Essen für Unterwegs
Bei uns hießen sie Dosenbrote. Wegen der Verpackung in für Generationen wiederverwendbaren Transportboxen aus Metall. Dosenbrote wurden geschmiert, wenn ange Autofahrten anstanden. Ab drei Stunden aufwärts. Wir bekamen Dosenbrote zu Schulausflügen mit. Mein großer Bruder wurde damit ausgerüstet, wenn er ins Internat zurückfuhr. Dosenbrote waren gegen Hunger, den echten. Und Dosenbrote waren köstlich. Auch noch mit angeschmolzener Butter und an den Rändern welliger Salami. Heute sind Dosenbrote leider vom Aussterben bedroht. Hoffnungslos altmodisch, so eine Stulle aus echtem Brot. Ist ja gegen Hunger, nicht gegen Appetit.
Reiswaffel-Horror
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Was Eltern gern kochen - und Kinder gern essenEntscheidung der Fachoberschule von Danni-Sahne
Dosenbrote werden verdrängt von allen möglichen Schnitten, mit Milch und ohne. Handlich klein und fix und fertig verpackt in bunt bedruckter Silberfolie mit Aufreißbändchen. Nix schneiden und belegen, nur einstecken. Wer im Kinderwagen sitzt, wer Händchen hat, die etwas packen können, darf auf keinen Fall der Unbehaglichkeit eines kleinen Appetits ausgeliefert werden. Deshalb beginnt nach der Stillzeit oder der Fläschchenphase die Fütterung wie am Dauertropf.
Pausen zwischen den Mahlzeiten? Gar die ehemals als ideal angedachten drei, vier Stunden zwischen den Magenfüllungen? Das scheint spätestens ab dem ersten Geburtstag eine milde Form der Kindesmisshandlung zu sein. Und so werden auch ernährungstechnisch korrekte Eltern Opfer zum Beispiel der Reiswaffel. Die bierdeckelgroßen Scheiben bröseln allgegenwärtig die Bezüge von Kindersitzen voll und polstern jeden Buggy auf doppelte Sitzhöhe. Butterkekse gibt es klein und in Tierform, damit, ratzfatz, Bär oder Affe zur Hand ist, wenn das Kind Unbehagen äußert.
Brezel-Bande
Und natürlich Brezeln. Winzige Händchen halten das griffige Backwerk, zarte Gaumen lutschen es so lang zurecht, bis es die Konsistenz eines betagten Saugers aus Naturkautschuk hat. Aber wie gut, dass man sich da um die Gesundheit der Kleinen keine Sorgen machen muss. Anders als Babybrei im Glas werden Brezeln nicht akribisch untersucht. Also gibt es keine bis ins Nanogramm genaue Info darüber, welche Chemie in der Lauge steckt (viel!). Schaden richten ja offenbar nur die Salzspuren im Babygläschen an, die großen Brocken auf der Brezel lösen nichts aus außer Durst. Und der kann bekämpft werden, auch weitab von der heimischen Wasserleitung. Der Fläschchenköcher am Kinderwagengriff - eine geniale Erfindung für die gefährlichen Reisen durch wüstenartige Fußgängerzonen.
Hungerkünstler
Fachleute für Kinderernährung wohnen offenbar im Elfenbeinturm. Aus dem heraus empfehlen sie immer noch drei große Mahlzeiten pro Tag und zwei kleine Zwischengerichte. Dazwischen? Nichts! Und keine Informationen dazu, wie das ein Kind aushalten soll. Zumal die studierten Ernährer einen Apfel oder ein Naturjoghurt als Zwischenmahlzeit empfehlen, keine Schnitten und kein Brezelchen. Und was sie noch, auf Studien gestützt, behaupten: Es ist nicht gut für kleine Mägen (für große übrigens auch nicht), wenn von oben ständig nachgefüllt wird.
Bekommt stattdessen der Verdauungstrakt die Chance, seine Arbeit sorgfältig zu machen, ohne Störfeuer ungeregelten Nachschubs, fühlt sich der ganze Mensch wohler. Der Magen lässt seine Säfte los, bearbeitet das Angebot und leitet es anschließend weiter. Jetzt ist der Darm dran, er holt alles aus der Nahrung, die der Mensch braucht. Kommt von oben längere Zeit nichts mehr nach zum Bearbeiten, taucht aus der Tiefe des Bauches ein Gefühl auf, das Hunger heißt.
Menschen um die 30 erinnern sich vielleicht noch dran: Hunger, das ist dieses Grummeln nach drei Stunden im Schwimmbad, nach einem Nachmittag Baumhausbau, einem Fahrradausflug. Menschen dieser Generation wurden ohne Lunchpaket in solche Abenteuer geschickt. Und bei der glücklichen Heimkehr hat man sie auch noch gehindert, sich aus dem rettenden Kühlschrank zu bedienen. "In einer halben Stunden gibt's Essen", hieß es. Überlebt haben das nur die ganz Harten.






Tja, warum nur wird dieser Artikel immer wieder hochgeholt?
Weil er rein gar nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat!
Unser Kinderarzt hat neuerdings in jedem Behandlungszimmer einen Zettel mit einer durchgestrichenen Brezel hängen. Aufschrift: "Übrigens: Gegessen wird zu Hause!"
Und auf den Gläschen mit den Belohnungs-Gummibärchen für die Kinder prangt ein Aufkleber mit der Bitte, dass diese doch nur vom Arzt an die Kinder ausgegeben werden sollen...
Noch Fragen?
Ich habe mich zwischenzeitlich drauf verlegt, nur noch die drei festen Mahlzeiten direkt "anzubieten". Zwischenmahlzeiten gibt's nur, wenn die Kinder danach verlangen. Sind sie mit Spielen beschäftigt, kann der Hunger nicht soooo riesig sein. Und zur Not hören die auch mal das berühmte "In einer halben Stunde gibt's Abendessen!"
Hier gibt es keine Snacks für Zwischendurch.
Mich ärgert es auf dem Spielplatz, wenn da halbe Restaurants ausgepackt werden. Wie soll ich meinem Kind dann erklären, dass es zwischendrin nichts gibt. Wenn alle anderen vor seinen Augen mampfen.
Naja, aber er spielt dann doch lieber, weil er festgestellt hat, dass man mit Essen in der Hand nicht gut sandeln kann.
Wenn mal ein Ausflug geplant ist, dann wird essen eingepackt, aber es wird nur zur normalen Zeit gegessen.
Anne: Wunderbar! Danke! :)
wie oft soll dieser alte Artikel denn noch hochgeholt werden? Fällt der Redaktion nichts Neues mehr ein?
In letzter Zeit werden ständig Artikel wiederholt:(
Gut ist die Milchschnitte-Werbung über dem Artikel...
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(55 Kommentare)