ADHS

Wenn das Hirn auf "Standby" schaltet

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Cordula Neuhaus forscht seit 30 Jahren über das ADHS. Ihr bisher wichtigstes Buch "Das hyperaktive Kind und seine Probleme" (Urania Verlag, Freiburg, 2009, davor mehr als 20 Auflagen im Ravensburger Buchverlag) ist bereits in sieben Sprachen übersetzt worden.

ADHS - was ist das?

Unaufmerksam, zappelig und impulsiv - das sind die Eigenschaften, die wohl die meisten mit der Diagnose ADHS bei Kindergarten- und Schulkindern verbinden. ADHS ist eine Störung der Schaltprozesse im Stirnhirn - die Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin werden falsch reguliert, so dass das Gehirn nicht entscheiden kann, was wichtig ist und was unwichtig. Oft fällt das erst auf, wenn ein ADHS-Kind in der Schule ist und schlechte Noten schreibt.

ADHS in Deutschland

So erklärt die ADHS-Expertin Cordula Neuhaus die Krankheit: "Es gibt keine unterschiedlichen Sichtweisen auf ADHS. Die Krankheit entsteht nicht aus einem Trauma oder anderen psychischen Ursachen heraus. In der internationalen wissenschaftlich fundierten Forschung wurde zweifelsfrei festgestellt, dass ADHS aus einer neurobiologischen Grundlage heraus entsteht." Deutschland hat ein Problem mit dem Thema ADHS, da ist sich Neuhaus sicher. Und das Problem hat Deutschland gleich in mehrfacher Hinsicht: "Einerseits versuchen Wissenschaftler andere als medizinische Ursachen für die Krankheit zu finden oder die Krankheit ADHS immer noch völlig zu leugnen," so die Psychologin. "Andererseits ist ADHS in Deutschland zu wenig erforscht. Es ist immer noch nicht bekannt, dass acht bis zwölf Prozent der deutschen Kinder und Jugendlichen bis 18 Jahre unter den Symptomen von ADHS leiden, die von unserem beschleunigten Leben und einem Schulsystem, das sich an den Stärkeren orientiert und 20 Prozent der Schüler links liegen lässt, noch verstärkt werden."

ADHS eine Modekrankheit?

Bei Freude, Aufregung und Ärger sind an ADHS Erkrankte nicht mehr erreichbar. Die Krankheit gibt es in allen Kulturen und Kulturkreisen, aber nicht überall gleich häufig und ADHS ist auch nicht in Mode. Schick ist es ganz bestimmt nicht, wenn fünf bis zwanzig Prozent aller Kinder weltweit krank sind. Auch wenn man leicht diesen Eindruck gewinnen kann: Die Häufigkeit von ADHS hat in den letzten Jahren nicht zugenommen, nur die Möglichkeiten, ADHS zu diagnostizieren, sind besser geworden. Seitdem berichten auch die Medien häufiger darüber. Gemeinsam ist allen ADHS-Kranken, dass sich ihr Gehirn auf "Standby" schaltet, wenn ein Reiz nicht positiv stimuliert, sondern negativ oder sie kalt lässt. ADHS gibt es in mehr oder minder schweren Ausprägungen. Aber: Nicht jedes Kind, das das eine oder andere Symptom hat, ist deswegen gleich an ADHS erkrankt und braucht Medikamente.

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  • von diana am 7. März 2010, 18:54 Uhr

    hallo
    meine Tochter hat adhs sie nimmt seit ein paar monate medikenet20 mg
    es leuft morgens in der schule gans gut .
    aber wenn die medikamente nach lasst so um 16:30 uhr ist sie nicht mehr zu bremsen .
    Sie leuft übrt tische und bänke .
    unruhig hört nicht .ist sehr laut
    muss da zu sagen ich bin alleinerziehende Mutter.
    und es ist nicht so einfach .
    habt jemand von eich die gleichen probleme ?
    würde mich über eine antwort seher freuen


