Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 14
  1. #1
    2burschen ist offline Carpal Tunnel
    Registriert seit
    25.05.2014
    Beiträge
    3.244

    Standard Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Trotzen gehört ja wohl einfach zur Entwicklung dazu, beim einen mehr beim anderen weniger. Bei meinem jüngsten ist es zur Zeit deutlich mehr. Nun gut, ich glaube ihm gefällt es auch nicht sonderlich gut ständig zu brüllen und sich auf den Boden zu werfen.
    Aaaaber wie gehe ich damit am besten um? Er will nicht meine Nähe aber auch nicht das ich ihn in Ruhe lasse. Und mir klingeln die Ohren und im Laufe eines vormittags verliere ich immer mehr die Geduld und könnte (!) ausflippen. Ooooooommmmmmmmmmmmm ist meinerseits das meistgesagte Wort am Tag, seines "kann das!"
    Habt ihr ein Tipp wie ich solche Situationen aus einem anderen Blick sehen kann der es mir leichter macht?
    Versteht ihr was ich meine?

  2. #2
    Avatar von sunya
    sunya ist offline überwiegend sonnig
    Registriert seit
    23.10.2013
    Beiträge
    9.400

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von 2burschen Beitrag anzeigen
    Trotzen gehört ja wohl einfach zur Entwicklung dazu, beim einen mehr beim anderen weniger. Bei meinem jüngsten ist es zur Zeit deutlich mehr. Nun gut, ich glaube ihm gefällt es auch nicht sonderlich gut ständig zu brüllen und sich auf den Boden zu werfen.
    Aaaaber wie gehe ich damit am besten um? Er will nicht meine Nähe aber auch nicht das ich ihn in Ruhe lasse. Und mir klingeln die Ohren und im Laufe eines vormittags verliere ich immer mehr die Geduld und könnte (!) ausflippen. Ooooooommmmmmmmmmmmm ist meinerseits das meistgesagte Wort am Tag, seines "kann das!"
    Habt ihr ein Tipp wie ich solche Situationen aus einem anderen Blick sehen kann der es mir leichter macht?
    Versteht ihr was ich meine?
    "Wie schafft ihr es, ruhig zu bleiben?"


    Manchmal schaffe ich es nicht. Muss ich auch nicht immer. *Find*
    Ich bin auch nur ein Mensch und habe Emotionen.
    Manchmal lenke ich meinen Ärger in humorig-plautzige Bahnen, indem ich "spaßig" meckere.
    "Das musste jetzt sein, was, du verrückte Trulla??? Du Trulla, Trullala, hm?" *knuddel; kitzel, spaßig böse guck und knurr*

    Grad gestern klang das etwa so, da wollte sie, abends, kurz vorm schlafen gehen, nachdem EIN (!) Tropfen Wasser auf die Hose getropft war, unbedingt eine andere Hose anziehen. Ich war aber grad am Küche aufräumen und konnte (und wollte) ihr nicht behilflich sein. (Es war später Abend, da zieh ich das Kind doch nicht komplett neu an, nur wegen einem Tröpfelchen Wasser auf dem Hosenbein )
    Kind hat gezetert wie wahnsinnig, ich hab gesagt, sie müsse dann eben selbst klarkommen. Sie hats auch wirklich versucht und sich dann zusätzlich geärgert, dass sie die "nasse" nicht gleich allein aus und die neue Hose nicht allein anbekommen hat.
    Am Ende hatte sie übrigens - assistiert von der später hinzugekommenen und total geduldig reagierenden großen Schwester - wieder die selbe Hose an, die sie ursprünglich angehabt hatte. Die war über das ganze Theater (bestimmt so 20 Minuten lang) nämlich längst getrocknet.

    Im Grunde war das ein großes Theater um nichts.
    Ursachen: Kind wahrscheinlich müde, Mutter zu ungeduldig. (ich hätte ihr eigentlich doch durchaus einfach den Wunsch erfüllen können und ihr mal eben eine andere Hose anziehen können...)
    Also in vielen Situationen habe ich als Mutter hier einen Anteil daran, dass es zu solchen (längeren) Trotzanfällen kommt...
    (Und wenns nur das ist, dass es abends zu spät ist oder das Kind gerade hungrig)

    Wichtig finde ich immer, mir vor Augen zu halten, dass sich das nicht gegen mich richtet und das Kind nicht "destruktiv" ist. Es kann einfach grad nicht anders...

