Kind krank
Zehn Tage für die Kinderbetreuung

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Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Krankheitstage?Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?Ab wann benötige ich ein ärztliches Attest für ein Kind?Bekomme ich Lohn, während ich mein krankes Kind betreue?Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?Was tun, wenn die Krankheitstage ausgeschöpft sind?Was ist, wenn das kranke Kind älter als zwölf Jahre ist?Wann springt eine Haushaltshilfe ein?Keine gute Idee: sich selbst krank meldenWelche Möglichkeiten gibt es zur Notfallbetreuung?Wie ist die Regelung für Privatversicherte?

Im Gegensatz zu Urlaub lassen sich Krankheiten und Arztbesuche nicht im Voraus planen. Und vor allem Hort- und Kindergartenkinder sind alle naselang krank: Bis zu zehn Infekte im Jahr gelten als normal. Hochgerechnet macht das viele Arbeitstage, an denen Durchfall, Mittelohrentzündung, Masern oder Windpocken mit dem Job kollidieren. Arbeitende Mütter und Väter stehen damit meist urplötzlich vor der Frage: Was nun? Die Großeltern wohnen weit weg, nicht dranzudenken, ein fieberndes Kind in Krippe, Kindergarten oder Schule zu schicken. Meist trifft es die Mütter, die Pflege des kranken Kindes zu übernehmen und in der Arbeit zu fehlen. Aber inzwischen hüten auch immer öfter die Väter ihre kranken Kinder, so die neuesten Studien der Krankenkassen.

Gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Krankheitstage?

Jeder Elternteil darf für die Betreuung des kranken Kindes zehn Arbeitstage im Jahr frei nehmen - so ist der gesetzliche Anspruch definiert. Alleinerziehende haben Anspruch auf die Gesamtzahl, das heißt 20 Tage. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl der Krankheitstage. Bei mehr als zwei Kindern gibt es dann allerdings eine Obergrenze: Diese liegt bei 25 Tagen pro Elternteil und 50 Tagen bei Alleinerziehenden.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Väter und Mütter dürfen bei ihrem kranken Kind bleiben, wenn:

  • das Kind jünger als zwölf Jahre ist
  • der Arzt ein Attest ausgestellt hat
  • die Betreuung und Pflege des Kindes aus ärztlicher Sicht erforderlich ist
  • sowohl der entsprechende Elternteil als auch das Kind gesetzlich versichert sind
  • keine anderen im Haushalt lebenden Personen, etwas Großeltern oder ein Au-Pair-Mädchen, das Kind betreuen können.

Ab wann benötige ich ein ärztliches Attest für ein Kind?

Wird ein Erwachsener krank, ist die ärztliche Krankschreibung meist erst ab dem dritten Tag erforderlich. Kinder dagegen benötigen bereits ab dem ersten Tag eine Krankmeldung. Der Grund: Hier zahlt nicht wie bei Erwachsenen der Arbeitgeber, sondern die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für die Fehltage.

Bekomme ich Lohn, während ich mein krankes Kind betreue?

Häufig gibt es die ersten fünf Tage lang den vollen Lohn. Manche Arbeitgeber bauen in ihre Arbeitsverträge jedoch eine Ausschlussklausel ein - wer den Vertrag unterschreibt, verzichtet damit also auf die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber in den ersten Krankheitstagen des Kindes. Auch sind es nicht in allen Betrieben diese fünf Tage, da diese nicht gesetzlich fest gelegt sind.

Darüber hinaus gibt es für gesetzlich Versicherte die Möglichkeit, weitere fünf Tage (Alleinerziehende 15 Tage) das sogenannte Kinderpflegekrankengeld zu beantragen. Auszubildende mit kleinen Kindern haben bis zu sechs Wochen Anspruch auf Lohnfortzahlung, wenn das Kind erkrankt und sie zu seiner Beaufsichtigung der Arbeit fernbleiben müssen. Für die Pflege schwerstkranker Kinder wird das Kinderkrankengeld zeitlich unbefristet bezahlt.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Das Kinderkrankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal aber 90 Prozent des Nettoverdienstes. Im Schnitt beträgt das Krankengeld etwa 75 Prozent des Nettoeinkommens.

Was tun, wenn die Krankheitstage ausgeschöpft sind?

Hat zum Beispiel die Mutter ihre zehn jährlichen Fehltage ausgeschöpft, kann sie versuchen, sich die Tage vom Vater übertragen zu lassen, wenn dieser nicht in der Lage ist, die Kinderbetreuung zu übernehmen. Das ist möglich, wenn beide Eltern in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind und in diesem Beispiel der Vater die Betreuung des erkrankten Kindes aus beruflichen Gründen nicht übernehmen kann. Um Ärger zu vermeiden, ist es jedoch sinnvoll, das Vorgehen mit beiden Arbeitgebern abzustimmen.

Was ist, wenn das kranke Kind älter als zwölf Jahre ist?

Bei Kindern über zwölf Jahre gibt es keinen Anspruch mehr auf Krankheitstage. Hier müssen die Eltern entweder beim Arbeitgeber Urlaub einreichen oder mit dem Arbeitgeber unbezahlten Urlaub vereinbaren.

Wann springt eine Haushaltshilfe ein?

Bei kranken Kindern leider gar nicht. Die Krankenkassen zahlen nur dann eine Haushaltshilfe, wenn die Eltern selbst erkranken und sich nicht um ihre Kinder kümmern können, zum Beispiel, wenn sie im Krankenhaus liegen oder eine Kur machen. Eine Haushaltshilfe ersetzt also eine kranke Mutter - und nicht eine gesunde.

Keine gute Idee: sich selbst krank melden

Sind die Krankheitstage ausgeschöpft oder wollen Eltern nicht schon wieder in der Arbeit anrufen und melden "ich kann heute nicht kommen, mein Kleiner hat Magen-Darm-Grippe", sollten sie sich auf keinen Fall selbst krank melden. Das ist im Zweifel ein Grund zur fristlosen Kündigung.

Welche Möglichkeiten gibt es zur Notfallbetreuung?

In einigen Großstädten gibt es mittlerweile Organisationen, die sich um kranke Kinder kümmern. München: "Zu Hause gesund werden" www.zu-hause-gesund-werden.de Hamburg, Berlin, Frankfurt: "Notmütterdienst" www.nmd-ev.de Nürnberg: "Tagespflegebörse" www.kinderhaus.de

Wie ist die Regelung für Privatversicherte?

Die Regelung mit zehn, bzw. 20 Krankheitstagen gilt nur für Gesetzlichversicherte. Privatversicherte gehen leider leer aus. Sie können allerdings zusätzlich ein sogenanntes Krankentagegeld versichern.