- Welche Stärken hat ein Waldkindergarten?
- Für welche Kinder ist ein Waldkindergarten besonders geeignet?
- Können auch behinderte Kinder einen Waldkindergarten besuchen?
- Sind die Kinder jeden Tag draußen?
- Gibt es im Waldkindergarten auch Spielzeug wie Bagger, Bobbycar oder Puzzles?
- Wird in Waldkindergärten auch spielerisch auf die Schule vorbereitet?
- Kommt es im Wald häufiger zu Unfällen?
- Sind die Kinder immer an dem selben Ort im Wald?
- Benötigen die Erzieher eine besondere Ausbildung um eine Waldgruppe zu führen?
- Wie viel kostet ein Waldkindergartenplatz und wie lange sind die Betreuungszeiten?
- Weiter interessante Links zum Thema Waldkindergarten
Ihre Erfahrung interessiert uns!
Haben Sie auch ein Waldkindergarten-Kind? Ihre Erfahrungen interessieren uns - und helfen anderen Eltern weiter! Tragen Sie Ihre Meinung unten als Kommentar ein.









Hallo alle miteinander, ich bin begeistert vom Waldkindergarten. Meine 2 Söhne lieben es bei Wind und Wetter draußen zu spielen. Komentar von meinem großen Sohn (5 J.): "ich liebe den Regen, da kann ich so schön spielen...". Für Stadtkinder gibt es in meinen Augen nichts besseres. Heute wird leider viel zu wenig, so wie in unserer Kindheit, auf der Strasse zuhause gespielt. Bei uns wäre es auch lebensgefährlich - stark befahrene Strasse. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, gebt euren Kindern die Freiheit...
Hallo!
Waldkindergärten sind eine gute Sache:
die Kreativität der Kinder wird gefördert, sie sind die meiste Zeit an der frischen Luft und bekommen so nebenbei einen besonderen Bezug zur Natur.
Für alle im Raum Bamberg, die keinen Waldkindergarten in der Nähe haben oder wenn die Kinder bereits in der Schule sind, biete ich Waldkurse für Kinder an. Dabei gehen wir einmal wöchentlich in den Wald und machen Bewegungsspiele, basteln mit Naturmaterialien und lernen die Tiere und Pflanzen des Waldes näher kennen.
Mehr Infos auf der Homepage www.kleine-waldforscher.de
Viele Grüße
Carol Zirkel
Durch Zufall bin ich die Tage auf einen neuen Film über den Waldkindergarten gestolpert.
Er begleitet die Kinder ein Jahr lang im Wald. Mit all ihren Aktivitäten und Erlebnissen.
Da werden fast alle Fragen beantwortet, die man so als Eltern hat. Auch einige Zweifel werden zerstreut. Es kommen Eltern zu Wort, die auch über das Thema Dreck und Witterung erzählen. Ganz interessant fand ich das Interview mit den Lehrerinnen, die später die Kinder aus dem Wald in ihre Klassen bekommen. Die haben sich da sehr positiv geäußert.
Für jemanden, der sich über das Thema Waldkindergarten informieren möchte, kann ich den Film nur empfehlen.
Gibts auf DVD im Buchhandel. Ich hab ihn von Amazon.
Titel: Das Jahr im Waldkindergarten
ISBN: 9783981345438
Gruß Ingrid
Johanna ist ein richtiger Laubfrosch
Johanna, das 5. Kind in unserer Familie, ist seit Januar 2009, 6 Jahre alt und geht seit April 2008 in eine Waldkindergartengruppe im Kottenforst von Bonn- Bad Godesberg ( „ Laubfrösche“ eV; 19 Kinder werden hier von drei Pädagoginnen begleitet.)
Sie ist ein besonders fröhliches, zufriedenes, ausgeglichenes, neugieriges und auch bewegungsfreudiges Mädchen.
Wir leben als Großfamilie ( Oma und Opa wohnen nebenan ) mit zwei Isländer, einem Hund und Kaninchen auf einem winzig kleinem Dorf im Siebengebirge.
Mein Mann und ich sind der Ansicht, dass jedes Kind ( ob mit oder ohne Förderbedarf ) so viel Zeit wie möglich zu Hause verbringen sollte, da die Eltern das vermitteln, was ihnen am Herzen liegt. Wir finden, dass die wichtigste Voraussetzung fürs Leben im Erlernen aus den alltäglichen Situationen und Arbeiten resultiert.
