KOMPAKT-THEMA:

FSME-Impfung
Wer braucht die Zecken-Impfung wirklich?

Beim Thema FSME wird manchmal etwas übertrieben. Da lassen Eltern ihre Kinder aus Angst vor Zecken nicht mehr durch Wiesen toben. Andere wollen die Impfung, obwohl sie das ganze Jahr kein Risikogebiet betreten. Wie macht man es richtig?

FSME-Impfung: Wer braucht die Zecken-Impfung wirklich?

Ein Gespräch mit Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach, Kinder- und Jugendärztin in München und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut.

Wer nicht in einem der ausgewiesenen Risikogebiete lebt, braucht keine FSME-Impfung. Aber Familien bleiben nicht immer zu Hause, sondern besuchen Verwandte und Freunde oder machen Urlaubsreisen. Wie beraten Sie?
Ich berate sehr differenziert. Hier im Münchner Raum leben wir gewissermaßen auf der Insel der Seligen. Wer also mit seinen Kindern nur zu den Spielplätzen im Münchner Stadtgebiet geht und seinen Urlaub in der Toskana verbringt, braucht die FSME-Impfung nicht.

Wer aber zum Bergwandern in den Bayerischen Wald, in den Hochschwarzwald oder nach Österreich fährt, wer nach Osteuropa reisen, also beispielsweise die polnischen Seenplatten kennen lernen möchte, aber auch wer die Großeltern bei Passau hat, sollte die Impfung erhalten. Ob diese Impfung ratsam ist, ist also eine Frage der Lebensgestaltung. Die Karte der FSME-Risikogebiete des Robert Koch-Instituts wird regelmäßig aktualisiert.

Wie riskant ist diese Impfung?
Die Impfung ist sehr gut verträglich, allerdings bekommen Kinder zwischen ein und drei Jahren häufig 24 bis 48 Stunden nach der Impfung Fieber. Das ist aber nicht besorgniserregend.

Könnten Familien, die nur kurze Aufenthalte in Risikogebieten planen, sich nicht mit Repellents, also Mitteln gegen Insektenstiche, helfen?
Diese Mittel bieten nicht denselben Schutz wie eine Impfung, weil sie nur kurze Zeit wirken und durch An- und Ausziehen sowie durch Schwitzen abgewischt werden. Man muss sie also regelmäßig neu auftragen. Außerdem gibt es Insekten, die sich durch Repellents nicht abschrecken lassen. Zudem sind es nicht ganz ungefährliche Substanzen, die man da auf Kinderhaut gibt.

Wer sich richtig anzieht, bietet den Zecken kaum Angriffsflächen. Ist darauf Verlass?
Nur bedingt. Natürlich rate ich grundsätzlich dazu, langärmelige T-Shirts, lange Hosen, Socken und feste Schuhe zu tragen. Wichtig ist außerdem möglichst helle Kleidung, damit man das krabbelnde Tier darauf sehen kann. Trotzdem bleibt einem das abendliche Absuchen des Körpers nach diesen Blutsaugern nicht erspart, denn schließlich gibt es auch noch die Borrelien, das sind Bakterien, die durch die Zecken übertragen werden können. Das Risiko, sich diese Erreger zu holen, ist nicht auf bestimmte Regionen begrenzt. Je länger eine borrelienbehaftete Zecke saugen kann, desto höher ist das Infektionsrisiko. Die FSME-Viren können schon beim Einstich übertragen werden.


Interview: Doro Kammerer

Zecken-Test im Handel erhältlich

Zecken können nicht nur Hirnhautentzündung (FSME) übertragen, sondern auch Borreliose, eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien verursacht wird. Die Krankheit kann im Körper jedes Organ befallen, meist jedoch Nervensystem und Gelenke. Häufig äußert sie sich durch Gelenksentzündungen. Im Frühstadium bildet sich um den Zeckenbiss häufig ein roter Fleck, es kann aber auch zu Fieber kommen und die Hautrötung bleibt aus.

Um abzuklären, ob die Zecke, die gebissen hat, mit FSME oder Borreliose infiziert war, gbit es in der Apotheke oder im Internet Zeckentests für ca. 10 Euro zu kaufen. Bei dem Test wird die Zecke zermalmt und mit einer Lösung beträufelt. Danach kann man die Substanz auf den Teststreifen auftragen und nach einigen Minuten das Testergebnis ablesen.

Von:Doro Kammerer