Adoptionen
Der etwas andere Weg zum Wunschkind

Ein Wunschkind durch Adoption? Der Weg dorthin ist nicht leicht. Doch wer sich sicher ist, auch einem nicht leiblichen Kind ein liebevolles zu Hause geben zu können, wird am Ende belohnt. Hier finden Interessierte Informationen zu den Phasen einer Adoption und wichtige Kontaktstellen.

Adoption: Der etwas andere Weg zum Wunschkind
© Thinkstock, dolgachov
Inhalt: 
Die BewerbungDas WartenDer AnrufDie HerkunftsfamilieCheckliste: Sind Sie bereit für ein Adoptivkind?Wer kann weiterhelfen?

Die Ernüchterung

Viele Paare, die überlegen, ein Kind zu adoptieren, gehen nach dem ersten Gespräch im Jugendamt frustriert nach Hause. Die Chancen auf eine Adoption seien denkbar schlecht, hören sie dort, erst recht, wenn man älter als 35 ist. Tatsächlich gibt es in Deutschland viel mehr Adoptionsbewerber als Kinder, die zur Adoption freigegeben werden. Dies gilt besonders für Babys. Rein rechnerisch kommen auf ein Kind zehn mögliche Adoptiveltern. Wartezeiten von drei bis fünf Jahren sind nicht selten.

Die Bewerbung

Für innerdeutsche Adoptionen sind in Deutschland die Vermittlungsstellen der Jugendämter, aber auch freie Träger wie der Caritasverband oder das Diakonische Werk zuständig. Überall müssen die zukünftigen Adoptiveltern ein aufwendiges Bewerbungsverfahren durchlaufen. Zunächst müssen sie einige formale Voraussetzungen erfüllen, z. B. seit mindestens zwei Jahren verheiratet sein, ein gesichertes Einkommen nachweisen und eine Wohnung, die groß genug ist für drei. Führungs- und Gesundheitszeugnisse müssen ebenso vorgelegt werden wie ausführliche Lebensberichte. Je nach Vermittlungsstelle stehen unterschiedlich viele Gespräche und Hausbesuche an.

Das Warten

Nachdem das Jugendamt die Bewerbung angenommen hat, beginnt das große Warten. In dieser Zeit bieten viele Vermittlungsstellen so genannte Eltern-Trainings an. Dort wird über die Besonderheiten einer Adoptivfamilie gesprochen, über den Schmerz der abgebenden Mutter, über Probleme mit Jugendlichen, die auf der Suche nach ihrem biologischen Ursprung sind und über die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, das Kind über seine Herkunft aufzuklären.

Der Anruf

Keine Vermittlungsstelle geht bei der Adoptionsvermittlung streng nach Warteliste vor. Wichtig ist den Behörden vor allem, die passenden Eltern für ein Kind zu finden, nicht das passende Kind für die Eltern. Wenn ein Paar für ein Kind besonders geeignet scheint (weil es zum Beispiel bereit ist, ein behindertes Baby oder ein älteres Kind aufzunehmen), kann es passieren, dass sich das Jugendamt schon nach wenigen Monaten meldet. Wenn es schlecht läuft (z. B. weil sich die Bewerber die Aufnahme eines bestimmten Kindes nicht zutrauen und es ablehnen), kann es aber auch mehrere Jahre dauern. Eines ist jedoch klar: Die Nachricht vom Jugendamt ist für alle Bewerber wie ein Schock. Alles geht plötzlich ganz schnell: Oft zieht das Kind schon wenige Tage später zu seinen neuen Eltern. Familie von Null auf hundert. Eine Situation, in der sich erstmal alle zurecht finden müssen. Das Kind ebenso wie die Eltern. Aber auch die frischgebackenen Großeltern und die Freunde der Adoptivfamilie.

Die Herkunftsfamilie

Inkognito-Adoptionen (bei denen die leiblichen Eltern anonym bleiben) gibt es bei uns kaum noch. Ausnahmen gibt es lediglich bei Kindern, die anonym zur Welt gebracht oder in eine Babyklappe gelegt wurden. Die meisten (nicht-familiären) Adoptionen in Deutschland sind „halboffen“. Das heißt, ein direkter Kontakt zwischen leiblichen und Adoptiveltern findet nicht statt, dafür aber ein indirekter über das Jugendamt. Die leibliche Mutter kann dort nachfragen, wie es ihrem Kind geht, und darf auch Fotos dort lassen bzw. Geschenke zum Geburtstag abgeben. Ab 16 Jahren dürfen die adoptierten Kinder beim Jugendamt ihre Abstammungsurkunde einsehen. Die Vermittlungsstelle ist dann dabei behilflich, die Eltern zu finden und einen Kontakt herzustellen. Dass die Herkunft des Kindes in der Adoptivfamilie nicht verleugnet wird, ist inzwischen ein sehr großes Anliegen der Vermittlungsstellen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sehr viele Adoptivkinder in eine tiefe Identitätskrise geraten, wenn sie erst als Jugendliche bzw. Erwachsene erfahren, dass die Eltern nicht die leiblichen sind.

Checkliste: Sind Sie bereit für ein Adoptivkind?

  • Haben Sie mit dem Wunsch nach einem leiblichen Kind wirklich abgeschlossen?
  • Sind Sie bereit, viel Zeit zu investieren und beruflich zurückzustecken?
  • Sind Sie bereit, sich vorbehaltlos auf die möglicherweise schwierige Vorgeschichte Ihres Adoptivkinds einzulassen?
  • Können Sie ertragen, dass Ihr Kind vielleicht eines Tages den Kontakt mit seinen leiblichen Eltern aufnehmen möchte?
  • Fühlen Sie und Ihr Partner sich auch ohne Kind miteinander wohl?
  • Wollen Sie beide die Adoption?
  • Sind Sie bereit, im Freundeskreis, in der Verwandtschaft, im Kindergarten offen mit Ihrem Familienverhältnis umzugehen?
  • Sind Sie bereit, Ihrem Kind schon im Alter von drei, vier Jahren offen und ehrlich auf mögliche Fragen nach seiner Herkunft zu antworten?

Wer kann weiterhelfen?

Inlandsadoption
Für die Beratung und Vermittlung sind in Deutschland die Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter zuständig, aber auch freie Träger wie der Caritasverband oder das Diakonische Werk. Paare können sich übrigens bei mehreren Jugendämtern gleichzeitig bewerben.

Auslandsadoption
Bei Interesse an einer Auslandsadoption wendet man sich ebenfalls an die Jugendämter, aber auch an spezialisierte Vermittlungsstellen in freier Trägerschaft. Über seriöse Anbieter informiert die Bundeszentrale für Auslandsadoption, Adenauerallee 99–103, 53113 Bonn, Homepage der Bundeszentrale für Auslandsadoption

Beratung und andere Adoptiveltern
Eine gute Adresse ist auch der Bundesverband der Pflege- und Adoptiveltern in Frankfurt, Am Stockborn 5-7,60439 Frankfurt/Main, Tel. 0 69/9 79 86 70.
Unter www.pfad-bv.de findet man viele hilfreiche Informationen, weiterführende Links und Adressen. Der PFAD hat im ganzen Bundesgebiet Ortsgruppen. Durch sie kann man Kontakt knüpfen zu Paaren, die bereits Kinder adoptiert haben.

Von:Christiane Börger, Oliver Steinbach