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So habe ich die Geburt erlebt Wie haben Sie es erlebt, als Ihr Kind zur Welt kam?

 
 
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Alt 23.01.2012, 19:18
Stranger
 
Registriert seit: 20.01.2012
Beiträge: 2
Standard Uterusatonie III° bei erster Geburt-wem ging es auch so?

Hallo!

Wer noch vor seiner Geburt steht sollte das hier lieber nicht lesen, aber vielleicht finde ich hier jemanden dem es wie mir erging.

Ich hatte eine überglückliche wenn auch nicht sehr einfache Schwangerschaft mit einer Nackenfalte und einem 13:1 hohen Risiko für ein Down-Syndrom, sowie dem Risiko von Wassereinlagerungen im Baby mit ständigen Kontrollen und einigen manchmal eher seltenen Schwangerschaftswehwehchen, die eine Woche vor ET mit einer Geburtseinleitungaufgrund eines beginnenden HELLP-Syndroms endete.

Schon die Testdosis des zur Einleitung verwendeten Medikaments schlug bei mir an, sodass ich acht Stunden nach der ersten Wehe um kurz nach acht morgens mittels Saugglocke eine überglückliche Mama wurde.
Bis auf einen Kreislaufkollaps zwei drei Stunden nach der Entbindung war auch erst mal alles gut und ich kam auf die Station in mein Bett mit hochgelagerten Beinen und auch mein wunderschönes Söhnchen folgte mir und lag zwar leider nicht in meinem Arm sondern in seinem Bettchen, doch zumindest nah bei mir, doch dann ging es leider los.
Zunächst bekam ich Nachwehen, was ja gut und normal ist, bei mir waren sie jedoch so stark, dass ich sie richtig wetatmen musste. Ich hatte keine Ahnung ob das normal ist es war mein erstes Kind und wir verständigten die Schwester, die dann auch schnell die Oberärztin holte. Es stellte sich heraus, dass die Plazenta nicht vollständig abgegangen war, was nun mittels einer Ausschabung behoben werden sollte.
Im Eiltempo wurde ich für die OP umgezogen und schon ging es zu meinem großen Schrecken los. Mir wurde jedoch versichert, dass es nur ein kleiner Routineeingriff sei, der schnell geht und nachdem es mir viel besser gehen wird.
Der Anästhesist war gar nicht begeistert, dass ich nicht nüchtern war, da wir noch vor zwei Stunden gefrühstückt hatten und ich war auch immer drauf und dran auch wenn es nur ein Routineeingriff ist, die Ärzte darauf hinzuweisen, dass bei mir der Antikörpersuchtest, der in der Schwangerschaft bei jedem gemacht wird, positiv war, ich deshalb nicht jedes Blut meiner Blutgruppe bekommen kann. So wurde mir noch Blut abgenommen und in die Uniklinik Münster zur Antikörperdifferenzierung, da es nur dort ein Labor und auch entsprechendes Blut dafür gibt, geschickt für den Fall der Fälle.
Ich kam jedoch trotzdem direkt danach in den OP und als ich schließlich wieder wach wurde ging es mir tatsächlich besser. Auch mein kleines Söhnchen konnte endlich zu mir und kam bei mir auf die Brust, was ein wunderschönes Gefühl war, dass ich glaube ich nie vergessen werde.
Doch lange dauerte die Idylle leider nicht an, denn schon bald kamen die Schmerzen zu meinem großen Entsetzen wieder. Wieder kam die Ärztin und drückte wie auch vor der Ausschabung schon auf meinem Bauch herum und verursachte mir solche Schmerzen, dass ich ihr die Arme regelrecht von meinem Bauch weggerissen habe. Ich war jedenfalls total entsetzt und rasend vor Angst, dass diese Schmerzen die doch eigentlich weg sein sollten nun wieder da waren und man untersuchte mich erst mal mittels Ultraschall. Da stellte die Ärztin fest, dass meine Gebärmutter voller Blut sei und als sie dann schließlich erneut auf meinen Bauch drückte, kam ein ganzer Schwall Blut und Blutkoagel heraus. Alle waren total schockiert darüber, der Chefarzt wurde hinzugerufen, ich bekam schon mal -meine ich -Blutplasma, das unabhängig von den Antikörpern verabreicht werden kann. Der Chefaerzt untersuchte mich dann noch mal und teilte mir schließlich mit, dass die Gebärmutter sich nicht zurückzieht und vielleicht entfernt werden muss. Er fragte mich und meinen Mann nach unserem Einverständnis, doch wie hätten wir das verweigern sollen, wenn die Alternative nur Verbluten lautete... Er versicherte uns, dass sie alles erdenkliche versuchen würden um die Gebärmutter zu retten, doch wenn es nicht ginge müsste sie per Bauchschnitt entfernt werden, das sie für eine vaginale Hysterektomie zu groß sei nach der Geburt. Da konnte ich die Tränen nicht mehr halten, ob dieser ganzen grausamen Nachrichten, der Angst und dieser Ungerechtigkeit...
So kam ich also erneut in den OP, es wurden mehrere Zugänge vorbereitet, das Blut für mich kam mit Blaulicht aus der 50 km entfernten Uniklinik gefahren und ich durfte diesem Horror endlich in die Narkose entfliehen.