    Ich versuche dann Abstand zu gewinnen, einen Schritt zurückzutreten und mich aus der "Beziehungsebene" rauszunehmen und eher die "Beobachterin" oder "Forscherin" zu sein.
    Indem ich mich

    a) ins Kind hineinversetze (warum genau ist es frustriert? Es ist ja meist nicht "die Hose", sondern ein tieferer Schmerz und Ärger, wie eben darüber, dass es motorisch nicht in der Lage ist, seinen Willen selbst umzusetzen.
    Und: ist es evtl einfach auch müde/hungrig, anderweitig aus dem Gleichgewicht und darum dünnhäutiger?

    und b) mir die Metapher von Jesper Juul zum "Trotzalter" in Erinnerung rufe: "Das Kind feiert sich selbst".
    Es weiß, dass es ein Selbst ist und es übt sich darin, dieses Bewusstsein einzusetzen. Das will geübt werden und ist durchaus mit Frust verbunden, weil es eben nicht immer so klappt, wie erhofft.
    Und der Trotz ist zwar oft unbequem, aber auch unbedingt NOTWENDIG, um sich von uns Müttern und dem bisherigen Selbst zu lösen.
    Wenn die Kinder das nicht machen würden, wären Mutter ud Kind noch ewig in der "Symbiose" des Babyalters gefangen und wir wohlmeinenden Mamas würden sie auch mit 4, 6, 14 noch betüddeln...
    Also im Grunde hat Juul recht - wir sollten statt uns zu ärgern eher denken: GRATULATION! TOLL! Das Kind entwickelt sich weiter!

    Das ist das, was MIR am besten hilft --- also dieser "Forscher - & Beobachterblick".
    Ich stell mir dann quasi vor, ich sei ein Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts (oder so, komme da drauf, weil die hier tatsächlich solche Forschungen machen) und versuche frühkindliches Verhalten zu beobachten und zu analysieren.

    Allerdings klappt das natürlich nicht immer, weil ich natürlich schon auch aus der Haut fahre, wenn so ein Anfall gerade dann kommt, wenns grad GAR nicht passt.
    Bsp von oben: ich hatte gestern hormonell bedingt meine "aggressive Phase" und außerdem noch am Tag nicht das Pensum geschafft, was ich vorgehabt hatte zu erledigen und war darum selbst auch mies drauf und schnell genervt und eben auch irgendwie "bockig". An einem anderen Tag hätte ich dem Kind ganz sicher amüsiert die gewünschte andere Hose einfach angezogen...
    Und ich glaube auch, das Kind war u.a. auch genau darum so schwierig, weil ICH eben auch nicht so wie sonst drauf war. Ich war schon vorher ihr gegenüber ungeduldiger als sonst gewesen, das war dann nur die letztendliche und vielleicht auch nötige Eskalation des beiderseitigen "Unwohlseins".

    Das habe ich schon soooo oft beobachtet - dass sehr oft eigentlich bei MIR was im Argen lag, wenn die Kinder mal so gar nicht "funktionierten".
    Drum sollte man den Kindern vielleicht auch öfters mal dankbar sein, dass sie einen drauf stoßen, dass es offensichtlich grad irgendwo "hängt".
    Irgendwo las ich auch mal (ich glaube, das war auch Juul), dass die Kinder sehr oft das stellvertretend "rausbringen", was eigentlich in uns brodelt oder sie schlicht die allgemeine Athmosphäre widerspiegeln.
    Dass sie es auf sich nehmen, das rauszulassen, was eigentlich unsere Aufgabe wäre zu bewältigen.
    Sehr oft hat das zumindest bei meiner Großen im Kleinkindalter gestimmt.
    (Ich hatte da so einige entsprechende Erlebnisse... Klitzekleines Beispiel: ich traf eine Freundin, zu der ich ein angespanntes Verhältnis hatte. Ich hatte die damals 2jährige auf den Arm. Sie muss meine Anspannung gefühlt haben... Jedenfalls tat sie etwas völlig unerwartetes und für sie untypisches: Sie griff plötzlich ins Gesicht der Freundin und zog sie fest an der Nase! Boarr, ich hätte im Boden versinken mögen. Und habe mit dem Kind geschimpft. War aber so irritiert davon, dass ich im nachhinein echt länger drüber nachgedacht habe, was denn da bloß ins Kind gefahren sein mag... Ergebnis wie genannt - ICH hatte ein gestörtes Verhältnis, Kind hat das für mich ausgedrückt... aber das betrifft jetzt schon gar nicht mehr deine Frage...)

