ADHS

Wenn das Hirn auf "Standby" schaltet

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Die Symptome vom "Zappelphilipp" und der "Träumerin"

ADHS-Kinder haben Selbstwertprobleme, sind motorisch unruhig, können schlecht einschätzen, wie lange sie für etwas brauchen. Sie suchen die Extreme, experimentieren und erkunden gerne. Ihnen passieren häufig Unfälle, sie verletzten sich oft, weil sie Gefahren nicht einschätzen können. Viele haben außerdem ein verändertes Schmerzgefühl: wenn bei anderen Kindern schon längst Tränen fließen, dann sagt ein ADHS-Kind vielleicht noch nicht einmal "Aua". Viele Kinder sind leicht beeinflussbar und integrieren sich schlecht in eine Kindergruppe, weil ihre Stimmungen sehr labil sind und sie ständig im Mittelpunkt stehen wollen, egal wie. Bei Jungen fällt ADHS häufig dann auf, wenn sie im Kindergarten und in der Schule immer wieder versuchen, die Gruppe zu dominieren - mit den Fäusten oder mit lautstarken Zwischenrufen. Sie machen den Zappelphilipp oder werden zum Klassenkasper. In der Schule fällt auf: 80 Prozent der ADHS-Kinder haben zusätzliche Lernschwächen. Gerade im Rechtschreiben sind ADHS-Jungen meist in ihren Noten unter dem Durchschnitt. Bei Mädchen ist es dagegen fast immer Mathe. Verblüffend aber wahr: Viel mehr Mädchen als Jungen sind von ADHS betroffen, sagt Cordula Neuhaus. "Das fällt nur nicht so auf, weil sie sich oft still verhalten. Das sind dann die kleinen Träumerinnen. Bei mir war eine junge Frau wegen ADHS in Behandlung, die vom Direktor ihrer Schule auf der Abi-Feier nicht herausgerufen wurde, weil er sie schlicht komplett vergessen hatte."

Bei Verdacht: Rat in Selbsthilfegruppen suchen

"ADHS ist heute sehr gut diagnostizierbar", sagt Cordula Neuhaus. "Man muss bloß das Störungsbild kennen, vom Baby- bis zum Erwachsenenalter." Eltern, die glauben, dass ihr Kind ADHS hat, rät sie, sich zuerst an eine seriöse Selbsthilfegruppe zu wenden und am Telefon die Symptome der Krankheit durchzugehen. Selbsthilfegruppen wie ADS e.V. und ADHS Deutschland haben Adressen von ADHS-Experten in allen Teilen Deutschlands. "Einen Fachmann erkennt man daran, dass er viele verschiedene Tests aus den Bereichen Intelligenz, Aufmerksamkeit, Befindlichkeit, Rechnen, Rechtschreibung und Motorik macht und für die Anamnese-Erhebung auf die Anwesenheit des Kindes verzichtet, weil es dessen Selbstwertgefühl dauerhaft schaden würde, wenn es gesagt bekommt 'das kann er/sie nicht'." ADHS ist nicht heilbar und die Expertin glaubt, dass mehr als 65 Prozent der am Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom erkrankten Kinder auch als Erwachsene noch Probleme haben.

Ritalin: Ein Medikament für alle Sorgenkinder?

Methylphenidat, besser bekannt als Ritalin, wirkt so: Bei ADHS sind Bereiche im vorderen Teil des Gehirns, die auch die Impulse kontrollieren, weniger aktiv. Durch das Medikament werden sie angeregt, wodurch das Gehirn seine Kontrollfunktionen besser wahrnehmen kann. Ritalin ist in Deutschland allerdings umstritten. Darum werden die Kosten auch nur für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren von der Krankenkasse übernommen. Was aber denkt die ADHS-Expertin Cordula Neuhaus über das so genannte Einstellen mit Ritalin? "Es ist ein Segen, dass es Medikamente wie Ritalin gibt. Die Kinder müssen nun einmal in unserem Schulsystem bestehen. Man muss ihnen eine chemische Brille aufsetzen können, damit sie sich zurechtfinden können." Neuhaus sagt auch, dass es viel schlimmer sei, wenn Kinder ständig Versagensängste hätten oder tatsächlich versagten und sozial geschnitten würden. "Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Forschung und in der Bildung. Wir müssen die ADHS-Kinder über ihr Leiden begreifen und nicht über den Grad, wie sie andere stören Trotzdem sollten nicht alle ADHS-Kinder Medikamente bekommen." Wenn ein Kind Ritalin nehmen muss, dann meist für ein oder mehrere Jahre. Geheilt wird es von ADHS dadurch nicht. Ein Kind, Jugendlicher oder Erwachsener kann aber über die Jahre lernen, wie man auch als ADHS-Kranker "funktionieren2 kann. Denn ADHS ist keine Katastrophe: auch aus Robert De Niro, Dustin Hoffman, Whoopi Goldberg und Jack Nicholson ist etwas "Anständiges" geworden. Und die haben alle ADHS.

