Nachdem ich 9 Tage überfällig war und bereits 2 erfolglose Einleitungsversuche (1x Wehentropf und 1x Gel bei 40+2 bzw. 40+4) hinter mir hatte, sollte Mittwoch vormittag der nächste Einleitungsversuch unternommen werden. Tags zuvor hatten wir in der Familie noch den 2. Geburtstag meines Sohnes gefeiert.

Nachts um zwei erwachte ich von stärkeren Wehen im 10-Minuten-Abstand. In den letzten Wochen hatte ich immer wieder teils schwächere, teils stärkere Vorwehen gehabt, die manchmal auch über Stunden anhielten, letztendlich aber zu nichts führten. Daher ging ich auch diesmal davon aus, wieder nur nutzlose Vorwehen zu haben und blieb im Bett liegen.

Um halb vier waren die Wehen noch immer da, manche von ihnen so schmerzhaft, dass ich mich im Bett aufsetzen und sie veratmen musste. Ich ging erst einmal aufs Klo, wo ich blutig gefärbten schleimigen Ausfluss feststellte. Schleimabgang hatte ich in den letzten Tagen ebenfalls immer wieder gehabt, daher war ich noch immer nicht überzeugt und ging wieder ins Bett. Ich konnte allerdings nicht mehr schlafen und rief schließlich meine Hebamme an. Diese riet mir wegen der schlechten Wetterlage (es bestand Glättegefahr für den morgen) in die Klinik zu fahren. Ich war jedoch skeptisch und fürchtete einen Fehlalarm, zu oft hatte ich schließlich in der letzten Zeit Vorwehen gehabt. Daher kam meine Hebamme zu mir gefahren, um mich erst zu untersuchen. Sie stellte fest, dass der Muttermund bei 3 Zentimeter stand und die Geburt eindeutig begonnen hatte.

Also fuhren wir in die Klinik, wo wir um zwanzig nach fünf morgens eintrafen. Die dortige Hebamme legte mich ans CTG, welches aber die Wehenkurve nicht ausdruckte. Der Abstand lag inzwischen bei etwa 8 Minuten, und die Wehen waren noch gut auszuhalten. Wegen meines positiven Beta-Streptokokken-Ergebnisses sollte ich am Ende der Geburt eine Antibiose per Tropf erhalten. Der MuMu war noch unverändert bei 3 Zentimeter. Da ich sehr viel wässrigen Ausfluss hatte, wurde ein Fruchtwassertest durchgeführt, der aber nicht eindeutig war. Eventuell gab es einen kleinen, hohen Riss.

Um 6 Uhr war Schichtwechsel der Hebamme im Kreissaal. Langsam nahm die Intensität der Wehen zu und ich veratmete sie vorne übergebeugt auf das Kreisbett. Der Abstand lag bei etwa 5 Minuten. Zwischen den Wehen ging es mir noch richtig gut.

Um 7 Uhr stand der MuMu bei 4 Zentimeter. Die Hebamme bot mir ein Mikroklistier an, da mein Darm sehr gefüllt war und das Baby behinderte. Ich nahm das Angebot an und stellte kurz darauf fest, dass Wehen während man auf dem Klo saß nicht witzig waren.

Um 8 Uhr hatte sich der MuMu auf 7-8 Zentimeter geöffnet. Die Wehen waren heftig, aber noch immer im 5 Minuten-Abstand, so dass ich mich in den Pausen gut erholen konnte.

Um 9 Uhr verkündete die Hebamme, dass ich vollständig eröffnet sei. Nur ein kleiner Saum stünde noch. Ich entkleidete mich und kniete im Vierfüßlerstand auf dem Kreisbett. Die Wehen waren inzwischen sehr schmerzhaft. Noch immer war die Fruchtblase nicht geplatzt. In einer Wehenpause wünschte ich mir kurz eine PDA, doch ich wusste, dass es dafür längst zu spät war.

Kurz darauf fiel mir der Antibiose-Tropf ein. Kaum hatte ich diesen erwähnt, versuchte die Hebamme rasch einen Zugang zu legen. Leider wollte der Tropf nicht richtig laufen, so dass sie die Ärztin zu Hilfe holte. Doch auch diese konnte keinen guten Zugang legen und es dauerte daher sehr lange, bis die Infusion endlich am laufen war. Währenddessen begannen die ersten Presswehen. Die Schmerzen waren extrem, und ich hatte Mühe, den Anweisungen von Hebamme und Ärztin zu folgen.

Da das Köpfchen des Babys sehr groß war und ich die Presswehen nicht richtig veratmen konnte, setzte die Ärztin einen Dammschnitt. Den Schnitt spürte ich als kurzen, hellen Schmerz. Jetzt endlich platzte auch die Fruchtblase. Ich sah das grün gefärbte Fruchtwasser zwischen meinen Beinen auf dem Bett und wusste, dass mein Baby Stress hatte. Die Hebamme presste derweil das CTG auf meinen Bauch, um die Herztöne des Babys zu erfassen. Doch sie schaffte es kaum, da das Baby schon zu tief war.

Während mich der Wehenschmerz fast überwältigte, presste ich wie wahnsinnig. Zeit verlor ihre Bedeutung, ich presste einfach immer weiter, angefeuert von Ärztin und Hebamme. Und schließlich spürte ich, wie mein Sohn aus mir herauskam. Schlagartig waren sämtliche Schmerzen weg. Ich griff zwischen meinen Beinen durch und zog ihn zu mir nach oben auf die Bettlehne. Ich hielt ihn fest, küsste ihn, streichelte ihn und hieß ihn in dieser Welt willkommen. Mein Mann durchtrennte unterdessen die Nabelschnur, die noch immer in mich hineinführte.

Nun endlich konnte ich mich auf den Rücken drehen und die Ärztin zog vorsichtig die Plazenta aus mir heraus. Leider war ich zusätzlich zu dem Schnitt auch noch gerissen und verlor sehr viel Blut, daher begann die Ärztin mich sofort zu vernähen. Das Nähen war trotz lokaler Betäubung sehr schmerzhaft, ich spürte jeden Stich. Schließlich aber war es vorbei und ich konnte meinen Sohn, eingewickelt in ein Handtuch, wieder in den Arm nehmen und ihn das erste Mal anlegen.

Die stolzen Maße des kleinen Schlingels:
Gewicht 4180 Gramm
Größe 53 Zentimeter
Kopfumfang 38 Zentimeter