Den Rotavirus bekommen vor allem Babys und Kleinkinder
Magen-Darm-Viren gibt es jede Menge. Zu den bekanntesten zählt das Norovirus, das im vergangenen Winter grassierte und Tausende Menschen für jeweils ein bis zwei Tage lahmlegte. Weniger bekannt, aber genauso verbreitet ist das Rotavirus, das ebenfalls heftigen Brechdurchfall verursacht. Es befällt vor allem Babys und Kleinkinder; das macht es gefährlich. Denn so kleinen Menschen setzt der Wasserverlust durch Erbrechen und Durchfall ganz besonders zu. Hinzu kommt, dass Infektionen mit Rotaviren knapp zwei Wochen dauern können. In dieser Zeit leiden die kleinen Patienten nicht nur unter Brechdurchfall - bis zu 20 Attacken täglich -, sondern sie fiebern auch. Vielen geht es so schlecht, dass sie ins Krankenhaus müssen, wo sie die fehlende Flüssigkeit per Tropf ersetzt bekommen.
Leider sind Rotaviren extrem ansteckend. Das heißt, schon zehn der mikroskopisch kleinen Biester genügen, um krank zu machen (zum Vergleich: bei Salmonellen müssen es 100.000 Keime sein, bevor was passiert). Meist infizieren sich die Babys und Kleinkinder über die Hände, über Spielzeug, Kuscheldecken, Besteck, Nuckelflaschen oder Geschirr. Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr in Kindertagesstätten. Zwar müssen laut Infektionsschutzgesetz Kinder, die unter einem ansteckenden Magen-Darm-Infekt leiden, daheim bleiben. Doch daran halten sich nicht alle Eltern. Oder die Krankheit bricht wirklich erst in der Kita aus.
Bis vor zwei Jahren existierte keine Möglichkeit, Kinder vor Rotaviren zu schützen. Mittlerweile gibt es eine Rotavirus- Schluckimpfung für Babys, die zwischen dem zweiten und sechsten Lebensmonat gegeben wird und das Kind etwa bis zum zweiten Geburtstag schützt. Allerdings wird sie bislang nur in Sachsen offiziell empfohlen.
Umfrage des Deutschen Grünen Kreuz unter Mütter
Um herauszufinden, wie die Eltern zu
einer Rotavirus-Impfung stehen, verteilte
das Deutsche Grüne Kreuz im Frühjahr
Fragebögen in Frauenarztpraxen. Der
gemeinnützige Verein, zu dessen Zielen die
Gesundheitsinformation gehört, wollte vor
allem wissen, wie hoch werdende Mütter
das Erkrankungsrisiko durch Rotaviren einschätzen
und ob sie ihr Baby gegen den
Durchfallerreger impfen lassen würden.
700 Frauen, von denen 299 zum ersten
Mal schwanger waren und 387 bereits
Kinder hatten, füllten den Fragebogen aus.
Das Ergebnis der Auswertung ist eindeutig:
95 Prozent der Schwangeren halten die
Rotavirus-Infektion für eine ernste Erkrankung
im Babyalter. Und 88 Prozent möchten
ihr Baby dagegen impfen lassen.
Wie wird die Stiko entscheiden?
Bleibt abzuwarten, wie sich die Stiko entscheidet. Die Ständige Impfkommission am Berliner Robert-Koch-Institut, die Nutzen, Kosten und Risiken von Impfstoffen bewertet, gibt demnächst ihre neuen Empfehlungen heraus. Vielleicht ist die Rotavirus-Impfung dabei.
Informationen zur Impfung
Die Schluckimpfung gegen Rotaviren wird, je nach Impfstoff, auf zwei- oder dreimal gegeben. Kosten: rund 190 Euro. Solange die Vorsorge nicht von der Stiko empfohlen wird, müssen die Eltern selbst zahlen. Eine Nachfrage bei der Kasse lohnt sich aber. Immer mehr Versicherungen übernehmen die Kosten. Eine Übersicht zu den entsprechenen Krankenkassen sehen Sie hier.Mehr Infos zum Rotavirus auf der Internetseite des Deutschen Grünen Kreuzes unter www.dgk.de/rotaviren.
Persönliche Fragen können in der Impfsprechstunde jeden Dienstag von 10 bis 12 Uhr, Tel. 0 64 21/29 31 88 gestellt werden, Anfragen per Mail an impfen@kilian.de






In der Ausgabe vom 03. Oktober des Deutschen Ärzteblattes war ein interessanter Artikel zum Thema "Interessenskonflikte" von Prof. Dr. med. David Klemperer (Fakultät Sozialwissenschaften) zu lesen. Er ist unter
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=61694
zu lesen.
Es lohnt sich wirklich, die Dinge zu hinterfragen!
Gruß, N. Kilgus
Zu empfehlen ist folgende Internetseite:
http://www.individuelle-impfentscheide.de/index.php?option=com_content&task=view&id=20&Itemid=38
Die Liste zeigt, welche Mitglieder durch Interessenskonflikte in Ihrer Objektivität gefährdet sein können, da sie direkt oder indirekt finanzielle Mittel von Impfstoffherstellern erhalten.
Unter einer seriösen Berichterstattung verstehe ich z.B., dass zumindest erwähnt wird, dass bei dem Statement von Frau Dr. Lindlbauer-Eisenach (ständiges Mitglied der Impfkommission beim RKI; s.S. 123 der Oktoberausgabe) zur Windpockenimpfung ein Interessenskonflikt besteht. Und zwar in der Art, dass sie (stellvertretende) Vorsitzende des "Forums Impfen" ist, welches u.a. von "Sanofi Pasteur MSD" finanziert wird. Besagte Firma ist Hersteller des Windpockenimpfstoffes Varivax. Der mündige Leser kann dann selbst entscheiden, ob das Statement zur Sicherheit des MMRV-Impfstoffes objektiv genug ist.
Dr. med. N. Kilgus
Hallo Frau Dres. Sigrid Ley-Köllstadt / Ute Arndt!
Dass die Empfehlungen der Stiko medizinischer Standard und damit RICHTSCHNUR des ärztlichen Handelns ist, steht außer Frage. Aber in Deutschland herrscht nun mal keine IMPF-PFLICHT, so dass jede Mutter und jeder Vater ein Anrecht auf Aufklärung und auf eine ausgewogene Berichterstattung hat. Nur weil es Gesetz ist, ist noch lange nicht für alle immer 100% richtig. Gerade eine "seriöse" Zeitschrift sollte in der LAge sein, auch andere - vor allem undabhängige - Quellen als die der Stiko oder des RKI zu nutzen und eben jene Standard-Quellen kritisch zu hinterfragen!
Herzliche Grüße, Dr. med. N. Kilgus
Zur Umfrage des Deutschen Grünen Kreuzes (DGK) zu Rotaviren: Es handelte sich nicht um eine repräsentative Befragung, sondern eine Einschätzung des derzeitigen Wissens um die Erkrankung bei schwangeren Frauen. Bei Frau Engelhards Kommentar scheint ein Missverständnis vorzuliegen, denn die Umfrage ist, wie im Text der Redaktion richtig dargestellt, ausschließlich bei Schwangeren durchgeführt worden, damit sind die Prozentzahlen völlig korrekt. 95 % der befragten Schwangeren hielten Rotavirus-Erkrankungen für gefährlich, 88 % der befragten Schwangeren gaben an, ihr Kind dagegen impfen zu wollen. Wir hoffen, das Missverständnis konnte so ausgeräumt werden.
Leitung Medizin und Wissenschaft beim DGK, Dr. Sigrid Ley-Köllstadt und Dr. Ute Arndt
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