Liebe Gabi,

es ist in der Literatur nichts zu finden, wie eine stillende Frau schnell wieder schwanger werden kann. Das liegt wohl daran, dass der natürliche (damit meine ich nicht den sicheren !!!) Empfängnisschutz durch das Stillen als sinnvolle Sache verstanden wird. Der Körper der Frau signalisiert damit, dass er noch mit dem Stillkind beschäftigt ist, kein weiteres Kind "zulässt", um das er sich zu kümmern hat. Es ist also quasi ein Schutzmechanismus für die stillende Mutter und das kleine Kind.

Prinzipiell kann frau in der Stillzeit schwanger werden. Neben den (Ab-)Stillgewohnheiten spielt die individuelle Körperchemie einer Frau eine Rolle, nach welchem Zeitpunkt nach der Geburt oder dem Abstillen die Periode wieder einsetzt.

Im "Handbuch für die Stillberatung", Hrsg. La Leche Liga Deutschland e.V., 1. Auflage, Sept. 2000, heißt es hierzu: "Einige wenige Mütter stillen ihre Babys ohne zuzufüttern und dennoch setzt ihre Menstruation innerhalb von drei Monaten nach der Geburt wieder ein. Andere Mütter, deren Mütter nachts durchschlafen oder die zufüttern, haben über einen Zeitraum von zwölf Monaten oder länger keine Menstruationszyklen. Durch individuelle Unterschiede bei Müttern und Babys kann die Zeit der natürlichen Unfruchtbarkeit verlängert oder abgekürzt werden. Manche Frauen haben zwei Jahre und länger keine Menstruation. "

Im Zweifelsfall könnten Sie sich auch an Ihren Frauenarzt mit der Bitte um Bestimmung des Hormonspiegels wenden, der Auskunft darüber geben kann, warum derzeit die Periode ausbleibt.

Da, wie bereits erwähnt, sich die meisten Fachpublikationen nur damit beschäftigen, Stillen als Verhütungsmethode einzusetzen, habe ich Ihnen eine Passage aus dem o.g. Buch entnommen, die Sie - bei neuem Kinderwunsch - ins Gegenteil umsetzen können: "Am wirksamsten wird die Fruchtbarkeit unterdrückt, wenn die überwiegende Ernährung des Babys über die Brust erfolgt und zwischen zwei Stillmahlzeiten nicht mehr als vier Stunden am Tag und sechs Stunden während der Nacht vergehen (Institut für Reproduktive Gesundheit, 1994). Sobald das Baby beginnt, nachts länger als sechs Stunden zusammenhängend zu schlafen, während des Tages mehr als vier Stunden zwischen zwei Stillmahlzeiten liegen und die Mutter verstärkt zufüttert, kann sich das Hormongleichgewicht der Frau so verändern, dass es wieder zu einem Eisprung und dem Einsetzen der Menstruation kommt. Jedenfalls wird sich die unfruchtbare Periode fast immer entsprechend verlängern, wenn das Baby häufig an der Brust saugt, zum Trost ebenso wie zur Nahrungsaufnahme, und sowohl tagsüber als auch während der Nacht gestillt wird. (...)
Bei der Rückkehr der Fruchtbarkeit ergeben sich entsprechend der örtlichen Stillgewohnheiten lokale Unterschiede. In Ruanda zum Beispiel stellt das Stillen die Norm dar, und die Menstruation setzt bei den Müttern durchschnittlich nach zwölf Monaten wieder ein. In den USA jedoch wird sehr viel weniger und kürzer gestillt. Im Jahr 1992 stillten nach sechs Monaten nur noch etwa 20 % der Mütter ihre Babys. Daher wird die überwiegende Mehrheit der stillenden Mütter viel eher wieder fruchtbar. Selbst in Gegenden mit ähnlichem Abstillalter unterscheidet sich das Wiedereinsetzen der Fruchtbarkeit aufgrund unterschiedlicher Stillgewohnheiten (Gray, 1994). (...)
Hat die Menstruation der Mutter noch nicht wieder eingesetzt, wenn sie beginnt, feste Kost einzuführen, gibt es einige Möglichkeiten, die dazu beitragen können, die natürliche Phase der Unfruchtbarkeit zu verlängern:
* zuerst stillen, dann die feste Nahrung anbieten,
* die feste Nahrung nur allmählich einführen und
* nachts weiterhin uneingeschränkt stillen.
(...)
In einigen Fällen reicht selbst seltenes Stillen aus, um eine Schwangerschaft zu verhindern, wenn die Frau zuvor intensiver gestillt hat (Gray, 1990). Bei einem derartigen Fall berichtete die Frau, dass ihre Periode 18 Monate postpartum wieder eingesetzt habe. Ihr Sohn wurde noch ein weiteres Jahr lang gestillt, und obwohl es Anzeichen dafür gab, dass sie einen Eisprung hatte, konnte sie nicht schwanger werden. Sie wandte sich an einen Spezialisten für Fruchtbarkeitsmedizin, der auf Untersuchungen hinwies, die darauf hindeuten, dass manche stillenden Frauen trotz Eisprungs aufgrund subtiler Hormonveränderungen durch das Stillen noch für einige Zeit unfruchtbar bleiben. Sie wurde innerhalb weniger Wochen schwanger, nachdem sie ihren Sohn vollständig abgestillt hatte (Gotsch, 1991). "

Soweit die Fakten und Erfahrungen. Die Entscheidung, wie Sie nun weiter vorgehen sollten, müssen Sie mit Ihrem Partner unter Einbeziehung der Bedürfnisse Ihres Sohnes selbst fällen.

Herzliche Grüße und ein festes Daumendrücken, dass es mit dem neuen Baby bald klappt!
Silke Hess