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  1. #1
    Gast

    Frage Gewaltfreie Kommunikation

    Ich lese gerade von Britta Hahn „Ich will anders, als Du willst, Mama“, bin etwas enttäuscht und auch verunsichert und wollte nach Euren Meinungen fragen.

    Das Buch gibt – jedenfalls für mich – an vielen Stellen selbstverständliches wieder. Insbesondere in der Frage der Wortwahl. Gut, da habe ich vielleicht schon von Aldort gelernt.

    Mich stört ein bisschen der ideologische Hintergrund: Flugreisen sind schlecht, gerecht hergestellte Kleidung gut und Berufssoldaten sind arme Wesen.

    Womit ich aber gar nicht klar komme, ist die stellvertretende Kraft. Beispiel: ich trage das sich sträubende Kind zum Tisch. Das sei keine äußere Kraft, kein Zwang, denn das Kind darf ja nicht essen wollen.
    Ich finde das etwas schwierig. Natürlich entscheidet die Haltung zum Kind. Aber wenn ich jedes Mal mit stellvertretender Kraft oder dem stellvertretenden Willen komme und es innerlich noch so sehr „gut meine“ oder eben dem Kind seinen Willen lasse, dann sehe ich nicht so recht den Unterschied zu dem, was die GfK eben nicht will: Zwang.

    Zudem finde ich die Formulierungen zum teil fast dümmlich, auf jeden Fall aber sehr umständlich, gestelzt und zum Teil – am schlimmsten – zynisch klingend. das liegt natürlich an mir und meiner Vergangenheit. Aber dieser Dialog, "Kind, ich weiß, Du willst…., das darfst Du auch wollen, ich entscheide aber….", den finde ich sehr schwierig.

    Was meint Ihr?

  2. #2
    Maxie Musterfrau ist offline 100% Originalnick
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    40.959

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von Lioba25 Beitrag anzeigen
    Ich lese gerade von Britta Hahn „Ich will anders, als Du willst, Mama“, bin etwas enttäuscht und auch verunsichert und wollte nach Euren Meinungen fragen.

    Das Buch gibt – jedenfalls für mich – an vielen Stellen selbstverständliches wieder. Insbesondere in der Frage der Wortwahl. Gut, da habe ich vielleicht schon von Aldort gelernt.

    Mich stört ein bisschen der ideologische Hintergrund: Flugreisen sind schlecht, gerecht hergestellte Kleidung gut und Berufssoldaten sind arme Wesen.
    Ich kenn das Buch nicht, geb dir aber mal Recht: das sind Dinge, die kann man so sehen (tu ich ja auch), muss man aber nicht unbedingt, weil z.B. andere Zwänge das Leben bestimmen (sprich wenig Geld, also Einkauf beim Discounter)

    Womit ich aber gar nicht klar komme, ist die stellvertretende Kraft. Beispiel: ich trage das sich sträubende Kind zum Tisch. Das sei keine äußere Kraft, kein Zwang, denn das Kind darf ja nicht essen wollen.
    Natürlich ist das Zwang, man zwingt das Kind an den Tisch. Was lernt denn das Kind draus? Dass es gefälligst am Tisch sitzen muss. Möchte ich für mich nicht. Ich will, das meine Kinder gerne mit mir am Tisch sitzen.

    Ich finde das etwas schwierig. Natürlich entscheidet die Haltung zum Kind. Aber wenn ich jedes Mal mit stellvertretender Kraft oder dem stellvertretenden Willen komme und es innerlich noch so sehr „gut meine“ oder eben dem Kind seinen Willen lasse, dann sehe ich nicht so recht den Unterschied zu dem, was die GfK eben nicht will: Zwang.

    Zudem finde ich die Formulierungen zum teil fast dümmlich, auf jeden Fall aber sehr umständlich, gestelzt und zum Teil – am schlimmsten – zynisch klingend. das liegt natürlich an mir und meiner Vergangenheit. Aber dieser Dialog, "Kind, ich weiß, Du willst…., das darfst Du auch wollen, ich entscheide aber….", den finde ich sehr schwierig.

