In den vergangenen Jahrzehnten ist die Zahl der Kinder, die unter einer Allergie leiden, stark angestiegen. Eine aktuelle repräsentative Umfrage von ELTERN und der Krankenkasse DAK zeigt:
- 14 Prozent der Kinder unter sechs Jahre haben Neurodermitis
- fünf Prozent der Kinder unter sechs Jahre haben Heuschnupfen
- drei Prozent der Kinder unter sechs Jahre haben Asthma
Hier gibt es mehr Informationen zu großen ELTERN-Gesundheitsumfrage.
Wir leben zu hygienisch
Wer nach den Gründen für diese Entwicklung sucht, trifft immer wieder auf die Erklärung: Unsere Lebensbedingungen haben sich verändert. Je weniger traditionell wir leben, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass wir Allergiker werden. Mit dieser Formel ließe sich zusammenfassen, was Wissenschaftler in den letzten 20 Jahren beobachten und untersuchen. Weil wir unsere Umwelt immer hygienischer gestalten, kommen unsere Kinder kaum noch in Kontakt mit so unangenehmen Dingen wie Parasiten oder Würmern. Eigentlich ja gut. Aber andererseits auch wieder schlecht - denn unser Immunsystem ist dadurch einfach unterfordert. Und spielt im gewissen Sinne verrückt. Indem es seine Waffen gegen Substanzen richtet, die für den Körper eigentlich gar nicht gefährlich sind - zum Beispiel gegen Pollen und Gräser.
Impfschutz aus dem Kuhstall
Für diese Hygienethese spricht auch, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, nachweislich ein um zwei Drittel geringeres Risiko haben, an Heuschnupfen zu erkranken. Der frühe Kontakt mit Bakterien in den Tierställen schützt auch vor Neurodermitis und Asthma. Medizinern ist es jetzt übrigens gelungen, zwei der Schutzkeime zu isolieren, die in den Ställen vorkommen. Ob sich daraus eine Schutzimpfung entwickeln lässt? Erste Tierversuche waren erfolgreich.
Früh in die Krippe = geringes Allergierisiko?
Es ist aber nicht nur die Hygiene in unseren Häusern und Wohnungen, die allergieanfälliger macht. Sondern auch die Größe der Familien - die Tendenz zum Einzelkind. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Kinder in der früheren DDR deutlich seltener unter Allergien (Heuschnupfen und Asthma) litten als die westdeutschen Kinder. Der vermutete Grund: In der DDR war es üblich, dass Kinder früh in eine Krippe gegeben wurden, wodurch sie früher und mehr Infekte durchmachten als die West-Kinder. Dadurch war ihr Immunsystem mit "echten" Feinden beschäftigt und hatte - grob gesprochen - keine Zeit, zu viele Antikörper der Sorte Immunglobulin E (IgE) zu produzieren. Sie sind es, die die allergische Reaktion auslösen. Untersuchungen haben übrigens gezeigt, dass Einzelkinder, die erst spät täglich mit Kindern in Kontakt sind, ein höheres Allergierisiko haben als Einzelkinder, die bereits mit sechs Monaten eine Krippe besuchen.
Falsches Essen, zu wenig Infektionen
Wenige Infekte, starke Hygiene - damit ist die Liste der Risikofaktoren noch nicht abgeschlossen. Auch unsere Ernährung mit schlechten Fetten und Geschmacksverstärkern, wenig Bewegung und die Tatsache, dass wir immer seltener gefährliche Infektionen bekommen, geben dem Vormarsch von Allergien Schub.
Auch Vererbung spielt eine Rolle
Die veränderten Lebensbedingungen sind als Hauptursache für den Anstieg der Allergieerkrankungen ausgemacht. Aber ein Mensch braucht auch eine genetische Disposition dazu. Ist ein Elternteil Allergiker oder sind es gar beide, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass gerade das Kind ebenfalls überempfindlich gegen Pollen oder Hausstaub wird.
So hoch ist das Risiko einer Allergie-Entwicklung bei einem Kind, wenn
- beide Elternteile stark allergisch sind: 60 bis 80 Prozent
- beide Elternteile allergisch sind: 40 bis 60 Prozent
- ein Geschwister allergisch ist: 20 bis 40 Prozent
- kein Elternteil allergisch ist: 5-15 Prozent
Was Eltern tun können
Ab in den Kuhstall oder alle Kinder früh in die Krippe? Diese Lösungsansätze sind nicht praktikabel. Aber was können Eltern tun, um Ihre Kinder möglichst effektiv zu schützen?
- Tipps für den Allergieschutz während der Schwangerschaft finden Sie hier.
- Tipps für den Allergieschutz im Babyalter finden Sie hier
Außerdem:
- Isolieren Sie Ihr Kind nicht, sondern bringen Sie es in Kontakt mit vielen Kindern. Das fördert nicht nur das Immunsystem, sondern die gesamte Entwicklung.
- Diese Gleichung auch für das Spielen im Freien: Fahren Sie doch öfter mal in die Natur! Sie müssen sich ja nicht gleich im Matsch suhlen.
- Gesund ernähren: Kochen Sie häufiger mal selber, am besten mit schadstoffarmen und ausgewogenen Lebensmitteln.
- Verzichten Sie aufs Rauchen.
- Seien Sie vorsichtig bei Haustieren.






