Meinungssache

Unsere Kinder - alles kleine Tyrannen?

28. Mai 2008 Weiterleiten Drucken Bookmarks
Meinungssache: Unsere Kinder - alles kleine Tyrannen?
 © Lorraine Swanson - Fotolia.com

Der kleine Haustyrann ist der absolute Albtraum

Eltern sollten besser keine Buchhandlung mehr betreten. Jetzt müssen sie nicht mehr nur "Erziehungsnotstand" und "Pisa-Katastrophe" fürchten. Jetzt bekommen sie auch wieder vielfach vor Augen geführt, "Warum unsere Kinder Tyrannen werden". Glaubt man dem so betitelten Buch des Psychiaters Michael Winterhoff, geht das ganz schnell: Eltern, die lieber partnerschaftlich als hierarchisch erziehen, Großeltern, die ihre Enkelkinder auch mal verwöhnen, dazu ein Kindergarten, in dem die Kleinen selbst entscheiden dürfen, was sie spielen - mehr braucht es nicht, und schon ist er fertig: der kleine Haustyrann. Das ist ein wahrlich unsympathischer Zeitgenosse: egoistisch, unselbstständig, herrsch-süchtig, faul und zu allem Überdruss noch schadenfroh: Nichts bereitet dem kleinen Tyrannen nämlich mehr Freude, als seine Eltern zu quälen.

Kurz: Der kleine Haustyrann ist der absolute Albtraum. Was halt herauskommt, wenn man als Mutter oder Vater total versagt hat. Und genau deshalb sitzt die Angst vor ihm so tief. Wer will schon daran schuld sein, dass aus einem unschuldigen Säugling ein gewissenloses egozentrisches Monstrum wird?

Haustyrann unterm Hakenkreuz

Die Furcht, wir könnten Despoten an unserer Brust nähren, hat nicht Michael Winterhoff erfunden. Sie ist sehr alt. Und sehr deutsch. Niemand schürte sie so heftig und wirkungsvoll wie Frau Doktor Johanna Haarer. Die fünffache Mutter schrieb den Bestseller der deutschen Erziehungsliteratur schlechthin: "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind". 1934 erschienen prägte er die Erziehungsvorstellungen in Deutschland für Generationen.

Johanna Haarer propagierte den Vier-Stunden-Abstand beim Stillen und die gefürchteten acht Stunden Stillpause in der Nacht. Sie diffamierte das Tragen von Neugeborenen als "mühsames Herumschleppen", das rundweg abzulehnen sei und warnte inbrünstig davor, das Kind an Nähe und Fürsorge zu gewöhnen.


 
 
Kommentare zu diesem Artikel
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  • von lena am 8. März 2010, 00:32 Uhr

    Hallo an alle die Interesse bekunden!
    Diese Artikel und Bücher sollen die Meinungsfreiheit der Autoren darstellen, sich selber kann man Anregungen für das eigen Handeln holen, aber seien wir uns darüber im klaren wie lange diese Menschheit schon besteht und seit wann es möglich geworden ist sich Rat anderer einzuholen. Studien ,Gedanken und Ratgeber gibt es erst seit unsre Wohlstandsgesellschaft exestiert. Ein Kind zu bekommen löst in uns einen Uralten Instinkt aus, diesem sollten wir folgen!
    Liebe Grüße an alle Leser!


  • von magnus8. am 19. Januar 2010, 11:53 Uhr

    Unfassbar, diese "Rezension".

    Erklären kann ich mir sie, ebenso wie die Begeisterung, die hier in manchen Lesermeinungen zum Ausdruck kommt, nur damit: Frau Imlau hat das Buch nicht gelesen und auch andere beziehen sich nur auf Dinge, die sie vielleicht vom "Hörensagen" kennen.

    Insbesondere der Bezug auf das Buch von Frau Haarer ist völlig abseitig und in keiner Weise durch die Aussagen Herrn Winterhoffs gerechtfertigt.
    Wer Winterhoffs Bücher liest -die Wortwahl ist auch aus meiner Sicht teilweise überzogen-, wird merken, dass er mit manchen Positionen, die hier als "Kritik" verstanden werden, bei Winterhoff offene Türen einrennt.
    Und beispielsweise ein eindringliches Plädoyer für den Wert der Intuition in der Erziehung finden.