    Was meint Ihr?
    Diese Dialoge führen wir schon auch. ich hab festgestellt, dass es meinem Junior hilft, wenn ich mich neben ihn setze und seine Gefühle für ihn formuliere: "Ich weiß, du möchtest jetzt gerne dies oder jenes. Das geht aber nicht, weil... Ja, das ist blöd, da würd ich mich auch ärgern..." Oft kommt er dabei runter und es entwickelt sich dann ein Gespräch bzw. wir schlagen eine gemeinsam gefundene Alternative ein, soweit das mit einem 3jährigen halt geht.

    LG

  3. #3
    Gast

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von Lioba25 Beitrag anzeigen
    Ich lese gerade von Britta Hahn „Ich will anders, als Du willst, Mama“, bin etwas enttäuscht und auch verunsichert und wollte nach Euren Meinungen fragen.

    Das Buch gibt – jedenfalls für mich – an vielen Stellen selbstverständliches wieder. Insbesondere in der Frage der Wortwahl. Gut, da habe ich vielleicht schon von Aldort gelernt.

    Mich stört ein bisschen der ideologische Hintergrund: Flugreisen sind schlecht, gerecht hergestellte Kleidung gut und Berufssoldaten sind arme Wesen.

    Ich fand die gut. Muss aber gestehen, dass ich wohl das selektive Lesen perfektioniert habe :D Diesen Ideologiekram habe ich z.B. ausgeblendet
    Ich fand interessant, dass sie halt die Wandlung vollzogen, von der strafenden zur "gewaltfreien" Mutter. Und ich fand sie auch noch mal weitergehend als Aldort.

    Womit ich aber gar nicht klar komme, ist die stellvertretende Kraft. Beispiel: ich trage das sich sträubende Kind zum Tisch. Das sei keine äußere Kraft, kein Zwang, denn das Kind darf ja nicht essen wollen.
    Ich finde das etwas schwierig. Natürlich entscheidet die Haltung zum Kind. Aber wenn ich jedes Mal mit stellvertretender Kraft oder dem stellvertretenden Willen komme und es innerlich noch so sehr „gut meine“ oder eben dem Kind seinen Willen lasse, dann sehe ich nicht so recht den Unterschied zu dem, was die GfK eben nicht will: Zwang.

    DAS habe ich so überhaupt nicht in Erinnerung. Lediglich die "beschützende Macht" in wirklichen Gefahrensituationen (Straße).

    Zudem finde ich die Formulierungen zum teil fast dümmlich, auf jeden Fall aber sehr umständlich, gestelzt und zum Teil – am schlimmsten – zynisch klingend. das liegt natürlich an mir und meiner Vergangenheit. Aber dieser Dialog, "Kind, ich weiß, Du willst…., das darfst Du auch wollen, ich entscheide aber….", den finde ich sehr schwierig.

    Was meint Ihr?
    Genau DAS findet m.E. nicht statt. Oder ich habe ein anderes Buch gelesen :D Nee, so kam das bei mir überhaupt nicht an. Aber das Spiegeln der Gefühle des Kindes und damit erst einmal Kontaktherstellung sowie der i.d.R. daraus resultierende Dialog machen hier wirklich einiges leichter. Eigentlich ist der "Ablauf" ja auch eher: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte. Nix Entscheidung.
    Das "Gestelze" ist generell ein GfK-Problem, das wende ich so auch nicht an. Trotzdem hat es bei mir irgendwie noch mal "Klick" gemacht.
    Geändert von tamilein (16.08.2010 um 10:45 Uhr)

  4. #4
    platypussy ist offline Lactivist
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    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von Lioba25 Beitrag anzeigen
    Ich lese gerade von Britta Hahn „Ich will anders, als Du willst, Mama“, bin etwas enttäuscht und auch verunsichert und wollte nach Euren Meinungen fragen.

    Das Buch gibt – jedenfalls für mich – an vielen Stellen selbstverständliches wieder. Insbesondere in der Frage der Wortwahl. Gut, da habe ich vielleicht schon von Aldort gelernt.

