Entspannung
Schlafprobleme bei Schulkindern

Schlaf in der Pubertät: Völlig aus dem Rhythmus

Durchschnittlich liegt das Schlafbedürfnis jetzt bei zehn Stunden pro Nacht
Mary A. Carskadon leitet die Abteilung "Chronobiologie und Schlaf" am Bradley Hospital in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island. Jugendlichen wird nicht unbedingt gefallen, was sie zu sagen hat: "Die gängige Meinung, dass mit zunehmendem Alter immer weniger Schlaf gebraucht wird, stimmt nicht für die Jahre acht bis 20."

Schlimmer noch: Während der Pubertät benötigen viele Jugendliche wegen der Umbauarbeiten im Körper und im Kopf sogar etwa eine Stunde mehr Schlaf als in den Jahren davor. Durchschnittlich liegt das Schlafbedürfnis jetzt bei knapp zehn Stunden pro Nacht. Das ist aber schon allein deshalb utopisch, weil die wenigsten Jugendlichen zum Tagesschau-Beginn müde sind. Der Grund dafür: Die innere Uhr der Jugendlichen ist offenbar so gestellt, dass sie tatsächlich erst gegen 23 Uhr einschlafen können und erst nach neun Uhr morgens richtig wach werden. In diesem Zusammenhang verweisen Wissenschaftler wie Carskadon auf die Produktion des Schlafhormons Melatonin, das bei Jugendlichen erst zwei Stunden später als bei jüngeren Kindern seine höchste Konzentration im Blut erreicht.

Am Wochenende setzt die Schlafsucht ein

Ein Teufelskreis beginnt: spät einschlafen, aber schon früh wieder aus den Federn müssen. Da ist es kein Wunder, dass die meisten Jugendlichen in Deutschland unter einem chronischen Schlafdefizit leiden und am Wochenende dann das passiert, was Carskadon "binge sleeping" nennt (was sich etwa mit "Schlafsucht" übersetzen lässt): "Es hilft beim Auftanken, wenn von zwei Uhr morgens bis zwei Uhr nachmittags geschlafen wird. Aber damit wird dem Gehirn signalisiert:, Schlafzeit ist von zwei bis 14 Uhr!' Fatal, wenn dann Montagmorgen der Wecker klingelt!"

Carskadon empfiehlt deshalb einen Kompromiss: "Jugendliche sollten wochentags versuchen, achteinhalb Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen. Das ist zwar zu wenig, aber damit lässt es sich einigermaßen gut leben. Wenn sie dann am Wochenende etwa zehneinhalb Stunden pro Nacht schlafen, können sie sich erholen, bringen aber nicht die innere Uhr komplett durcheinander."

Von:Anke Leitzgen