    Ich beoachte auf jeden Fall auch an mir, dass ich immer nur dann schlecht mit sowas umgehen kann, wenn ich selbst Stress habe oder unausgeschlafen bin oder anderweitig irgendwie unter Druck. (Irgendwo mit den Kindern nur ja keinen schlechten Eindruck machen will z.B.)
    Darum versuche ich auch möglichst genug Schlaf zu bekommen und/oder mir klar zu machen, was eigentlich grad MEIN Problem ist und dass das Kind am wenigsten dafür kann, wenn ich nicht mit solchen Anfällen umgehen kann.

    PS:
    Auch wenn ich dem Buch "Das glücklichste Kleinkind der Welt" sonst nicht viel abgewinnen konnte...
    Was mir gefallen hat und ich auch schon viel eingesetzt habe, ist die Idee, die Gefühle des Kindes stellvertretend auszudrücken:
    "Du ärgerst dich, dass du jetzt Schuhe anziehen sollst, was? Dumme Schuhe! Du willst die Schuhe nicht anziehen!" *in der Wortbetonung quasi mit dem Fuß aufstampf*
    (so in der Art)

    Erstens hilft es dem Kind (glaube ich zumindest), den diffusen Ärger in klare Worte zu fassen, zweitens fühlt es sich wenigstens verstanden, wenn schon sonst alles gegen es zu sein scheint und drittens ist man dadurch selbst gezwungen, sich auf die Gefühlsebene des Kindes zu begeben und es zu verstehen. Da kommt man auch irgendwie noch eher vom eigenen Frust und Ärger weg...

    Aber wie gesagt - oberste Regel ist, dass es mir selbst gut genug geht, dass ich in der Lage bin, so "überlegen" und überlegend zu reagieren...
    Und wenn es mal nicht so ist, dann mir selbst nicht böse zu sein. Man ist eben auch nur ein Mensch. Und auch das müssen die Kleinen lernen und erleben.



  3. #3
    Avatar von Wunderblume
    Wunderblume ist offline ~niveauflexibel~
    Registriert seit
    05.08.2003
    Beiträge
    19.191

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von 2burschen Beitrag anzeigen
    Trotzen gehört ja wohl einfach zur Entwicklung dazu, beim einen mehr beim anderen weniger. Bei meinem jüngsten ist es zur Zeit deutlich mehr. Nun gut, ich glaube ihm gefällt es auch nicht sonderlich gut ständig zu brüllen und sich auf den Boden zu werfen.
    Aaaaber wie gehe ich damit am besten um? Er will nicht meine Nähe aber auch nicht das ich ihn in Ruhe lasse. Und mir klingeln die Ohren und im Laufe eines vormittags verliere ich immer mehr die Geduld und könnte (!) ausflippen. Ooooooommmmmmmmmmmmm ist meinerseits das meistgesagte Wort am Tag, seines "kann das!"
    Habt ihr ein Tipp wie ich solche Situationen aus einem anderen Blick sehen kann der es mir leichter macht?
    Versteht ihr was ich meine?
    ich dachte beim lesen der Überschrift "wer hat jetzt den alten thread wieder hochgeholt?"

    Wie bleibt man ruhig?
    Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben?


    hilft das?


    Anderer Blickwinkel:
    Das Kind trotzt nicht, um zu ärgern. das Kind trotz aus Überforderung. Trotz ist eigentlich ein
    "Hilferuf". Man kann dem Kind aber kaum aktiv helfen in dem Moment. Aushalten. Da sein. Verstehen. Akzeptieren.

