Experten-Interview
 
Neurodermitis - Kortisoneinsatz bei Kindern

Bei akuter Neurodermitis verschreiben viele Ärzte Kortison. Eltern beunruhigt das oft, da Kortison als Medikament mit schwerwiegenden Nebenwirkungen gilt. Wir haben den Dermatologen Dr. Joachim Christ aus Bonn zum Thema Kortisonbehandlung bei Kindern befragt.

Ist Neurodermitis durch Medikamente wie Kortison komplett heilbar?

Experten-Interview: Neurodermitis - Kortisoneinsatz bei Kindern

Nein. Neurodermitis ist nicht komplett heilbar, da es eine genetisch bedingte, vererbte Krankheit ist, die in verschiedenen Ausprägungen auftritt. Auslöser können Trockenheit der Haut, Nahrungsmittel- oder andere Allergien, Stress, Nervosität und zu heißes Duschen sein.

Dennoch kann man Neurodermitis durch eine fachkundige Behandlung in den Griff bekommen. Haben Kinder von klein an Neurodermitis, bessert sich die Haut meist ab dem sechsten bis achten Lebensjahr. Sie haben dann oft keine Probleme mehr. Es gibt jedoch Patienten, bei denen Neurodermitis erst im Erwachsenenalter auftritt.

Wie wirkt Kortison bei Kindern mit Neurodermitis?

Dr. Joachim Christ
Dr. Joachim Christ

Der menschliche Körper stellt selbst eine winzige Menge Kortison her. Kortison ist demnach kein körperfremder Stoff. Forscher haben festgestellt, dass Kortison künstlich herzustellen und für Therapien bei Hauterkrankungen einsetzbar ist. Es gibt Kortison in Tabletten - und Cremeform.

Für die Anwendung auf der Haut eignet sich die Kortisoncreme, da sie in schwächeren Dosen verwendet und genau auf die Ekzeme aufgetragen werden kann. An den Ekzemstellen bilden sich weiße Blutkörperchen, die die Haut reizen und sie überreagieren lässt. Die Haut wird rot, trocken, es bilden sich Bläschen und Pusteln. Das Kortison dringt an der Entzündungsstelle in die Haut ein, bremst die Produktion der weißen Blutkörperchen und beendet so die Überreaktion der Haut.

Dr. Joachim Christ

Eltern haben oft Angst vor Kortison - ist das berechtigt?

Vor einem vernünftigen, fachkundigen Umgang mit Kortison durch einen gut ausgebildeten Kinderdermatologen müssen Eltern keine Angst haben. Früher konnte Kortison nur in hohen Dosen eingesetzt werden, die schneller Nebenwirkungen hervorgerufen haben. Nebenwirkungen können eine dünne, durchscheinende Haut oder der Übergang des Kortisons ins Blut und den Hormonhaushalt sein. Heute kann man Kortisoncremes in verschiedenen, viel schwächeren Wirkungsgraden einsetzen, was gerade bei der dauerhaften Behandlung von Kindern verträglicher ist. Nach der Kortisonbehandlung verbessert sich das Hautbild meistens, dann sollte noch etwa sechs Wochen beobachtet werden, ob neue Neurodermitis-Schübe auftreten. Ist dies der Fall, muss die Behandlung fortgesetzt werden.

Geheilt wird Neurodermitis durch die Verbesserung des Hautbildes durch Kortison nicht, neue Schübe können immer wieder auftreten. Bei Kindern mit Neigung zur Neurodermitis verlieren sich die Ekzme oft nach dem sechsten bis achten Lebensjahr, aber es können andere Allergien auftreten.

Welche Alternativen gibt es für Kortison?

Bei Kindern sind die Kortison-Alternativen begrenzt. Es gibt die Möglichkeit Neurodermitis durch gerbstoff- oder harnstoffhaltige Cremes zu lindern. Auch Fett- und Feuchtigkeits-Cremes oder Ölbäder helfen der gereizten Neurodermitis-Haut.

Als Kortison-Alternativen werden oft die Wirkstoffe "Tacrolimus" und "Pimecrolimus" genannt. Was ist das genau?

Das sind eigentlich Chemotherapeutika in Creme-Form. Früher wurde vermutet, dass diese Mittel das Krebsrisiko erhöhen. Heute haben amerikanische Wissenschaftler festgestellt, dass das nicht so ist. Dennoch sollte man diese Wirkstoffe nicht bei Kindern unter zwei Jahren und nicht bei dünner Haut einsetzen. Sie sollten sparsam auf die Haut aufgetragen werden, also nur partiell und nicht am ganzen Körper. Oft werden die "Tacrolimus"- und "Pimecrolimus"-Wirkstoffe zur Nachbehandlung eingesetzt, eher nicht während den akuten Neurodermitis-Schüben.