    Mich stört ein bisschen der ideologische Hintergrund: Flugreisen sind schlecht, gerecht hergestellte Kleidung gut und Berufssoldaten sind arme Wesen.

    Womit ich aber gar nicht klar komme, ist die stellvertretende Kraft. Beispiel: ich trage das sich sträubende Kind zum Tisch. Das sei keine äußere Kraft, kein Zwang, denn das Kind darf ja nicht essen wollen.
    Ich finde das etwas schwierig. Natürlich entscheidet die Haltung zum Kind. Aber wenn ich jedes Mal mit stellvertretender Kraft oder dem stellvertretenden Willen komme und es innerlich noch so sehr „gut meine“ oder eben dem Kind seinen Willen lasse, dann sehe ich nicht so recht den Unterschied zu dem, was die GfK eben nicht will: Zwang.

    Zudem finde ich die Formulierungen zum teil fast dümmlich, auf jeden Fall aber sehr umständlich, gestelzt und zum Teil – am schlimmsten – zynisch klingend. das liegt natürlich an mir und meiner Vergangenheit. Aber dieser Dialog, "Kind, ich weiß, Du willst…., das darfst Du auch wollen, ich entscheide aber….", den finde ich sehr schwierig.

    Was meint Ihr?
    warum hast du dir das buch angeschafft? was hast du erwartet, wer hat dir dazu geraten?
    so, wie du es beschreibst, klingt es wie uebelstes sozpaed gewaesch (sorry, ich bin da gebranntes kind) ohne bezug zur realitaet.
    ich weiss auch nicht, was die haltung der autorin zu bestimmten politischen/oekonomischen/gesellschaftlichen fragen in diesem kontext zu suchen hat - wenn sie schreiben wuerde: mercedes-fahren ist das allerbeste,wuerde das ihre thesen dann ab- oder aufwerten?
    leg das beiseite oder vertick es bei amazon, es klingt nach einem echt schlechten buch.

  5. #5
    Gast

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von platypussy Beitrag anzeigen
    warum hast du dir das buch angeschafft? was hast du erwartet, wer hat dir dazu geraten?
    Icke, fürchte ich

  6. #6
    Gast

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von Maxie Musterfrau Beitrag anzeigen
    Ich kenn das Buch nicht, geb dir aber mal Recht: das sind Dinge, die kann man so sehen (tu ich ja auch), muss man aber nicht unbedingt, weil z.B. andere Zwänge das Leben bestimmen (sprich wenig Geld, also Einkauf beim Discounter)



    Natürlich ist das Zwang, man zwingt das Kind an den Tisch. Was lernt denn das Kind draus? Dass es gefälligst am Tisch sitzen muss. Möchte ich für mich nicht. Ich will, das meine Kinder gerne mit mir am Tisch sitzen.

    So kommt es bei mir auch an. Und das für mich nichts mit GfK zu tun. Denn die habe ich bisher eigentlich als adäquaten Weg zu einem richtigen Ziel gesehen: respekt- und würdevoller Umgang mit meinem Kind.
    Diese Dialoge führen wir schon auch. ich hab festgestellt, dass es meinem Junior hilft, wenn ich mich neben ihn setze und seine Gefühle für ihn formuliere: "Ich weiß, du möchtest jetzt gerne dies oder jenes. Das geht aber nicht, weil... Ja, das ist blöd, da würd ich mich auch ärgern..." Oft kommt er dabei runter und es entwickelt sich dann ein Gespräch bzw. wir schlagen eine gemeinsam gefundene Alternative ein, soweit das mit einem 3jährigen halt geht.

    Das mit dem Dialog ist grundsätzlich ok. Das mache ich auch. Udn ich finde, es hat selbst bei unserer erst 15 Monate alten Tochter Erfolg. Was ich aber furchtbar finde, ist das "ich entscheide aber". ich erkenne also den Willen des Kindes an und sage dann, ich respektiere ihn, Kind, kraft meiner körperlichen Überlegenheit trage ich Dich dann aber doch dahin.
    Das finde ich so schwierig. Fast zynisch. Erst anerkennen, dann aber doch anders entscheiden.