    Wir sehen alle den gleichen Himmel - aber wir haben nicht alle denselben Horizont!

  4. #4
    Tritonus ist offline enthusiast
    Registriert seit
    18.01.2015
    Beiträge
    287

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von 2burschen Beitrag anzeigen
    Habt ihr ein Tipp wie ich solche Situationen aus einem anderen Blick sehen kann der es mir leichter macht?
    Versteht ihr was ich meine?
    Mit dem Verstehen tue ich mir immer etwas schwer, weil ich das Gefühl gegenüber Kindern gar nicht kenne, ausflippen zu wollen. Ich erlebe das zwar auch in meinem Bekannten- und Verwandtenkreis, dass ihnen fast jedes Widerwort, ja schon ein beleidigter Gesichtsausdruck zu viel sind, aber ich lasse das in der Situation unkommentiert. Meist spreche ich es aber trotzdem irgendwann an.
    Sicher habe ich auch Hochs und Tiefs und meine Tagesform, aber ich habe an mich selbst den Anspruch, dass das im Beruf und im Kontakt mit Kindern außerhalb meines Berufes keinem auffallen darf.

    Das mit der anderen Perspektive ist genau der Weg, denn meiner Meinung nach sollte das das Ziel sein, IMMER ruhig, gleichmütig und besonnen auf jede Situation zu reagieren.

    Meine Art, damit umzugehen, ist, grundsätzlich erstmal Verständnis zu zeigen, weg zu gehen vom eigenen Wunsch, fertig zu werden, weiter zu kommen... Aber gleich nach der Bekundung: "Ich weiß, du willst gerade..., aber wir müssen doch.../aber ich möchte (nicht), dass du...", weiter in derTätigkeit, weiter im Plan.

    Ich erwarte nicht - und es gibt dafür auch kein Patentrezept -, dass die Sache dann geklärt ist, das Kind wieder fröhlich und motiviert mitkommt, sich fertig macht, ..., aber das Kind hat Zuwendung erfahren und tut sich mit der Zeit leichter.

    Man muss es konsequent umsetzen und sich immer wieder daran erinnern - zum Beispiel mit Post-Its überall, auf denen "Verständnis" steht oder "Ich versteh dich"... Und es wird nicht über Nacht besser, aber über die Zeit.

    Viel Erfolg beim Umsetzen.

  5. #5
    2burschen ist offline Carpal Tunnel
    Registriert seit
    25.05.2014
    Beiträge
    3.244

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Dann gratuliere ich deinem Gemüt das du das kannst. Und auch deinem Kind (oder mehreren?) das er/sie dich nicht so auf die Palme bringen können.
    Interessant finde ich das du für die Kinder immer Verständnis haben kannst aber keins für deine bekannten? Ab welchem Alter darf man denn kein Verständnis mehr haben?

    Ich finde ja wie sunya das es gut ist für Kinder das man authentisch ist. Ich schaffe es nicht immer Verständnis zu haben und bei meinem jüngeren Sohn komme ich einfach an Grenzen, mal mehr mal weniger. Liegt natürlich auch an meinem befinden wann die Grenze erreicht ist.
    Ich lasse ihn viel machen uns ausprobieren aber manchmal geht es einfach nicht. ZB mitten auf der Straße (beim überqueren) einen Gulli untersuchen. Da tobt er und flippt aus wenn ich sage "komm bitte schnell weiter. auf der Straße stehen ist gefährlich, den Gulli da vorne kannst du anschauen" klar hab ich ich Verständnis das er den anschauen will, hilft aber nichts.

  6. #6
    tamilein ist offline Dabei seit 02/2007.
    Registriert seit
    25.09.2015
    Beiträge
    3.736

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von 2burschen Beitrag anzeigen
    Dann gratuliere ich deinem Gemüt das du das kannst. Und auch deinem Kind (oder mehreren?) das er/sie dich nicht so auf die Palme bringen können.
    Interessant finde ich das du für die Kinder immer Verständnis haben kannst aber keins für deine bekannten? Ab welchem Alter darf man denn kein Verständnis mehr haben?

