meinem derzeitigen Lebenspartner versteht sie sich sehr gut. Das zusammenleben von uns drei funktioniert meistens ohne Probleme. (bis auf die normalen Teenaerprobleme). Sie akzeptiert ihn als Autoritätsperson, er hilft ihr bei den Hausaufgaben und zusammen kochen sie abends das Abendessen. Momentan macht Mathildas Mutter und deren neue Familie ziemliche Probleme (nachzulesen im Forum Patchworkfamilien). Wenn das ausgestanden ist sehe ich keine Hindernisse warum wir nicht für lange Zeit ein kleine glückliche Regenbogenfamilie zusammenleben können.