Uns ist es wichtig, dass Johanna ein besonders guten Umgang mit allen Familienmitgliedern lernt und somit auch ein gutes Benehmen übt. Das Leben mit Alt und Jung, mit Tieren und das Arbeiten im Haus und Draußen, das Vermitteln unseres Glaubens, unserer Lebenseinstellung und der Natur sind wichtige Vorraussetzungen, um später in der Gesellschaft zurechtzukommen und selbstbewusst zu leben. Aus dieser pädagogischen Sicht heraus, Johanna liebevoll und konsequent zu erziehen, brauchen wir viel Zeit mit ihr und deshalb suchten wir einen normalen Kindergartenplatz bis zur Mittagszeit. Natürlich war uns bei der Suche auch die pädagogische Umsetzung und der Kindergartenalltag besonders wichtig, damit unsere Erziehung positiv ergänzt wird.
Leider machten wir einige negative Erfahrungen; wie z.B. immer noch die Scheu, es einfach einmal mit einem Down Syndrom- Kind zu versuchen. Genauso traurig war es, dass mit dem neuen Kita-Gesetz Johanna plötzlich einige haben wollten, da es ab dem Zeitpunkt lukrativer ist, ein Kind mit Behinderung aufzunehmen.
Als wir dann zwei Pädagoginnen einer Spielgruppe fanden, war es schön zu erleben, wie selbstverständlich und unvoreingenommen sie auf Johanna zugingen und sie aufnahmen. Diese Erfahrung zeigte uns, dass man nicht so schnell aufgeben sollte und immer zuversichtlich bleiben muss.
Mit neuer Hoffnung suchten wir weiter nach einem Kiga-Platz und mit Glück kamen wir auf den Waldkiga in Bonn. Schon im ersten Kontakt verlief das Gespräch mit der leitenden (Sozial-)Waldpädagogin optimal. Nach einem Infoabend und noch einigen guten Gesprächen, waren wir sicher, dass dieser Kiga, die Waldpädagogik und vor allem auch die Pädagogin mit ihrer besonderen Einstellung und Art für Johanna passt. Es freute uns sehr, dass die leitende Pädagogin mit ihrer sehr positiven, offenen Bereitschaft Johanna ganz unkompliziert integrieren wollte.
Natürlich kamen insbesondere bei mir in bezug auf das Zutrauen Fragen auf:
Kann Johanna mit der Gruppe mitkommen, da sie sich unterwegs oft hinsetzte und sie nicht mehr laufen wollte
( sie war noch kein Meter groß )? Bleibt sie bei der Gruppe, weil sie vor dem Kiga gerne weglief? Wird sie mit den Gefahren genauso lernen umzugehen wie die anderen Kinder? Wird es ihr im Winter nicht zu kalt, da sie gerne auf dem Boden liegt ? Mein Mann hatte dies bezüglich keine Bedenken, weshalb es mir leichter fiel diese Integration einfach zu wagen.
Mir wurde die Möglichkeit geboten, lange Zeit mitzugehen, damit ich Zutrauen, Vertrauen und ein sicheres Gefühl entwickeln konnte. Die Pädagoginnen sind sehr offen dafür, dass Eltern auch den Lebensraum Kiga kennen lernen sollten, um Vertrauen und ein gutes Gefühl zu entwickeln.
Die Eingewöhnungsphase verlief super gut. Johanna konnte trotz turbulenten Endphase des Kiga-jahres verbunden mit langen Wegstrecken und vielen Spezialaktionen gut mithalten. Johanna ging es sehr gut damit und war mittags zwar sehr müde, aber überaus glücklich und schlief oft drei Stunden. Ich war allerdings auch unglaublich müde und schlief gleich mit. Katrin, die leitende Pädagogin, sagte uns, dass es normal sei und der Körper einige Zeit braucht, um sich umzustellen. Dem war auch so, denn heute schläft Johanna auf der Rückfahrt nur selten ein.