Als ich wieder aufwachte kam ich auf die Intensivstation wo ich erfuhr - von wem genau weiß ich es nicht, die Ereignisse danach sind alle sehr verschwommen- dass man mir 4 Bluttransfusionen verabreicht hatte und ich meine Gebärmutter tatsächlich verloren habe. Ich hatte einen großen Bauchschnitt mit entsprechenden Drainagen an beiden Seiten, einen Blasenkatheter, zwei weitere Zugänge und eine Arterie im linken Arm, einen Zugang am Hals so wie einen ZVK am Hals. Vor allem über die beiden Zugänge am Hals war ich schockiert, da der Anästhesist mir vor der Op noch sagte die seien nur für den Notfall gedacht.
Als mein Mann schließlich nach Hause fuhr sagte die Schwester mir ich solle schlafen, doch das konnte ich nicht, nicht nur, dass mir ständig alptraumhafte Bilder aus den letzten Stunden in meinem Kopf herumspuckten ich hatte auch das Gefühl meine Zunge würde gleich in meinen Hals rutschen und ich müsste ersticken. Zum Glück bin ich auch nicht eingeschlafen, denn schon kurz nachdem mein Mann weg war bemerkte ich zu meinem großen Entsetzen wieder eine Blutung. Mit dieser schockierte ich nicht nur mich sondern auch die Ärzte, ich war aber so geschockt, dass mein Herz derart zu rasen begann, ich ein kribbeln im Gesicht bekam und rasende Kopfschmerzen, dass ich dachte wenn die Blutung mich nicht umbringt, dann bekomme ich jeden Augenblick einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall.
So kam ich also kurz nach 23 Uhr wieder in den OP und die Intensivschwester die mich hinbrachte, sagte nur: Ich werde für sie beten.
Das machte mir noch mehr Angst, doch lange Zeit hatte ich dafür nicht, denn schon kam die nächste Narkose.
Nach einer Stunde OP, 4 weiteren Bluttransfusionen und einer nun gestillten Blutung kam ich wieder auf die Intensivstation. Von den ganzen Bluttransfusionen hatte ich Schüttelfrost am ganzen Körper und kam erst mal unter eine Wärmedecke und dann war da dieser quälende Durst den ich schon den ganzen Tag hatte, ich durfte jedoch noch nichts trinken. An Schlaf war auch den Rest der Nacht für mich nicht zu denken, nicht nur aus Angst zu verbluten wenn ich nicht selbst aufpassen würde, ich bat die Schwester auch jedes Mal wenn sie rein kam nachzusehen ob ich blute, sondern auch weil die Betreuung auf der Intensivstation, was ja gut ist, aber einen trotzdem nicht unbedingt schlafen lässt. Ich bekam Elektrolyte über den ZVK verabreicht, die immer wieder mit lauten Signal leer gingen, jede Stunde wurde mir über die Arterie Blut abgenommen, sodass ich selbst wenn ich geschlafen hätte immer wieder geweckt worden wäre.
Zum Glück blieb diese Nacht jedoch ohne weitere Blutungen und OPs so auch die nächsten Tage, allerdings kamen dafür andere Dinge. Mein Blutdruck und mein Puls rasten vor sich hin, weshalb ich Betablocker bekam, mein HB war bei 7,9, da mein Elektrolythaushalt durcheinander war bekam ich halt diese verabreicht, sowie jede Stunde 200 ml Infusion da man befürchtete meine Nieren würden nicht richtig arbeiten. Erst war man auch positiv gestimmt, da sich dadurch meine Werte besserten und man war optimistisch die Nieren wieder zum Arbeiten zu kriegen, doch leider nicht lange, denn die Werte verschlechterten sich leider wieder. So erhöhte man einen Tag später die Infusion auf 500 ml pro Stunde und ich bekam die Freigabe gegen meine anhaltenden quälenden Durst alles zu tun was ich wollte, sodass ich noch an dem Tag 8 Flaschen Wasser dazu trank. Man kam gar nicht nach meinen Urin abzutransportieren und es kam alles unbearbeitet von den Nieren wieder raus. Vor lauter Angst vor weiteren Hiobsbotschaften versuchte ich aber die skeptischen Blicke der Ärzte und Schwestern auszublenden, weil jeder Gedanke daran mir wieder Herzrasen bereitete und mir schlotterten dabei unglaublicherweise vor Angst die Knie und versuchte mich an den wenigen Stunden die mein Söhnchen zu mir kam zu erfreuen.
Als ich am nächsten Morgen jedoch aufwachte wähnte ich mich aber in einem Alptraum. Ich hatte das Gefühl in ein Wachkoma zu fallen oder gerade dabei sein zu Sterben, denn ich war kaum mehr Herr über meinen Körper. Ich war schockiert, denn den Tag vorher ging es mir eigentlich schon besser, doch nun war ich total angeschwollen und völlig apathisch, als Folge eines Hirnödems wie die Neurologin später am Tag feststellte.
Gott sei Dank wurde ausgerechnet an dem Tag ein Nephrologe hinzugezogen der direkt einen Flüssigkeitsentzug anordnete, denn das was man gemacht hatte sei genau das falsche gewesen und so fingen meine Nieren wieder an und auch das Hirnödem war schnell wieder weg durch den Flüssigkeitsentzug und so konnte ich drei Tage später endlich die Intensivstation verlassen und kam noch sehr geschwächt, sodass ich mich die ersten drei Nächte noch immer nicht um meinen Sohn kümmern konnte und die vierte nur zur Hälfte, auf die Entbindungsstation.

