Interview

Hier kocht der Papa

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Herr König, was gab es bei Ihren Kindern heute zum Mittagessen?


Heute gab es einen Kartoffelauflauf mit Hackfleisch und dazu grünen Salat mit Tomaten und Joghurt. Ich verwende dabei die Kartoffeln nicht als geschnittene Scheiben sondern als Püree. Das kam bei den Kleinen super an!

Ihre Kinder mögen Salat?

Ja! Viele Eltern sagen, dass ihre Kinder keinen Salat essen, weil er zu zäh oder zu bitter sei. Ich sage: Das ist Gewöhnungssache. Die Kinder in unserem Kindergarten essen alle gerne Salat. Kombiniert mit Tomaten, Gurken oder Paprika und einem leckeren Dressing ist er ein Renner.

Mit welchem Essen machen Sie Ihre eigenen Kinder glücklich?

Meine Große, Marie (6), liebt Suppen. Ihr Lieblingsgericht ist die "Spanische Kindergartensuppe". Diese Suppe habe ich im Spanienurlaub entwickelt. Meine beiden Töchter haben dort Jakob aus Berlin kennengelernt. Gleich am zweiten Tag wollten Marie und Anna, dass Jakob zum Mittagessen bleibt. Nun wusste ich von seiner Mutter, dass er nur ausgewählte Gerichte isst. Ich hatte eine Gemüsesuppe geplant und somit eine echte Bewährungsprobe vor mir. Also habe ich die Suppe mit Mandeln und Ei verfeinert und als "original" Spanische Kindergartensuppe präsentiert, die die Kinder in den spanischen Kindergärten mittags essen. Das hat allen sehr gut geschmeckt. Meine Tochter Anna (4) mache ich mit Fischstäbchen glücklich. Da ist es für mich als Koch natürlich schwer an die gekauften heranzukommen. Aber ich glaube, ich habe eine ziemlich leckere und gesunde Rezeptur gefunden. Und der Jüngste, Peter, ist erst 15 Monate alt. Sein Lieblingsessen sind Nudeln pur. Oder Brei.

Werfen Sie einen Blick ins Buch


Hier können Sie im Kochbuch "Kinderteller - Leckere Kochrezepte für Kinder" blättern. Zum Starten der Animation klicken Sie einfach auf das Buchcover.

Kochbuch "Kinderteller"
152 Seiten, 14,90 Euro
Erscheint am 10. Oktober 2011
Zu bestellen unter: www.olivia-verlag.de

Wie sieht ein gutes Rezept für Kinder aus?

Das Essen, das auf dem Kinderteller landet, sollte vor allem gesund und ausgewogen sein. Sahne als Geschmacksträger ist zwar lecker, aber ich habe versucht, sie rauszulassen. Ansonsten gibt es einige Zutaten, die Kleinkinder einfach nicht mögen.

Welche Zutaten sind das?

Das sind zum Beispiel Rosenkohl, Auberginen und Zucchini. Ich habe einmal einen Auflauf zubereitet, bei dem Hackbällchen, Kartoffeln und Rosenkohl mit einer Quarkcreme überbacken werden. Obwohl meine Kinder den Rosenkohl lustig fanden ("runde Bällchen mit Salat drum herum"), blieb er auf den Tellern liegen. Also disponierte ich um und nahm stattdessen Möhren.

Fragt man Kinder, was sie gerne essen, kommt als Antwort oft Nudeln mit Soße. Wie machen Sie den Kleinen Gesundes schmackhaft?

Da gibt es zwei Möglichkeiten. Als ich am Anfang für den Kindergarten gekocht habe, habe ich die Gerichte schön hergerichtet. Aus Gemüse baute ich einen kleiner Turm etc. Ich will die Kinder aber nicht verschaukeln, also mache ich es heute anders. In meinen Gerichten ist viel Gemüse drin, allerdings klein geschnippelt. Probiere ich eine neue Gemüsesorte aus, dann immer in Kombination mit etwas, was die Kinder kennen und mögen, zum Beispiel Kartoffeln oder Nudeln.

Sagen Sie Ihren "Versuchskindern" im Kindergarten, was sie essen?

Ja, Täuschen kommt nicht in Frage. Ich sage den Kindern immer, was auf dem Speiseplan steht. Sie wissen also, dass in der Gurkensuppe natürlich richtige Gurken drin sind. Als ich eines Morgens mit einem großen Topf in den Kindergarten kam und die Gurkensuppe ankündigte, hätte ich gleich wieder einpacken können ("Wäähhh, das ess ich nicht!"). Die Kleinen ließen sich auch nicht durch zwei anwesende Väter umstimmen, die vorgaben, dass Gurkensuppe ihre Lieblingssuppe sei (ohne dass sie sie jemals probiert hätten). Die Suppe ist dann übrigens sehr gut angekommen und steht seitdem regelmäßig auf dem Speiseplan.