Erst als sie nach den Sommerferien alleine blieb, profitierte sie richtig aus dem neugewonnenen Lebensbereich und der sehr ausgeglichenen Waldgruppe (mit vielen Dreijährigen ). Bis zu fünf Stunden immer draußen, lernte Johanna von dem, was die Natur bietet und aus dem phantasievollen Spiel mit den Kindern sagenhaft schnell und machte außerordentliche Fortschritte. Sie bewegte sich bald viel leichter und beschwingter; ihr Lauf wurde schnell hüpfend so wie bei allen kleinen Kindern und damit kam sie gut über jede Wurzel und Unebenheit. Sie wurde immer sicherer im Poporutschen, um einen steilen Hügel hinunterzukommen und auch entwickelte sie einen Trippelgang, um kleine Abhänge zu bewältigen. Johanna machte einfach immer alles nach und übte sich auch so im Balancieren auf Baumstämmen. Irgendwann sagte Katrin, dass Johanna alles mitmacht genauso wie die Anderen. Heute war die Gruppe an einem Kletterbaum und Johanna kletterte genauso nach Herzenslust mit.
Besonders schön ist es zu beobachten, wie selbstständig sie geworden ist und sich organisieren kann. Durch das besondere pädagogische Konzept kann Johanna sich im Rahmen von Ordnung, Grenzen und Ritualen, aber auch einem großen spielerischen Freiraum sehr sicher fühlen und sich mit ihrer Eigenständigkeit einfügen; z.B. sorgt jedes Kind für seinen mit einer Isomatte und dem Frühstück gefüllten Rucksack selbst. Am Frühstücksplatz angekommen, legen alle Kinder ihre Isomatte zu einem Kreis zusammen und den Rucksack mit den restlichen Dingen dahinter. Nach einem Toilettengang und Händewaschen packen die Kinder ihr Frühstück auf ein Set aus. Johanna machte es sehr schnell selbstständig mit. Das gemeinsame Frühstück fördert auch das Zusammengehörigkeitsgefühl und Johanna fühlt sich mitten drin.
Die Waldkinder entwickeln ein ganz tiefes Zugehörigkeitsgefühl und bleiben deshalb in der Regel bei der Gruppe; das kommt Johanna natürlich zugute.
Im Lebensbereich Wald haben die Kinder eine große Freiheit, im phantasievollem Spiel sich selbst zu entdecken, sich zu entfalten und untereinander einen sehr intensiven Kontakt im Spiel zu finden. Aber auch können die Kinder einen abgeschiedenen Raum für sich finden, um alleine in ihrem Spiel oder mit der jeweiligen Arbeit zu sein. Johanna nutzt diese Möglichkeit insbesondere morgens; um anzukommen liegt sie erst einmal der Länge nach auf dem Boden und erlebt sich im persönlichen Spiel oder beobachtet die Anderen bis sie sich wieder zu den Kinder gesellt. Es ist schön, dass sie im Wald auch diese Ruhe hat, denn der Geräuschpegel ist hier natürlich nicht so belastend wie im Haus-kiga.
Johanna spielte schon immer intensive Rollenspiele. Deshalb kommt ihr die Waldpädagogik zugute, da sie dort mit noch mehr Ideen und Anregungen ein Spiel ausleben kann; vor allem konnte sie beim Märchenspiel in verschiedene Rollen schlüpfen. Im Tun z.B. eine Hütte für das Rotkäppchen und eine Hütte für die Großmutter zubauen erlebt sie diese Rollen besonders intensiv. Auch nimmt sie ein Holzstück als Baby; das Baby weint und sie tröstet es und umsorgt es.
„Ohne intensives Spielen, welches den ganzen Körper beansprucht, verschafft sich das Kind nicht das Ausmaß an Sinneswahrnehmungen, das notwendig ist, um das Gehirn in seiner Gesamtheit zu entwickeln.“( von Jean Ayres )
Der Kiga-Tag ist mit richtiger Arbeit durchzogen. Johanna erlebt durch die echte Arbeit, das sie helfen kann und gebraucht wird. Sie half z.B. einem Mädchen beim Einpacken ihres Rucksacks und war unglaublich eifrig dabei. Im Waldkiga wird auf Erfahrungen im Rahmen natürlicher Lernprozesse gesetzt, die sich aus der Notwendigkeit der Arbeit ergeben, die in einem Kindergarten anfallen, wenn man ihn konsequent als Lebensraum zulässt. Daraus lernt Johanna lebenspraktische Erfordernisse, aus der sie ihr Leben lang Nutzen zieht.