  • von Oliver am 18. Dezember 2009, 16:28 Uhr

    Eine Behandlung für ADS und ADHS, die in Deutschland noch viel zu wenig wahrgenommen wird, aber in den USA seit vielen Jahren schon überwältigende Erfolge zeigt ist Neurofeedback.
    Diese Links dürfte für Betroffene sehr interessant sein (der erste ist auf deutsch aber etwas allgemeiner, die beiden anderen sind auf englisch, aber sie lohnen sich zu lesen):

    http://www.eeginfo.ch/de/neurofeedback/was-ist-neurofeedback/wozu-neurofeedback.html

    http://www.eeginfo.ch/de/neurofeedback/was-ist-neurofeedback/therapeutic-applications/glossary-detail/attention-deficit-hyperactivity-disorder-adhd.html

    http://www.eeginfo.ch/de/neurofeedback/was-ist-neurofeedback/therapeutic-applications/glossary-detail/attention-deficit-disorder-add.html


  • von Stefanie am 19. August 2009, 19:56 Uhr

    Muss es denn immer gleich ADHS sein? Hier in Wien machen sie viel mit der "Sensorischen Integration" - eine Art Ergotherapie, die wirklich sehr gut anschlagen kann. Basierend auf der Forschung von Jane Ayres können Kinder gezielt körperlich therapiert werden. Meist liegen Über- oder Unterempfindlichkeiten vor (nicht sich richtig die Schuhe anziehen können; viel stolpern, viel schreien wegen nix etc. Wutanfälle ...) Und die Diagnose ADHS tut solchen Kindern unrecht. Die KInder werden auch mit einem 4 seitigen Fragebogen "abgeklopft": Fragen zur Geburt, Babyalter, Verhalten im Alltag etc. Mir hat bei meiner 4 Jährigen das sehr sehr geholfen; Sie ist mittlerweile nach 10 Stunden sensorischer Integration völlig mit sich im reinen und "in sich selber drin"...
    http://www.spielstudio.at/
    http://www.kindergarten-workshop.de/index.html?/paedagogik/integration/sensorische_integration.htm
    Vielleicht gibt es das ja auch in Deutschland?


  • von Bettina am 13. August 2009, 18:03 Uhr

    @mamataiga

    Ich drücke die Daumen! Halte durch bis zum 6. Lebensjahr... Hab bei meiner Tochter (heute fast 8) auch mit gut 2 Jahren gewusst dass Sie ADHS hat. Gewusst deshalb, weil ich selbst unter ADHS leide (mit Diagnose)... Leider keine Diagnose bei Tochter bekommen, wurde abgewimmelt mit den Worten: Kommen Sie in 4 Jahren nochmal, unter 6 gibts keine Diagnose!
    Mit 6 Diagnose bekommen nach 1,5 Jahren austesten und viel Türenklingeln und Dranbleiben.... Keine Unterstützung seitens Kiga bzw Schule...
    Toi toi toi.....


  • von Daniela am 2. Juli 2009, 14:00 Uhr

    Ich habe 2 Stiefkinder. Der Junge war 6 J. mit ADHS. Das Mädchen war 3, ADS.
    Wir ließen sie in der Kinderpsychatrie testen. Der Junge bekam Ritalin, was ein Segen für alle war, da er sehr aggressiv war. Leider verweigerte er in der Pubertät die Einnahme, weil er meinte , wir setzten ihn damit unter Drogen...
    Er flog 2xdurch den Quali, brach die Ausbildung als Maler ab. Durch eine Freundin holte er seine Prüfung nach u. arbeitet inzw. wieder im Beruf. Meine Stieftochter kam in eine Diagnose-/Förderklasse und einen Hort mit heilpädagogischer Hausaufgabenbetreuungwas ihr sehr half, doch trat in der Pubertät eine "Arbeitsvermeidungshaltung"auf, wie es eine Lehrerin treffend beschrieb. Nach der Förderschule bekam sie Methylphenidat, schaffte den Hauptschulabschluß und die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin. Nun ist sie ausgezogen, verdient und geht ihre eigenen Wege! Ich bin stolz, daß sie es trotzdem geschafft haben!!!


(12 Kommentare)

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