Wie kann ich mein Kind frühzeitig
und intensiv fördern?
Die wichtigste Grundlage für frühes
intellektuelles, motorisches und kreatives
Lernen ist Sicherheit und Vertrauen. Wenn
ein Kind von seinen Eltern liebevolle Zuwendung,
Rituale, aber auch Konsequenz
erfährt, hat es die besten Chancen, dass
sich seine Begabungen und Talente optimal
entwickeln.
Welche Angebote regen besonders an?
In erster Linie sprachliche. Vorlesen,
Singen, aber auch intensiv Geräuschen
oder Vogelstimmen zuzuhören, stimuliert
schon sehr kleine Kinder. Je größer
der Wortschatz, desto besser lässt sich die
Welt erfassen und verstehen. Intensive
Kommunikation aktiviert das Gehirn und
führt zu vielen Verbindungen zwischen
einzelnen Gehirnzellen. So funktioniert
Lernen, so baut sich Intelligenz auf.
In anderen Ländern werden Kinder früher
als bei uns mit naturwissenschaftlichen
Zusammenhängen vertraut gemacht. Halten Sie das für wichtig?
Unbedingt, denn so werden spielerisch
abstraktes und komplexes Denken,
aber auch das bildliche Vorstellungsvermögen
geschult. Leider kommt das in
deutschen Kindergärten zu kurz. Deshalb
fördern Eltern ihr Kind sehr, wenn sie es
physikalische und chemische Phänomene
im Alltag ausprobieren lassen. Natürlich
unter Aufsicht und Anleitung. Gießen Sie
zum Beispiel Ihrem Kind dieselbe Menge
Saft in ein niedriges, aber weites Glas.
Dann wird in ein enges, aber hohes Glas
umgeschüttet - jetzt sieht der Saft nach
viel mehr aus. Oder: Welche Materialien
schwimmen auf Wasser, welche gehen
unter? Was passiert, wenn ich über eine
brennende Kerze ein Glas stülpe?
Kann ein Kindergartenkind das
schon aufnehmen?
Kinder sind, wenn der emotionale
Rahmen stimmt, sehr neugierig und wissbegierig.
Lernen ist ein urmenschliches
Bedürfnis. Ob sie sich alles merken, ist eine
andere Frage. Das hängt davon ab, wie
oft und wie viel wiederholt wird. Es bringt
nicht allzu viel, wenn ich mein Kind einmal
pro Woche in einen Englischkurs
bringe. Lese ich ihm aber täglich auf Englisch
vor, lasse es CDs hören oder mit englischsprachigen
Kindern spielen, dann
werden ganze Sätze in seinem Langzeitgedächtnis
gespeichert.
Früh fördern heißt also möglichst
viel Futter fürs Gehirn?
Bewegung, Tanzen, Malen, Rollenspiele,
Musikmachen sind mindestens genau
so wichtig. Denn auch damit wird das
Gehirn stimuliert. Kinder, die frühzeitig
die Chance haben, sich kreativ auszuleben
und auszudrücken, werden sicherer,
selbstbewusster und glücklicher.
Und was ist mit normalen Spielen?
Memory, Puzzles, Würfel- und Brettspiele
sind wunderbar. Sie trainieren die
Konzentration, das Gedächtnis, das Zahlenverständnis
und - ganz wichtig - die soziale
Kompetenz. Abwarten können, Verlieren
lernen, all das sind wichtige Fähigkeiten,
um im Leben zurechtzukommen.
Kann frühes Fördern ein Kind auch
überfordern?
Nur wenn Eltern ihren eigenen Ehrgeiz
und ihr eigenes Tempo zum Maßstab nehmen.
Außerdem muss genug Zeit bleiben,
damit das Kind immer wieder Ruhe findet,
sich zurückziehen kann und aus dieser
Langeweile heraus kreativ wird. Aufpassen
sollten Eltern auch, dass die Förderung
eines Kindes nicht die Eltern selbst und die
Gesamtfamilie überfordert. Kreuz und quer
durch die ganze Stadt fahren, um zur musikalischen
Früherziehung zu kommen,
bedeutetet Stress für alle.








