Ernährung
"Süßes ist ein Elixier der Seele!"

Bei Lollis, Eis und und gebrannte Mandeln denken Eltern an den erhobenen Zeigefinger der Ernährungsexperten: Süßes ist ungesund und macht schlechte Zähne. An die Seele denkt anscheinend niemand. Dabei spielt sie eine entscheidende Rolle.

Süßes ist ein Elixier der Seele
Süßes ist ein Elixier der Seele
© Thinkstock, prohor08

Ein Interview mit Prof. Dr. Eckart Rüther, ehemaliger Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen.

Kommen Genuss und seelisches Wohlbefinden in den Diskussionen um gesunde Ernährung nicht oft ein bisschen zu kurz?
Durchaus. Zwar gibt es keine biologische Erklärung für ein angenehmes bzw. unangenehmes seelisches Befinden. Aber wir gehen davon aus, dass positive Gefühle wie Freude und Genuss in bestimmten Hirnarealen ihren Ursprung haben und dass es eine Beziehung zwischen Ernährungsweise und Stimmungen gibt.

Welche Art von Beziehung zwischen Ernährung und Stimmung stellt man sich denn vor?
Es gibt nachweislich Wechselwirkungen zwischen dem Kohlenhydrat- wie auch dem Fettstoffwechsel mit einem System im Gehirn, das für die Regulation von Stimmungen und Gefühlen verantwortlich ist. Wir nennen es serotonerges System. Die Hauptrolle darin spielt der Botenstoff Serotonin, von dem sicher viele schon gehört haben und der auch als "Glückshormon" bezeichnet wird. Bestimmte chemische Substanzen aber auch bestimmte Essgewohnheiten verändern die Aktivität dieses serotonergen Systems und das wirkt sich auf die seelische Befindlichkeit aus. So erhöhen z. B. kohlenhydratreiche, süße oder fette Speisen die Aktivität dieses Systems, das Serotonin als Botenstoff benutzt. Schokolade ist geradezu ein ideales Mittel, dieses System im Gehirn zu aktivieren.

Kann der strikte Verzicht auf Süßes und Gehaltvolles zu depressiven Verstimmungen führen?
Psychische Probleme werden nicht durch Verzicht auf Süßes verursacht. Allerdings ist verstehbar, dass ein völliger Verzicht von Süßem die Seele frustriert. So ein totales Naschverbot ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen eine seelische Herausforderung, die unter bestimmten Vorbedingungen zu psychischen Schwierigkeiten führen kann. Das Süße ist ein Elixier der Seele. Aber gerade mit einem so wertvollen und glückbringenden Stoff sollte sehr verständnisvoll umgegangen werden. Hier beginnt die Erziehung.

Was würden Sie Familien raten, die ihre Kinder zu einer "gesunden Süßigkeitenkompetenz", also zu einem bewussten Umgang mit Genuss erziehen wollen?
Zunächst sollte es klare Absprachen geben, wann, wie, wo und wie viel Süßes angeboten wird. Das Kind kann das noch nicht entscheiden, es will immer alles. Über die Jahre sollte das Kind zu verantwortungsvollen selbständigen Entscheidungen geführt werden. Das ist ein langwieriger Prozess. Damit sich dieser möglichst ohne Enttäuschungen, Zuwiderhandlungen und Strafen vollzieht, müssen Eltern nicht nur immer wieder geduldig erklären, sondern vor allem mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist eine wesentliche Voraussetzung, damit ein Kind den sinnvollen Umgang mit Genüssen jedweder Art erlernen kann. Sich als Eltern möglichst vorbildlich zu verhalten ist nicht leicht, aber für das Kind bzw. den späteren Erwachsenen ist es lebensbestimmend, mit Lust und Frust angemessen umgehen zu können.

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