Interview
 
Neurodermitis - Die Krankheit im Alltag

Mit der Diagnose "Neurodermitis" stellen sich viele Fragen: Welcher Arzt ist der richtige, welche Behandlung hilft meinem Kind - die Mutter eines Mädchens mit Neurodermitis spricht über ihre Erfahrungen, gibt Tipps und erzählt, wie sie zusammen mit ihrer Tochter die Neurodermitis in den Griff bekommen hat.

Wann haben Sie das erste Mal bemerkt, dass Ihre Tochter Neurodermitis-Symptome hat?

Interview: Neurodermitis - Die Krankheit im Alltag

Elena hatte mit drei Monaten einen roten Fleck am Fuß. Bei einem Besuch beim Kinderarzt spach ich meine Befürchtung, es könnte Neurodermitis sein, aus. Der Arzt stimmte zu.

Mit welchen Mitteln haben Sie versucht, die Krankheit in den Griff zu bekommen?

Am Anfang haben wir versucht die Neurodermitis mit Salben und homeopathischen Mitteln vom Kinderarzt in den Griff zu bekommen. Und ich ging mit Elena, damals drei Jahre alt, zu einem Hautarzt. Er machte verschiedene Allergietests. Die ergaben eine Hausstaubmilbenallergie. Der Hautarzt verschrieb Medikamente gegen Juckreiz und sehr teure Salben, die die Krankenkasse leider nicht übernahm. Auch die monatlichen Kontrollen brachten nichts als hohe Arztkosten. Nach ca. zwei Jahren brach ich diese Behandlung ab. Ich ging mit Elena wieder zum Kinderarzt, der Salben und Ölbäder verschrieb. Bei Infektionen der Haut bekamen wir zusätzlich Antibiotika- und Kortisonsalben.

Haben Sie Alternativen zu Antibiotika oder Kortison ausprobiert?

Ja, wir bekamen die Empfehlung, zu einer Homeopathin zu gehen. Diese riet zu einer Ernährungsumstellung ohne Weizen- und Kuhmilchprodukte und zu homeopathischen Mitteln. Nach einem halben Jahr mit dieser anstrengenden Ernährung, war absolut keine Besserung in Sicht. Elena hatte viele Schübe und die Homeopathin war nicht zu erreichen - ich war manchmal fast am verzweifeln.

Zurück beim Kinderarzt, bat ich ihn uns auf die Allergiestation des Kinderkrankenhauses zu überweisen. Nun sind wir seit fast einem Jahr dort mit gezielter Salbentherapie, anfangs auch Antibiotika, Öl- und Duschbädern. Die Behandlung zeigt bei Elena, heute neun Jahre alt, viel Erfolg, obwohl es natürlich auch aufwendig ist.

Wann sind die Neurodermitis-Schübe besonders schlimm?

Es gibt immer wieder Phasen, da kommen die Schübe ohne ersichtlichen Grund. Nach Hallenbadbesuchen ist die Neurodermitis schlimmer. Ganz schlimm war es, als Elena einen allergenen Schub hatte und dann auch noch Windpocken.

Wie belastend ist die Krankheit für Ihre Tochter?

Im Moment geht es recht gut, aber sobald wieder ein Neurodermitis-Schub kommt, stresst sie natürlich der Juckreiz und der zusätzliche Aufwand an Pflege - jeden Abend eincremen ist für ein kleines Mädchen sehr lästig. Außerdem machen sie die Medikamente müde und schlapp.
Bei den Ernährungseinschränkungen durfte sie nur spezielle Schokolade essen und nur wenig Süsses aus dem Reformhaus - diese Außenseiterrolle hat ihr nicht gefallen und sie auch verunsichert - was darf ich und was nicht?

Wird reagieren andere Kinder oder Lehrer auf die Krankheit?

Andere Kinder haben sie gefragt, ob ihr Ausschlag ansteckend sei - das hat sie sehr geärgert.
Man bekommt auch oft gut gemeinte Ratschläge von Freunden oder Verwandten. Leider kann man nicht alles ausprobieren, da die Therapien ja immer eine gewisse Zeit durchgehalten werden müssen. Die Lehrer haben gut reagiert und Verständnis gezeigt. Auch der Kinderarzt hat Elena immer ernst genommen und in Krisenzeiten neutral unterstützt.

Belastet Sie die Krankheit Ihrer Tochter als Mutter selbst?

Ja, ich muss Elena immer dazu anhalten ihre tägliche Hautpflege zu machen und das auch kontrollieren. Ich beobachte die empfindliche Neurodermitis-Haut ständig, da es zu Infektionen der gereizten Haut kommen kann.

Welche Tipps würden Sie anderen Eltern mit Neurodermitis-Kindern geben?

  • Sehr wichtig ist die Unterstützung eines gut ausgebildeten Kinderarztes.
  • Haben Sie den Mut Therapien auszuprobieren und sie nötigenfalls wieder abzubrechen, wenn sich keine Besserung zeigt.
  • Ich habe festgestellt, dass sich Alternativmethoden und Schulmedizn oft gut miteinander vertragen.
  • Mir war es wichtig, dass meine Tochter sich von mir unterstützt und ernst genommen fühlt. Dazu gehört auch, dass ich ab und zu bei Ausflügen, Ferienlager oder Reisen ein Auge zugedrückt habe - Neurodermitis-Kinder sollen ja nicht zu Außenseitern werden!