Hier kocht Papa
 
Was hier auf den Tisch kommt, essen Kinder gerne!

Ein Vollzeitjob, drei Kinder und jede Woche für die Elterninitiative kochen? Michael König hat‘s gemacht. Von Gurkensuppe bis Wiener Schnitzel, hier konnte er Altbewährtes und Neues ausprobieren und eine Menge über Kindergeschmack lernen. Die besten Rezepte hat er in sein Buch „Kinderteller“ gepackt. Im Interview verrät er, wie Kinder einfach gesund essen.

„Igitt, was Grünes!“, haben Sie das von Ihren Kindern schon mal gehört?

Hier kocht Papa: Was hier auf den Tisch kommt, essen Kinder gerne!

Klar, Rosenkohl oder Zucchini sind bei uns nicht gerade beliebt. Da hilft, ehrlich gesagt, auch meine leckere Mandel-Kruste nicht viel.

Wie schaffe ich es denn, dass Kinder Gemüse lieben - oder zumindest: essen?

Oft ist das eine Frage des „Wie“: Schneiden Sie Gemüse wie Knollensellerie oder Möhren in ganz kleine Würfel. Da fallen sie in der Lasagne gar nicht auf. Notfalls greifen Sie ruhig mal zum Pürierstab. Und: Beziehen Sie die Kinder mit ein, so oft es geht. Lebensmittel, die die Kinder selbst geschält, geschnitten und gekocht haben, essen sie auch. Beim Selbermachen entwickeln sie einen richtigen Stolz. Sie werden sehen!

Muss alles aufgegessen werden?

Da liege ich mit meiner Frau ein bisschen im Clinch. Sie sagt: nein, ich sage: ja. Unsere Kinder dürfen sich das Essen selbst aus der Schüssel nehmen, dann sollen sie sich eben erstmal weniger auf den Teller schöpfen. Der Nachtisch passt ja komischerweise auch immer noch rein, warum dann nicht die Hauptspeise? Das Wichtigste ist (und da sind sich meine Frau und ich einig!), dass die Kinder alles probieren. Das ist Pflicht! Denn: Was jetzt nicht schmeckt, schmeckt irgendwann später. Der Geschmack muss sich bei Kindern erst noch ausbilden.

Michael König zeigt, wie Leckeres auf den Kinderteller kommt

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Wenn es nach meinen Kindern ginge, gäbe es jeden Tag Nudeln ohne alles - wird das irgendwann besser?

Ich kann Sie beruhigen. Meine Erfahrung ist: Je älter die Kinder werden, desto mehr Lust haben sie wieder, Neues auszuprobieren. Ich habe das extra mal gegoogelt: Dass Kinder nicht alles essen, ist ein Schutzmechanismus. Im Kleinkindalter haben sie noch keine Berührungsängste und essen alles, was sie in die Finger kriegen (und wenn es Käfer sind, die mein Jüngster im Urlaub aus den Steinritzen gepult hat). Ab etwa eineinhalb Jahren entwickelt sich die sogenannte Neophobie, ein evolutionäres Programm, das Kleinkinder davor schützen soll, giftige Beeren oder ähnliches zu erwischen. Diese Ablehnung von Neuem, vor allem von Bitterstoffen, ist im Kindergartenalter am stärksten ausgeprägt. Im Schulalter wird das wieder besser, gottseidank!

Was mögen Kinder immer - und was lehnen sie ab?

Meiner Erfahrung nach sind Auberginen, Brokkoli, Blumenkohl oder auch Fisch nicht einfach. Trotzdem kann man‘s ausprobieren. Indem man zum Beispiel selber Fischstäbchen macht. Kinder lieben das Panieren. Oder man schneidet Rohkost klein und peppt sie mit einer leckeren Joghurtsoße auf. Wenn Sie „fremdes“ Gemüse einführen wollen, kombinieren Sie es am besten mit Zutaten, die die Kinder schon kennen und mögen, bei uns sind das Reis, Kartoffeln, Hühnchen oder Hackfleisch. Ich habe auch nichts gegen ein Pöttchen Sahne, das macht Gemüsegerichte herrlich gefällig im Geschmack.

In vielen Familien ist der Alltag stressig, die Zeit für große Einkäufe und langes Kochen fehlt: Was tun?

Auch mit wenig Zutaten ist schnell was Frisches gemacht. Versuchen Sie‘s doch mal mit einem Kartoffel-Möhren-Hackfleisch-Mix: Kartoffeln und Möhren kochen, stampfen, mit Milch zu einem Püree verrühren, Hackfleisch anbraten und alles vermischen. Lecker! Auch schnell und einfach: Salzige Pfannkuchenröllchen, zum Beispiel mit Lachs und Schmand. Die Pfannkuchen belegen, rollen, in Scheiben schneiden und fertig ist ein super Kindergericht.

Werfen Sie einen Blick ins Buch

Kochbuch "Kinderteller"
152 Seiten, 14,90 Euro
Zu bestellen unter: www.olivia-verlag.de

Seit dem ersten Gericht, das Sie für den Kindergarten gekocht haben, gab es da eine Lernkurve?

Oh ja! Mein Antrittsessen war „Züricher Kalbsgeschnetzeltes“, das wollte ich besonders gut machen. Ich habe das Fleisch beim besten Bio-Metzger geholt - aber offensichtlich zu lange gekocht. Es war hart. Und die Kinder haben es wieder ausgespuckt. „Mist, durchgefallen!“ habe ich mir da gesagt - und dann versucht, das Ganze durch die Kinderbrille zu sehen. Ich habe alles püriert und die Gewürze weggelassen. Das war aber auch nix. Meine Lieblingsgemüsesuppe zum Beispiel schmeckte fad und ohne Biss. Aber die Erzieherin gab mir zum Glück gnadenloses Feedback: „Die Kinder haben alle Zähne!“. Also habe ich zwei Drittel püriert und den Rest in Stückchen gelassen (nicht zu groß!). Jetzt passt‘s prima. Aus einem extra Schälchen kann sich jedes Kind noch Gewürze, Pinienkerne oder Crotons drübertun oder weglassen. Eine super Sache!