Medikamente für Kinder

Arzneien immer sorgsam dosieren!

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Medikamente für Kinder: Arzneien immer sorgsam dosieren!

Bis vor wenigen Jahren war es aus ethischen Gründen nicht erlaubt, Medikamente an Kindern und Jugendlichen zu testen. Deshalb bekommen Kinder Arzneien "off label". Das heißt: Kinder nehmen Medikamente ein, die nicht ausdrücklich für Kinder zugelassen waren. Die Änderung im Arzneimittelgesetz, die entsprechende Studien mittlerweile erlaubt, hat nicht viel an dieser Situation verändert. Zulassungsverfahren dauern viele Jahre und kosten Millionen. Kinderärzte und Kliniken können diese Summen nicht aufbringen. Und viele Eltern würden niemals erlauben, dass ein Medikament an ihrem Kind ausprobiert wird.

Niemand weiß, ob ein so junger Organismus die Medikamente auf Dauer verträgt

Um gängige Husten- und Schnupfenmittel ging es den Arzneimittel-Experten allerdings auch nicht vorrangig, sondern beispielsweise um Medikamente für herz- und krebskranke Kinder, für Kinder mit Epilepsie, Asthma, Diabetes, Rheuma und anderen schweren chronischen Erkrankungen. In den betroffenen Familien müssen Kinder manchmal über viele Jahre hinweg täglich Medikamente einnehmen, von denen niemand genau weiß, ob ein so junger Organismus sie wirklich auf Dauer verträgt.

Warnung vor zu leichtfertigem Umgang mit Hustenmedikamenten

Doch was ist mit den in fast jeder Familie verwendeten Erkältungsarzneien? In den USA haben Hersteller vor zwei Jahren etliche Erkältungsmittel vom Markt genommen. Der Grund: Einige Eltern hatten ihren Kindern nach dem Motto "viel hilft viel" verschiedene Präparate gleichzeitig gegeben und das hat den Kindern sehr geschadet. Amerikanische Behörden warnen inzwischen vor allem davor, Hustenmedikamente leichtfertig zu verabreichen. In England müssen alle Arzneien, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind, besonders gekennzeichnet sein.

Eltern sollten dem Gewicht ihres Kindes entsprechend dosieren

"Rezeptfrei ist nicht gleichbedeutend mit harmlos", sagt Prof. Dr. Hannsjörg W. Seyberth, ehemaliger Direktor der Universitäts-Kinderklinik Marburg und Vorsitzender der Kommission für Arzneimittelsicherheit der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. "Oft enthalten die Arzneien einen Cocktail von Wirkstoffen, bei Hustenmitteln beispielsweise schleimlösende und das Hustenzentrum beruhigende Substanzen. Auch bei den schon seit Jahrzehnten verwendeten Fieber- und Schmerzzäpfchen mit Paracetamol oder Ibuprofen sollte man sich den Beipackzettel genau durchlesen und nur die für das Gewicht des Kindes entsprechende Dosis geben, also lieber mal kleinere Zäpfchen kaufen. Überdosierung kann sehr schaden!"

Kranke Kinder sollten reichlich trinken und Eltern viel Geduld haben

Arzneien würden nur auf ihre Wirksamkeit und auf sofort und häufig auftretende Nebenwirkungen getestet, warnt Professor Seyberth. Seltene Nebenwirkungen und Spätfolgen kenne man im Augenblick der Zulassung oft nicht. Es könne durchaus sein, dass beispielsweise die Zunahme von Allergien auf einen unbedachten Umgang mit frei verkäuflichen Erkältungs-Präparaten zurückzuführen ist. "Erkältungen sind genau genommen keine Krankheiten, sondern eine Konditionierung des Immunsystems", erklärt Professor Seyberth. "Da es sich in den meisten Fällen um Infektionen durch Viren handelt, kann man nur die Beschwerden lindern. Die gehen nicht viel schneller weg, wenn man Medikamente gibt. Kranke Kinder sollten reichlich trinken und Eltern viel Geduld haben. Denn: Kinder brauchen Zeit!"

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