Das ganze ist nun zwei Jahre her und es belastat mich noch immer denn es waren ganz schlimme Tage für mich und für uns und ich bin untröstlich, dass ich meine kleine Maus in seinen ersten Tagen so wenig gesehen habe und er mich, dass ich mich nicht um ihn kümmern konnte und nicht für ihn da sein konnte. Doch er war einfach wundervoll, hat sich lieb von meinem Mann, den Schwestern und unseren Familien versorgen lassen, auch wenn er seine Mami sicher vermisst hat, ich will mir gar nicht ausmalen wie. Als er am Tag nach den OPs zu mir auf die Intensivstation kam und bei mir in den Arm da sah er so wundervoll zu mir hoch und schien sogar meine Stimme zu erkennen trotz der Tatsache, dass sie rauh war von den Infusionen und wir beide konnten nicht die Augen von einander nehmen und uns nicht satt sehen an einander. So war das auch in den nächsten Tagen wenn er bei mir im Arm war sah er mich oft ganz liebevoll und aufmerksam an als wollte er sagen: Mami endlich bist du da.
Ich hoffe nur, dass die Tatsache, dass ich nicht für ihn da war in seinen ersten Tagen nicht was schlimmes in ihm angerichtet hat.

Was den Verlust meiner Gebärmutter angeht, es war sehr schwer das zu verkraften und ist es immer noch, denn mein Sohn sollte auf keinen Fall unser einziges Kind bleiben und es schmerzt mich so sehr, dass ich nie wieder eine Schwangerschaft, die mit das schönste war was ich je erlebt habe, erleben werde und auch nie wieder ein und vor allem mein Baby im Arm halten werde. Die Zeit hat es zwar ein wenig leichter gemacht, aber nur ein wenig und es gibt bessere und schlechtere Tage. Ich weiß nicht ob wir uns nach allem was geschehen ist, getraut hätten noch mal ein Baby zu bekommen, das habe ich auch an diesem Tag ein mal gedacht, doch wir hätten noch die Wahl gehabt und so haben wir sie leider nicht...
Die Leute denken und sagen, sei froh, dass du überlebt und zumindest deinen Sohn hast und das bin ich und wir mehr als man sich vorstellen kann, doch dadurch dass er so wundervoll ist, zeigt er mir auch was mir weiteres entgeht und das tut halt weh...

Geändert von sam2201 (23.01.2012 um 19:40 Uhr)
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