    Bevor ich Winterhoffs Bücher gelesen hatte, war ich sicher auch beeindruckbar durch die Besprechung hier. Genauso, wie mir Herrn Bergmanns Kritik nachvollziehbar erschien.
    Jetzt wundere ich mich nur über die Verdrehung von Tatsachen, die sich sowohl bei Frau Imlau wie Herrn Bergmann finden (gut, über letztere wundere ich mich weniger, seit ich Herrn Bergmanns Reaktionen auf den Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowsky bei "Maischberger" bestaunen konnte, insbesondere seine Ungehaltenheit über die von ihm so wahrgenommenen "deutschnationalen Reflexe" bei dem Berliner Bürgermeister).


  • von Gelöschter Benutzer am 20. Dezember 2009, 00:40 Uhr

    Dazu kann ich nur sagen: Ein fantastischer Artikel und *DANKE*!!!!

    Denn genau das empfinde ich auch so - und finde es irgendwie erschreckend, dass es so vielen Menschen gar nicht aufzufallen scheint, dass in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten sogar *meistens* auf einmal wieder "härtere Bandagen" in Sachen Erziehung gefordert werden. Ein Zufall ist das für mich keineswegs!!!

    Und gerade ihre eindeutige Stellungnahme zu dem Bild, dass in "Jedes Kind kann schlafenlernen" vom Baby als manipulativen kleinen Ungeheuer gemalt wird finde ich wohltuend

    Und: Ich habe mich vor kurzem auch mit einer Mitarbeiterin vom Jugendamt (eine Verwandte von mir) über die erschreckende Tendenz in der Gesellschaft und *gerade* von Seiten pädagogisch geschulter Menschen und Institutionen, Eltern ihre Erziehungsfähigkeit weitgehend abzusprechen.

    Und bei aller Dankbarkeit dafür, das ich als Alleinerziehende meinen Sohn jeden Tag in eine Kindergrupppe bringen kann in der er gut aufgehoben ist -ich frage mich doch auch, ob dieser "Hype" um die dringend benötigten Kindergarten-Ganztagsplätze für möglichst noch ganz kleine Kinder nicht auch ein kleines bisschen davon beeinflusst ist, dass immer mehr davon ausgegangen wird, dass es doch sowieso besser sei, wenn Kinder möglichst früh nicht mehr vorrangig von ihren Eltern erzogen werden weil die das ja nicht "gelernt" haben...

    Ich finde diese Tendenz erschreckend - wobei ich betonen möchte wie wichtig ich andererseits finde, das Kinder die Möglichkeit *haben* in Kindergärten zu gehen- einfach weil es mich dann doch wieder an die staatlich vereinheitlichte Erziehung sowohl im kommunistischen als auch nationalsozialistischen Regime erinnert.

    Meines Erachtens sind gut informierte Eltern die sich auf ihr Bauchgefühl verlassen immer noch die besten "Erzieher" ihres Kindes - und nein, ich persönlich glaube nicht, dass es einem Kind ganz normaler Eltern gut tut, wenn es ganztags in Kindergarten oder Schule muss weil es wirtschaftlich nicht anders geht.


  • von Stephanie Laplace am 1. November 2009, 13:47 Uhr

    Ich muss mich doch, genauso wie die letzten Kommentatoren Yvonne und joone sehr über die Zusammenfassung des Buches von Herrn Winterhoff wundern. Wie mir scheint, haben Sie dieses wirklich nicht richtig gelesen. ICh selbst halte nichts davon Kinder als Tyrannen oder Problemfälle zu titulieren, aber die Erziehung der letzten Jahre hat es für Lehrer und Erzieher nicht gerade einfach gemacht. Ich bin auch der Meinung, dass die These von Herrn Winterhoff, Kindern eine wirkliche Kindheit zu sichern und sie nicht in alle Diskussionen und Probleme der Eltern einzubeziehen, durchaus Berechtigung hat. Wir sollten Eltern sein und nicht Freunde oder Kumpel. Viele Dinge können Kinder nicht entscheiden. Und dazu gehört meiner Meinung nach auch nicht die freien Konzepte der Kindergärten, in denen schon dreijährige selbst entscheiden sollen wann sie mit wem essen wollen und in welche Kreativ- oder Spielgruppe sie gehen können. Vernünftige Regeln und Grenzen schaden Kindern nicht.


  • von joone am 20. Oktober 2009, 21:08 Uhr

    Die Meinung von yvonne am 10. Oktober 2009 unterstütze ich auch! Sehr schlauer Mann und ich danke ihn für das Buch. Ich bin Erzieherin und sehe jeden Tag wieviel Macht die Kinder haben!


(78 Kommentare)

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