Über ADHS wird im ADS-Forum heftig diskutiert …

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von Astrid Bischof


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  • von Christiane Thomaßen am 19. Oktober 2011, 08:45 Uhr

    Teil 1: Eine äußerst schwere Entscheidung, dem Kind, den Eltern aber auch den Lehrern eine Auszeit von der Symptomatik via Amphetaminen (Ritalin etc.) zu gönnen. Man bedenke: nicht das ADHS-Kind leidet wirklich und wahrhaftig, sondern die "Gesunden"...die durch ihre Reaktion dann wieder das Kind leiden lassen... Die Ursachenschau ist essentiell und so möchte ich wieder erinnern, daß die Faktoren nicht nur auf der Stoffwechselebene zu suchen sind: Schwermetallbelastungen (der Mutter, weitergegeben durch die Blut/Plazentaschranke), Impfbelastungen (Irritation des Immunsystems und Metallbelastung durch Konservierungsstoffe), Mangelzustände (äußerst wichtig: HPU (Hämopyrrollactamurie) = Mangel an einer Gruppe von Spurenelementen, spez. Vitamin. Die Betroffenen können diese Stoffe nicht in ausreichender Menge über die herkömmliche Nahrung aufnehmen. Ein einfacher Urinlabortest (KEAC) gibt darüber Auskunft.


  • von monika am 25. Juli 2011, 19:27 Uhr

    ich war als kind genauso wie zwei von meinen kindern, damals zählte ich nur als schwierig, ich glaube keiner kann so ein kind verstehen, weil das kind selber sich nicht versteht, schlimmer wirds nur, wenn solche kinder dann auf drogen umsteigen um das "durcheinander" im gehirn ruhig zu stellen, ich werde deswegen oft verurteilt, dass meine kinder so sind und das tut mehr weh, als das was die kinder einem antun, ich wünsche allen weniger schmerzvolle erfahrungen als mir und kann nur sagen, sucht euren weg, auch wenn es weh tut


  • von Erwin am 17. Dezember 2010, 14:59 Uhr

    hier gibt Informationen über ADS/ADHS
    sowie ADS/ADHS verstehen, vorbeugen und behandeln (Vortrag)ganz unten
    http://www.eagle-vision-communication.de/ADS-ADHS.htm


  • von JoergausSch@joergaussch am 12. November 2010, 10:26 Uhr

    Hallo Forenleser und -Schreiber,

    ich habe seit 8 Monaten eine Partnerin mit einem 14 Jährigen Sohn, bei dem als Kleinkind ADHS diagnostiziert wurde.

    Da ich vorher keine Kinder hatte, war ich natürlich nie mit derartigen ,,Problemen" konfrontiert.

    Habe natürlich Nachhilfe von meiner Partnerin bekommen um den Burschen zu verstehen.

    Allerdings habe ich bemerkt, dass man sich zu diesem Thema nicht einfach nur ein Buch nehmen kann und dann weiss man alles.

    Ich möchte zu diesem Thema auch nicht nur die Meinung meiner Partnerin hören und dann nach aussen hin vertreten, sondern auch Erfahrungen anderer zu diesem Thema hören.

    ... ich möchte diesen Jungen ganz verstehen.

    Wie err tickt und vor allem warum er manchmal so tickt.

    Ich glaube in diesem Forum gibt es genug ,,Betroffene", die mir Ratschläge und vieleicht Tip´s zum täglichen Umgang mit unseren Kindern geben können.

    Frei nach den Motto: nicht verzweifeln. Immer weitermachen

    Vielen Dank schon mal im voraus für Eure Mühe

    Gruss Jörg


  • von sindy@sindy_koehler am 18. März 2010, 17:50 Uhr

    ich hab auch ein sohnd er das hat er bekommt aber zappelino tabletten sind kugeln die gibt man 3 mal täglich und er ist auch ganznormal dadurch weil ich wollte nicht das mein kind auf drocke gestezt wir d weil von den tabletten die sie bekommen haben werden sie mal abhänging weil sie auf der drogenliste stehn deshalb hab ich mich für die tableten auf pflanzlicher pasies entschieden und unser junge ist auch nicht mehr so aufgedeht und ist jetzt in der schule klassen bester


(12 Kommentare)

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