Wie haben Sie es geschafft, dass die Kinder die Gurkensuppe überhaupt probiert haben?

Mini-Kostproben - das ist das Erfolgsrezept. Ich lasse die Kinder zuerst kleine Portionen probieren. Man kann dieser Situation natürlich vorbeugen, indem die Kleinen schon beim Kochen dabei sind. Da entwickeln sie einen richtigen Stolz und sagen "Das hab ich gemacht". Und das, was man selbst gemacht hat, das isst man auch.

Kochen Sie auch zusammen mit den Kindern im Kindergarten?

Nein, unser Kindergarten ist sehr klein und wurde auf Initiative der Eltern gegründet. Wir haben keinen Koch und sind auf die Mithilfe aller Eltern angewiesen. Wir bringen morgens das Essen zusammen mit den Kindern in den Kindergarten und die Erzieherinnen bereiten es mittags fertig zu. Das ist übrigens auch der Charme dieses Buches. Alle Gerichte lassen sich super vorbereiten und später aufwärmen.

Wie sieht es mit dem Kochen zu Hause aus? Helfen Ihre Kinder da?

Meine zwei Großen helfen sehr gerne in der Küche. Jede hat ihre eigene Kochschürze, ihren eigenen Kochlöffel und ihren eigenen Platz. Marie schneidet Tomaten und Anna schmeißt die Nudeln ins Wasser. Klar, dass dabei oft was schiefgeht. Da landet beim Versuch, ein Ei aufzuschlagen, schon einmal die Hälfte auf dem Boden. Aber das gehört dazu. Meine Kinder haben gelernt, dass ein Messer scharf ist und dass man sich an der Herdplatte verbrennen kann - sie sind keine "Greenhorns" mehr in der Küche.

Wie kamen Sie auf die Idee, aus Ihren Rezepten ein Buch zu machen?

Gekocht habe ich schon immer gerne. Und als meine Kinder in den Mitmach-Kindergarten kamen, musste ich mein Repertoire an leckeren Gerichten ausbauen und an den Geschmack der Kinder anpassen. Der "Kinderteller" entstand also aus meiner Leidenschaft fürs Kochen - und der Liebe zu meinen Kindern.

Woher haben Sie die "Kinderteller"-Rezepte?

Einige Rezepte in meinem Buch sind Klassiker, die großen Anklang bei den Kindern finden, zum Beispiel Reibekuchen mit Apfelmus und Kalbsrahmbraten mit Spätzle. Viele andere Gerichte habe ich selbst kreiert, etwa den Erbsenkuchen und den "Himmel-und-Erde-Pudding". Diese sind dann durch die Prüfung des Kindergartens gelaufen und ich habe sie anschließend perfektioniert. Das ist das Besondere an dem Kochbuch: Alle Rezepte sind von Kindern gegessen und für lecker befunden worden. Schließlich gibt es noch Gerichte, die auf Erfahrungen beruhen. Meine Mutter hat ein wunderbares Erdbeerkuchenrezept geliefert, das jetzt im Buch zu finden ist. Ebenso wie die einzigartige Schinkenkäsequiche einer anderen Kindergartenmama.

Was war als Kind Ihr Lieblingsgericht?

Das waren Nudeln mit Gehacktem - nichts Besonderes, ich weiß. Andere nennen dieses Gericht Spaghetti Bolognese, aber meine Oma nannte es einfach „Nudeln mit Gehacktem“ und so habe ich es auch ins Buch übernommen. Zusammen mit meiner Mutter habe ich versucht dieses Gericht meiner Oma nachzukochen. Ganz ist es uns nicht gelungen - superlecker ist es trotzdem.

Kochen nur Sie oder auch Ihre Frau?

Meine Frau kann zwar sehr gut kochen, aber meistens hat sie keine Lust. Und sie weiß ja, dass Kochen meine Leidenschaft ist und mir großen Spaß macht. Oft stehe ich am Wochenende in der Küche und bereite das Essen für die ganze Woche vor, das sie dann nur noch aufwärmen braucht. Ganz nebenbei entstehen so neue Rezeptideen und neue Gerichte für mein Buch.

Familie und Kochen - das scheint bei Ihnen zusammenzugehören...

Absolut. Während meiner dreimonatigen Elternzeit haben wir vier Wochen auf einer Finca in Andalusien verbracht. Dort habe ich für die ganze Familie und alle Nachbarn gekocht. Wir hatten eine wunderbare Zeit, die mich auch mit meinem Kinderkochbuch weitergebracht hat. Das Projekt "Kinderteller" wäre ohne die Familie nicht möglich gewesen. Von der Gründung des Olivia Verlags über Layout und Fotos bis hin zu Marketing und Versand - alles entstand in Eigenregie der Familie König.

von Julia Gruler


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