Klumpfuß, Plattfuß und Sichelfuß
Wenn die Füßchen nicht perfekt sind

Der Klumpfuß ist die häufigste angeborene Fußfehlstellung, zwei bis drei von 1.000 Babys kommen damit zur Welt. Wie Ärzte helfen können und welche Fehlstellungen es neben dem Klumpfuß noch gibt, erfahren Sie hier.

Ein Problem: die Enge der Gebärmutter

Klumpfuß, Plattfuß und Sichelfuß: Wenn die Füßchen nicht perfekt sind

Füße sind komplizierte Gebilde. Muskeln, Sehnen und Bänder halten in den Füßen fast ein Viertel aller Knochen des menschlichen Körpers zusammen! Kein Wunder also, dass die Füße nicht immer lehrbuchmäßig perfekt aussehen. Besonders die Enge der Gebärmutter gegen Ende der Schwangerschaft kann ihnen zusetzen.

Unterschied zwischen Fehlhaltung und Fehlstellung

Bei Babyfüßchen, die sich aus Platzmangel verbiegen, spricht man von einer Fehlhaltung. Sie muss nur behandelt werden, wenn sie stärker ausgeprägt ist. Eine sogenannte Fehlstellung dagegen ist immer ein Fall für den Arzt. Denn davon betroffene Füßchen sehen deshalb verbogen aus, weil ihre Gelenke, Knochen, Muskeln und Sehnen nicht so zusammenpassen, wie die Natur das vorgesehen hat.

Klumpfuß: Eine Operation muss nicht immer sein

Der Klumpfuß ist nicht nur die häufigste, sondern auch die komplexeste Fußanomalie. Denn im Grunde handelt es sich um eine Kombination aus mehreren Fehlbildungen, die, jede für sich, korrigiert werden müssen, soll das Kind später unbehindert gehen, laufen, springen. Allerdings gibt es keine einheitliche Therapie für den Klumpfuß.

Seit einigen Jahren setzt sich die sogenannte Ponseti-Methode immer mehr durch. Eine kombinierte Gips-Schienen-Behandlung, die bei manchen Kindern um eine Mini-OP zur Verlängerung der Achillessehne ergänzt wird. Die Gips- Phase dauert etwa neun Wochen, die Schienen-Phase (anfangs rund um die Uhr, später ausschließlich nachts) zwei bis drei Jahre. Vorteil gegenüber anderen Methoden: Dem Kind bleibt eine aufwendige Fußoperation erspart.

Weitere Fehlstellungen

Die nach dem Klumpfuß häufigsten, objektiv aber trotzdem seltenen angeborenen Fehlstellungen sind der Plattfuß und der Sichelfuß. Beim Plattfuß ist das Fußgewölbe nicht ausgebildet, beim Sichelfuß zeigen Mittelfuß und Zehen nach innen, wobei sich die Großzehe so stark zur Seite beugt, dass sie sich von den anderen Zehen abspreizt. Beides tritt familiär gehäuft auf und sollte korrigiert werden, bevor sich das Kind aufrichtet und zu laufen beginnt. Beim angeborenen Sichelfuß reicht es, das Füßchen immer wieder zu redressieren und dann per Gips zu fixieren. Der angeborene Plattfuß muss operiert werden. (Übrigens: Alle Babyfüße sehen anfangs platt aus! Das ist völlig normal und liegt an dem üppigen Fettpolster zwischen Ferse und Ballen, das sich mit der Zeit von selbst abbaut.)

Fehlhaltungen kommen häufig vor

Viel weniger Aufwand erfordert die Behandlung der Fehlhaltungen, wenn sie denn überhaupt nötig ist. Die Sichelfuß- Haltung zum Beispiel, die sich meist erst nach der Geburt bildet und rund 70 Prozent der Babys betrifft, wächst sich in den allermeisten Fällen aus. Wichtig: die Bauchlage meiden, weil sich dabei die Füßchen automatisch nach innen drehen. Oder dem auf dem Bauch liegenden Baby Schaumstoffringe um die Knöchel legen, damit die Füßchen nicht seitlich aufliegen können. Bitte außerdem regelmäßig den Fußaußenrand sanft massieren. Nur in sehr hartnäckigen Fällen muss man auch bei der Sichelfuß-Haltung redressieren und gipsen bzw. sogar operieren.

Kletterfüßchen drehen sich von selbst in Normalposition

Auch der Hackenfuß, bei dem der Fußrücken manchmal so steil nach oben steht, dass er beinahe das Schienbein berührt, verschwindet innerhalb weniger Tage von selbst. Noch häufiger als die Sichelfuß-Haltung ist der Kletterfuß. Weil sich dabei die beiden Fußsohlen "anschauen", ist auch von Klumpfuß-Haltung die Rede. In aller Regel drehen sich Kletterfüßchen von selbst in Normalposition. Falls nicht, hilft es, wenn man sie ein paar Tage lang in der gewünschten Haltung bandagiert.

Von:Sabine Lotz