    Ich finde ja wie sunya das es gut ist für Kinder das man authentisch ist. Ich schaffe es nicht immer Verständnis zu haben und bei meinem jüngeren Sohn komme ich einfach an Grenzen, mal mehr mal weniger. Liegt natürlich auch an meinem befinden wann die Grenze erreicht ist.
    Ich lasse ihn viel machen uns ausprobieren aber manchmal geht es einfach nicht. ZB mitten auf der Straße (beim überqueren) einen Gulli untersuchen. Da tobt er und flippt aus wenn ich sage "komm bitte schnell weiter. auf der Straße stehen ist gefährlich, den Gulli da vorne kannst du anschauen" klar hab ich ich Verständnis das er den anschauen will, hilft aber nichts.
    Wenn sich da zwischenzeitlich nix getan hat, hat er keine leiblichen Kinder. Und ansonsten das Gemüt eines teilnahmslosen Uhrwerks, mach Dir nix draus.
    Ich bin nicht auf der Welt, um Euch zu gefallen.

  7. #7
    Tritonus ist offline enthusiast
    Registriert seit
    18.01.2015
    Beiträge
    287

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von 2burschen Beitrag anzeigen
    Ich lasse ihn viel machen uns ausprobieren aber manchmal geht es einfach nicht. ZB mitten auf der Straße (beim überqueren) einen Gulli untersuchen. Da tobt er und flippt aus wenn ich sage "komm bitte schnell weiter. auf der Straße stehen ist gefährlich, den Gulli da vorne kannst du anschauen" klar hab ich ich Verständnis das er den anschauen will, hilft aber nichts.
    Ein schönes Beispiel, das du hier bringst. Etwas ähnliches hatte ich gestern mit dem Mittleren (3 J.)meines besten Freundes. Wir waren - auch mit seinen anderen beiden und seiner Frau auf dem Weg vom Europa-Park zurück zum Auto, um dann heim zu fahren.
    Er schob den Kinderwagen der Kleinen (1 J.), die lief selbst, die Große (5 J.) sowieso.
    Alle Kinder müde von einem 10-Stunden-Tag auf Fahrgeschäften, in Shows und auf Spielplätzen...
    Beim Überqueren der Straße übernahm diie Mutter den Kinderwagen und die Kleine auf den Arm. Papa war noch zurück bei einer Befragung durch Parkmitarbeiter.
    Durch die Veränderungen fing die Kleine an zu weinen, weil sie weiter selbst laufen wollte, der Mittlere war wütend, weil er den Wagen (vorübergehend) nicht schieben durfte, und die Große stimmte mit ein, weil sie einfach nur müde war.
    Das war die Situation, in der innerhalb von Bruchteilen einer Sekunden eine Sicherheitsprioritätenliste zu erstellen war. Da die Mutter und ich beide pädagogische Berufe haben, brauchten wir das Prozedere gar nicht abzusprechen:

    1. Die Kleine bleibt auf dem Arm;
    2. ich nahm den Mittleren;
    3. die Große muss nur am vorzeitigen Loslaufen gehindert werden.

    Beim Loslaufen blieb der Mittlere heulend und trotzend stehen, wollte sich von meiner Hand losreißen. Da das mitten auf der Straße zu gefährlich würde, schnappte ich ihn einfach, schulltrte ihn und ging mit ihm über die Straße, während ich ganz ruhig, aber bestimmt sagte:"Spatzl, an der Straße können wir nicht diskutieren. Das ist gefährlich."
    Drüben angekommen, setzte ich ihn ab. Er ging nicht zur Mutter, er wollte nicht mit mir gehen, also ging Mama mit den anderen beiden weiter. Ich blieb beim Mittleren, bis er weiter gewollt hätte oder - wies sich dann ergab - bis Papa von der Befragung kam. Die ganze Zeit blieb ich dabei, dem Mittleren zu erlären, was ich/wir Bezugspersonen an der Straße möchten/nicht möchten. Dazwischen auch immer wieder der Teilsatz "wir haben dich lieb" und gewiss kein Anzeichen von Ungeduld, Angst oder Aggression.