    LG
    .

  7. #7
    Gast

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von tamilein Beitrag anzeigen

    Ich fand die gut. Muss aber gestehen, dass ich wohl das selektive Lesen perfektioniert habe :D Diesen Ideologiekram habe ich z.B. ausgeblendet
    Ich fand interessant, dass sie halt die Wandlung vollzogen, von der strafenden zur "gewaltfreien" Mutter. Und ich fand sie auch noch mal weitergehend als Aldort.

    Ja, unbedingt weitergehend. Aber in vielen Bereichen für mich nicht so glücklich. Die Wandlung fand ich auch klasse.


    DAS habe ich so überhaupt nicht in Erinnerung. Lediglich die "beschützende Macht" in wirklichen Gefahrensituationen (Straße).

    Schau mal nach: S. 135 (Essen am Tisch), S. 137 (Klavierstunde)

    Genau DAS findet m.E. nicht statt. Oder ich habe ein anderes Buch gelesen :D Nee, so kam das bei mir überhaupt nicht an. Aber das Spiegeln der Gefühle des Kindes und damit erst einmal Kontaktherstellung sowie der i.d.R. daraus resultierende Dialog machen hier wirklich einiges leichter. Eigentlich ist der "Ablauf" ja auch eher: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis, Bitte. Nix Entscheidung.
    Das "Gestelze" ist generell ein GfK-Problem, das wende ich so auch nicht an. Trotzdem hat es bei mir irgendwie noch mal "Klick" gemacht.
    Ja, verstehe ich. Vielleicht hatte ich den Klick einfach schon bei Aldort.

  8. #8
    Gast

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von tamilein Beitrag anzeigen
    Icke, fürchte ich
    So ist es.
    Kein Proble, und erst recht kein Grund zum Schämen. Ich habe ja viel davon gehabt. Und habe immer noch etwas davon: nämlich eine interessante Befassung mit dem Thema.

    Würdest Du mal in die angegeben Seiten schauen, ob ich mich da so vertue?

  9. #9
    Maxie Musterfrau ist offline 100% Originalnick
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    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von Lioba25 Beitrag anzeigen
    .
    Ich hab da was von Klavierstunde gelesen: Bezieht sich das dann auf ältere Kinder? Da würde ich nämlich schon sagen: Wenn Kind sich für ein Instrument entschieden hat, dann wird das für eine bestimmte Zeit auch durchgezogen, egal wie sehr es motzt und meckert.

    Nur stell ich mir gerade vor, wie man einen 7jährigen zur Musikstunde schleifen will...

    LG

  10. #10
    Gast

    Standard Re: Gewaltfreie Kommunikation

    Zitat Zitat von Maxie Musterfrau Beitrag anzeigen
    Ich hab da was von Klavierstunde gelesen: Bezieht sich das dann auf ältere Kinder? Da würde ich nämlich schon sagen: Wenn Kind sich für ein Instrument entschieden hat, dann wird das für eine bestimmte Zeit auch durchgezogen, egal wie sehr es motzt und meckert.

    Nur stell ich mir gerade vor, wie man einen 7jährigen zur Musikstunde schleifen will...

    LG
    Genau, das ist bei einem Älteren Kind, wo der "stellvertrende Wille" der Eltern das Kind voranbringen soll. Das Kind habe ja die Freiheit, in der Klavierstunde dann nicht zu spielen.

    Beim Essen geht es eben um ein deutlich kleineres Kind, das an den Tisch getragen werde und da aber die Freiheit habe, eben nicht zu essen.

    Und ich komme mit der Abgrenzung nicht zurecht. Denn für mich ist das Tragen eben auch schon Zwang. Und ich empfinde es als zusätzlich problematisch, dem Kind dann zu sagen, es dürfe seinen Willen ja behalten, aber ich trage es jetzt doch an den Tisch
    :confused:

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