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  1. #1
    holunder ist offline Poweruser
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    Standard Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Eigentlich verstehe ich mich selbst nicht ... ich hatte letzte Woche meine zweite Ausschabung, wieder ist mein Kind 8 Wochen lang gewachsen und hat dann einfach aufgehört - aber diesmal geht das völlig an mir vorbei, ich bin einfach nur kalt. Ich weine kaum und ich trauere nicht.
    Schon vorher war ich viel zurückhaltender, habe mich kaum gefreut und eher unter der Schwangerschaft gelitten. Aber jetzt, wo alles vorbei ist (ich meine damit eigentlich, wirklich alles - ich glaube nicht, dass ich bewusst noch ein drittes Mal dieses Risiko eingehen werde, wieder ein KInd zu verlieren), leide ich nur unter meiner unnatürlich heftigen Nebenhöhlenentzündung. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, erzähle ich ausführlich von starken Kopfschmerzen, aber nicht davon, dass ich mein zweites Kind verloren habe.
    Warum bin ich so? Warum hat mein erstes Sternchen sogar einen Namen, während ich das zweite Sternchen kaum wahrnehme?
    Christine
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  2. #2
    Avatar von Sunday
    Sunday ist offline Poweruser
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Selbstschutz, würde ich sagen.

    Wie Du schon sagtest, Du hast Deine Schwangerschaft nicht an Dich 'rangelassen, damit ist es jetzt auch leichter, mit dem Verlust umzugehen - nur macht Dein Körper nicht so ganz mit (warum sonst die heftige Infektion?).

    Ich kann Dein "nicht ranlassen" absolut nachvollziehen - ich hatte eine Eileiter-SS, da fand ich den Verlust des "Kindes" furchtbar, zumal ich die Entscheidung treffen mußte, daß dieses "Kind" nicht leben darf, weil wir beide sein Wachsen nicht überlebt hätten - und in der nächsten Schwangerschaft habe ich dann angefangen, an das Kind zu glauben, als ich über die kritische Zeit hinweg war - und dann starb unser Sohn nach seiner Geburt in der 31. SSW.

    Jetzt bin ich Ende der 9. SSW - und die Schwangerschaft ist, trotz massiver Übelkeit, absolut unwirklich. (Und ich denke, wenn's schief geht, auch die letzte - ich habe den Nerv nicht mehr). Aber diese Unwirklichkeit läßt mich mit der Realität der Schwangerschaft leichter umgehen. Ich frage mich nur, was ich mit dem Kind mache, wenn es da ist - ob ich mir dann noch mehr Sorgen mache?


    Ich wünsche Dir trotzdem, daß Du Dich irgendwann nochmal auf das "Risiko Schwangerschaft" einlassen kannst, vielleicht auch nach einer humangenetischen Beratung, die Dir zusteht zur Abklärung.

    Und mach' Dir keine Vorwürfe wegen der fehlenden Trauer! Sie wird kommen (bei unserem Sohn hat das auch einige Wochen gedauert, bis ich nicht mehr taub genug war, um in der Situation zu funktionieren...)

    Sunday

  3. #3
    Avatar von Goldbek
    Goldbek ist offline Quiddje
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Ich glaube auch Selbstschutz.

    Ich verdräng jetzt z. b. auch das letzte verlorene Kind. Das war ja immerhin auch 16 Wochen alt Ich hab sehr um dieses Kind getrauert, es hat einen Namen, wurde (im Gemeinschaftsgrab) beerdigt, aber darüber reden tu ich nicht mehr (ich bin allerdings von Familie und bester Freundin abgesehen auch NIE darauf angesprochen worden, deshalb komm ich mir glaube ich oft selbst auch sehr ungerecht diesem Kind gegenüber vor). Es ist ein wenig, als hätte ich eine Seite in meinem Buch umgeschlagen, bei den anderen Kindern mach ich das nicht. Ich glaube, daß ich wahrscheinlich Mathilda nicht hätte bekommen können, wenn ich anders damit umgehen würde.

    Es ist eben alles richtig. Deine Reaktion auf die erste Fehlgeburt und Deine jetzige Reaktion. Du muß nicht in einer bestimmten Weise reagieren und es geht Dir ja besser, wenn Du alles nicht so richtig an Dich heranläßt. Es kann also gar nicht falsch oder schlecht sein.
    I`d sell my soul ...



  4. #4
    holunder ist offline Poweruser
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Danke, dass du mir sagst, dass alles richtig ist. Aber ein bißchen komisch finde ich mich schon, wie du schon schreibst: Ungerecht dem Kind gegenüber,w eil ich nicht darüber reden will, alles andere vorschiebe etc...
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  5. #5
    holunder ist offline Poweruser
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Ich drücke dir die Daumen, dass diesmal alles wunderbar verläuft! Im Prinzip ist es schade, ich hatte in der ersten Schwangerschaft eine problemlose, unbelastete Zeit und habe es genossen, einfach nur in einem langweiligen Seminar zu sitzen und meinen Bauch zu beobachten.
    Ich hoffe, dass du dennoch irgendwann entspannt sein kannst (auch wenn ich glaube, dass das bei der Vorgeschichte so irre schwierig ist). Aber am meisten hoffe ich, dass du in 30 Wochen ein gesundes Kind haben wirst!
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  6. #6
    Avatar von 0Agnes0
    0Agnes0 ist offline Schon lange da :)
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Ich schließe mich den anderen beiden an.