    Da Papa dann kam, war er unbelastet für diese Situation, weil er ja micht dabei war, und für den Mittleren unbehaftet, denn er hatte ihm weder den Wagen weggenommen noch ihn geschnappt und ihm einen Vortrag über Gefahr im Straßenverkehr gehalte, also ließ er sich von ihm zum weitergehen bewegen.

    Der nächste, wichtige Schritt ist die Versöhnung. Also habe ich beim anschließenden Abendbrot viele Möglichkeiten gesucht, um den Mittleren zum Lachen zu bringen. Das gelingt mir immer sehr zuverlässig, und die Welt war für ihn wieder in Ordnung.

    So habe ich die Perspektive des Mittleren stets im Blick gehabt, gehe auf ihn ein, werde pädagogisch tätig und stärke am Ende wieder das Verhältnis.

    Ob eigenes Kind oder nicht... So unterschiedlich jedes Kind ist, so gleich ist ihr Bedarf nach Liebe, Aufmerksamkeit und Führung.
    Und das gilt für jede Bezugsperson in gleicher Weise, mit eigenem "Konto". Es heißt nicht umsonst: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen.

  8. #8
    Tritonus ist offline enthusiast
    Registriert seit
    18.01.2015
    Beiträge
    287

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von tamilein Beitrag anzeigen
    Wenn sich da zwischenzeitlich nix getan hat, hat er keine leiblichen Kinder. Und ansonsten das Gemüt eines teilnahmslosen Uhrwerks, mach Dir nix draus.
    Wer die Perspektive des Kindes kennt und darauf eingeht, ist sicher nicht teilnahmslos und erst recht kein Uhrwerk, sonern eher ein Navi, das Staus auf geeignete Art umfährt. Der Stau sein der Konflikt. Er zwingt einen zu Umwegen, führt aber schnellstmöglich auf den ursprünglichen Weg zurück.

  9. #9
    Tritonus ist offline enthusiast
    Registriert seit
    18.01.2015
    Beiträge
    287

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben

    Zitat Zitat von 2burschen Beitrag anzeigen
    Interessant finde ich das du für die Kinder immer Verständnis haben kannst aber keins für deine bekannten? Ab welchem Alter darf man denn kein Verständnis mehr haben?

    Ich finde ja wie sunya das es gut ist für Kinder das man authentisch ist. Ich schaffe es nicht immer Verständnis zu haben und bei meinem jüngeren Sohn komme ich einfach an Grenzen, mal mehr mal weniger. Liegt natürlich auch an meinem befinden wann die Grenze erreicht ist.
    Die Grenze ist für mich erreicht, wenn das Kind entweder ganz klar die Pubertät hinter sich hat oder 18 ist. Das eine kann früher sein als das andere. Muss aber nicht. Nur werde ich dann wirklich teilnahmslos in gewisser Hinsicht, stehe meinem erwachsenen Kind immernoch beratend zur Seite, wenn es diese Beratung möchte, d. h. von sich aus fragt. Wenn es nicht auf mich zukommt, läuft es ggfs. auch ins "offene Messer", weil ich nicht mehr nachhaken werde.

    Einer meiner Cousins ist 53, aber dank einer perinatalen Abnoe auf dem geistigen Stand eines 3jährigen. Er hat gerade 3/4 seiner finanziellen Reserven an eine sog. "Freundin" verschenkt. Da er davon erzählt hat, habe ich natürlich darauf reagiert und gesagt: "Wenn du ihr den Rest auch gibst, wirst du verhungern."

    Der Rest liegt jetzt bei ihm... Sein übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum wird ihn eh vor dem Hunger umbringen.

    Sein größtes Problem ist halt, dass alle mit ihm als Kind Mitleid hatten und ihn deshalb nicht erzogen. Der Vater vermöbelte ihn zwar am laufenden Band, was vor 50 Jahren ja noch nicht durch das BGB verboten war. Aber Schläge sind ja keine Erziehung. Und selbst, wenn er in manchen Bereichen (z. B. Sauberkeit, Reparaturen) eine wirkliche Inselbegabung zeigt... In viel wesentlicheren Bereichen wird er es nicht schaffen.