Die Konzeption des Waldkiga fördert die Eigenverantwortlichkeit und Lernen in ganzheitlichen Zusammenhängen ( vor allem entdeckendes Lernen ). Weil Johanna besonders neugierig ist, wirkt sich diese Pädagogik positiv auf sie aus. Letzte Woche erzählte mir Katrin, dass Johanna sogar noch intensiver als andere ihrem Forscherdrang nachging und mit der Lupe gespannt und konzentriert die eingepflanzten Maiglöckchen beobachtete.
Es ist schon unglaublich wie sich ihr neuer Lebensraum auf ihre Entwicklung ausgewirkt hat. Ihre Therapeutinnen sind begeistert. ( einmal pro Woche hat sie eine ganzheitliche Therapie; KG, Ergo und Logo mit heilpädagogischen Ansatz ).Es entstand ein riesiger Rattenschwanz von Lerneffekten. Das unwillkürliche Anregen der Grobmotorik verbesserte gleichzeitig die Feinmotorik; Johanna zog sich im Winter vier Schichten Wollwäsche oben wie unten alleine an ( wohlbemerkt um 6.30 h früh ). Auch in ihrer gesprochenen Sprache machte sie riesengroße Sprünge; im Moment kommt sie jeden Tag mit neuen Wörter oder Ausdrucksweisen nach Hause.
Lernen heißt die Welt begreifen. Durch das be-greifen und er-fassen macht Johanna unmittelbare sinnliche Erfahrungen, die sie immer ein Stück weiter bringen ohne diese Erfahrungen mit viel Mühe künstlich herbeizurufen.
„ Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entzündet werden wollen.“ ( von Rabelais )
Das war schon mit unseren ersten Kindern, die erwachsen sind, unsere Lebenseinstellung und deshalb sind wir natürlich besonders glücklich und haben eine enorme Wertschätzung für diese natürliche und erfolgreiche Integration.
Vor allem geht Johanna freudig in den Wald und kommt müde und zufrieden wieder heraus. Das ist doch der beste Beweis : Es geht ihr dort gut !
Meine Bedenken lösten sich in Luft auf und wandelten sich in vollstes Vertrauen.
Gerade haben wir die Bewilligung zur Zurückstellung von der Schule erhalten und freuen uns darüber, dass sie noch ein Jahr im Waldkiga genießen kann.
Ohne unser Zutrauen Johanna gegenüber hätte sie nie diese Chance gehabt.
Wir möchten an dieser Stelle alle Eltern ermuntern : „ Traut euren Kindern immer mehr zu als ihr denkt was sie schaffen können, denn dann tun sie Dinge, die man nie für möglich gehalten hätte !“
Wir waren ermuntert durch den Erfahrungsbericht von Jonathan, der auf Föhr den Naturkindergarten besuchte, diesen Schritt zu machen.
Geschrieben von Johannas Mama, Martina Jungbluth.
Gerne können Sie Näheres erfahren :
Familie Jungbluth
Hallo Frau Fritz,
wenn ich es dem Text richtig entnommen habe, leitet Frau Großmann eine Waldgruppe, integriert in einen Regelkindergarten.
Einige Unterschiede werden viele Waldkindergärten im Vergleich zu Ihrem Artikel aufweisen können.
Zum einem haben viele einen festen Standort im Wald, oft eine Hütte oder ein Bauwagen. Hier findet Material Platz u.a. für die Vorschulerziehung. Es wird bei uns gemalt, gebastelt, geschrieben etc. Eine pauschale Aussage, das im Wald solche Tätigkeiten nicht stattfinden, halte ich für eine falsche Darstellung.
Wichtig für Eltern, die mit dem Gedanken spielen ihr Kind in einem Waldkindergarten anzumelden: Besuchen Sie die Einrichtung und stellen Sie alle Fragen, die Sie auf dem herzen haben.
Schön, das die besondere Form Waldkindergarten positiv bewertet wird. Haben Sie Dank für Ihren Artikel.
MfG
Petra Göttlicher
Schriftführerin
www.waldkindergarten-wiesenttal.de
(5 Kommentare)