    Wer weiß, wie es später einmal wird. Vielleicht siehst du die beiden doch einmal als Doppelpack.

    Mir ging es in Jonathans ganzer Schwangerschaft so, weil Helena damals noch so klein war. Das war eigentlich mit das furchtbarste, ich habe meine Schwangerschaft damals so wenig wahrgenommen, dass ich manchmal glaube, dass die Totgeburt die gerechte Strafe dafür war. In Sophias Schwangerschaft und diesmal hat mich das aber komplett verwirrt. Der Selbstschutzmechanismus sagt: Warte erstmal, ob alles gut geht, bevor du dieses Wesen bedingungslos liebst. Die schlechte Erfahrung sagt: Liebe das Kind sofort und komplett, wer weiß, wie lange die Schwangerschaft dauern darf.

    Wirklich blöd, dass ihr nicht wisst, ob es einen Grund gibt oder ob es einfach nur ein unglücklicher Zufall war. Eine genetische Beratung habe ich auch machen lassen, aber das bringt nicht viel. Die gehen halt mit einem die ganze Familie durch, auch die des Vaters, und suchen nach irgendwelchen ungewöhnlichen Häufungen. Aber da wäre man auch selbst drauf gekommen, finde ich. Naja, vielleicht machen andere ja mehr.

    Wie sehr ich dir wünschen würde, dass du den Abstand findest es noch einmal zu versuchen! Und wie unglaublich sehr ich dir wünschen würde, dass du dann belohnt wirst!!! Aber nun schau erst mal, ob das für dich eine Option ist, ich könnte auch gut verstehen wenn nicht.

    Agnes
    mit Mädelshaushalt (03, 05, 07, 10, 13)
    .. und einem, der fehlt (05)

  7. #7
    Avatar von Wuschel
    Wuschel ist offline bittersweet
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Hallo

    ich habe ja mein zweites Kind in der 17.Woche verloren.

    Dann wurde ich nach langer Zeit wieder schwanger. Aber diese Schwangerschaft ließ ich überhaupt nicht an mich ran.

    Es gab keine positive Gefühle, nur ein Warten das es wieder schief geht :(
    Ich habe die Schwangerschaft völlig von mir gewiesen, ich war in der 20. Woche bevor ich mich geoutet habe und auch nur weil es nicht mehr zu übersehen war

    Mittlerweile bin ich fast in der 35.Woche und ich kann es immer noch nicht richtig glauben.
    Ganz ehrlich ich warte nur darauf bis die Schwangerschaft endlich vorbei ist und bin selber traurig darüber das ich mir diese "schöne Zeit" so vermiese, aber ich kann nicht anders.
    -------------------------------------
    LG Wuschel
    Sohn04
    Tochter07 Sohn08






  8. #8
    Michalka ist offline Stranger
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Ich glaube auch Selbstschutz.
    Nachdem wir unsere Tochter verloren haben, war ich echt fertig. Ohne meinen Mann und vorallem unseren Sohn, würde ich es nicht schaffen.
    Bei dem nächsten Kind wollte ich es nicht zulassen. Ich wollte stark sein, damit ich meine Familie nicht kaputt mache.

    Jetzt bin ich wieder schwanger und habe nur Angst. Glauben will ich es auch noch nicht.
    LG Michaela mit Dominik(2002), Sternenkind Noemi(2004-32.SSW), Sternenwürmchen(2006-8.SSW) und Nicolas (21.9.2007)

  9. #9
    Avatar von gaby28
    gaby28 ist offline addict
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    Standard Re: Warum registriere ich meinen zweiten Verlust kaum?

    Ich habe jetzt all Eure Beitrage gelesen und kann Euch sehr gut verstehen. Ich hatte bei meiner ersten Schwangerschaft eine Fehlgeburt in der 9ten Wochen. Die Schwangerschaft war zwar nicht geplant aber trotzdem hat es mich traurig gemacht. Irgendwann habe ich mir gesagt, wer weiß wofür das gut war und - dass ich weiß, dass ich wenigstens schwanger werden kann. Als wir uns dann drei Jahre später bewusst für ein Kind entschieden haben, kam die Angst wieder hoch, es könnte was passieren. Dann hatte ich zweimal Blutungen (9te und 16te Woche) und die Angst wurde immer größer, später kam die Angst dazu, das Kind könnte schwer krank oder tot geboren werden. Man steigert sich schnell rein und dass man dann einen Selbstschutz aufbaut ist doch völlig normal und sicherlich manchmal besser, als sich von der Angst oder Trauer fertig zu machen. Also habt kein schlechtes Gewissen, wenn Ihr so selber schützt.

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