  10. #10
    tamilein ist offline Dabei seit 02/2007.
    Registriert seit
    25.09.2015
    Beiträge
    3.736

    Standard Re: Wie schafft ihr es ruhig zu bleiben


    Immer wieder ein Genuss.

    Zitat Zitat von Tritonus Beitrag anzeigen
    Ein schönes Beispiel, das du hier bringst. Etwas ähnliches hatte ich gestern mit dem Mittleren (3 J.)meines besten Freundes. Wir waren - auch mit seinen anderen beiden und seiner Frau auf dem Weg vom Europa-Park zurück zum Auto, um dann heim zu fahren.
    Er schob den Kinderwagen der Kleinen (1 J.), die lief selbst, die Große (5 J.) sowieso.
    Alle Kinder müde von einem 10-Stunden-Tag auf Fahrgeschäften, in Shows und auf Spielplätzen...
    Beim Überqueren der Straße übernahm diie Mutter den Kinderwagen und die Kleine auf den Arm. Papa war noch zurück bei einer Befragung durch Parkmitarbeiter.
    Durch die Veränderungen fing die Kleine an zu weinen, weil sie weiter selbst laufen wollte, der Mittlere war wütend, weil er den Wagen (vorübergehend) nicht schieben durfte, und die Große stimmte mit ein, weil sie einfach nur müde war.
    Das war die Situation, in der innerhalb von Bruchteilen einer Sekunden eine Sicherheitsprioritätenliste zu erstellen war. Da die Mutter und ich beide pädagogische Berufe haben, brauchten wir das Prozedere gar nicht abzusprechen:

    1. Die Kleine bleibt auf dem Arm;
    2. ich nahm den Mittleren;
    3. die Große muss nur am vorzeitigen Loslaufen gehindert werden.

    Beim Loslaufen blieb der Mittlere heulend und trotzend stehen, wollte sich von meiner Hand losreißen. Da das mitten auf der Straße zu gefährlich würde, schnappte ich ihn einfach, schulltrte ihn und ging mit ihm über die Straße, während ich ganz ruhig, aber bestimmt sagte:"Spatzl, an der Straße können wir nicht diskutieren. Das ist gefährlich."
    Drüben angekommen, setzte ich ihn ab. Er ging nicht zur Mutter, er wollte nicht mit mir gehen, also ging Mama mit den anderen beiden weiter. Ich blieb beim Mittleren, bis er weiter gewollt hätte oder - wies sich dann ergab - bis Papa von der Befragung kam. Die ganze Zeit blieb ich dabei, dem Mittleren zu erlären, was ich/wir Bezugspersonen an der Straße möchten/nicht möchten. Dazwischen auch immer wieder der Teilsatz "wir haben dich lieb" und gewiss kein Anzeichen von Ungeduld, Angst oder Aggression.

    Da Papa dann kam, war er unbelastet für diese Situation, weil er ja micht dabei war, und für den Mittleren unbehaftet, denn er hatte ihm weder den Wagen weggenommen noch ihn geschnappt und ihm einen Vortrag über Gefahr im Straßenverkehr gehalte, also ließ er sich von ihm zum weitergehen bewegen.

    Der nächste, wichtige Schritt ist die Versöhnung. Also habe ich beim anschließenden Abendbrot viele Möglichkeiten gesucht, um den Mittleren zum Lachen zu bringen. Das gelingt mir immer sehr zuverlässig, und die Welt war für ihn wieder in Ordnung.

    So habe ich die Perspektive des Mittleren stets im Blick gehabt, gehe auf ihn ein, werde pädagogisch tätig und stärke am Ende wieder das Verhältnis.

    Ob eigenes Kind oder nicht... So unterschiedlich jedes Kind ist, so gleich ist ihr Bedarf nach Liebe, Aufmerksamkeit und Führung.
    Und das gilt für jede Bezugsperson in gleicher Weise, mit eigenem "Konto". Es heißt nicht umsonst: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen.
    Ich bin nicht auf der Welt, um Euch zu gefallen.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •