Auslandsadoption

Ein Kind aus einem armen Land "retten"?

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Auslandsadoption: Ein Kind aus einem armen Land "retten"?

Adoption als Blitzaktion

Heftige Kritik hagelte es bereits vor drei Jahren für Superstar Madonna, die in Malawi einen kleinen Jungen adoptierte. Denn es stellte sich nicht nur heraus, dass dessen Vater noch lebte. Auch wurden Zweifel laut an der Eile, in der das Adoptionsverfahren über die Bühne ging. Eine Halbwaise, die von einer prominenten Frau in der Vierzigern in einer Blitzaktion seinen Wurzel entrissen wird, ein Vater, der sein Kind in der Hoffnung auf ein besseres Leben Fremden übergibt - solche Geschichten lieben die Medien. Doch: Kritik an Auslandsadoptionen, vor allem denen, die an den staatlich anerkannten Vermittlungsstellen vorbei laufen, gibt es nicht erst, seitdem Promi-Adoptionen in den bunten Blättern abgefeiert werden.

Kinder werden "adoptionsfähig" gemacht, obwohl sie es gar nicht sind

Das Kinderhilfswerk terre des hommes weist seit Jahren unermüdlich darauf hin, dass vor allem Privatadoptionen im Ausland die Gefahr für illegale Kinderbeschaffung erhöhen. Denn es gibt einfach ein Missverhältnis zwischen "Nachfrage und Angebot", also eine deutlich höhere Zahl an adoptionswilligen Paaren gegenüber den tatsächlich in Waisenhäusern lebenden Säuglingen und Babys. Aber Adoptionen bringen Geld in die zumeist armen Länder - und locken dazu, Kinder "adoptionsfähig" zu machen, die es eigentlich gar nicht sind.

Leibliche Eltern hoffen auf ein besseres Leben für ihre Kinder

In einer vergangenes Jahr veröffentlichten Studie sprechen Psychologen der Universität Liverpool von dem "Madonna-Effekt": Medienwirksame Adoptionen wie die der US-Sängerin führten dazu, dass Eltern ihre Kinder in Waisenhäusern abgeben würden - in der Hoffnung, dass auch sie durch eine Auslandsadoption zu einem besseren Leben kommen würden. Die Wissenschaftler werteten Daten aus Waisenhäusern in 25 Ländern aus und fanden heraus: 96 Prozent der dort lebenden Kinder waren nur Halbwaisen. Und: Privatadoptionen erhöhen auch das Risiko für Entführung, Kauf und Urkundenfälschungen.

Steigt die Zahl der Auslandsadoptionen?

Weil man in den vergangenen Jahren so viel über Auslandsadoptionen von Prominenten wie Angelina Jolie und Brad Pitt, Nicole Kidman oder Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder gelesen hat, drängt sich der Eindruck auf, dass es hier einen Trend gibt. Stimmt der Eindruck für Deutschland? Jein. Im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren ist die Zahl der Adoptionen von im Ausland lebenden Kindern tatsächlich gestiegen. 2001 und 2002 hingegen lagen die Zahlen noch höher: 2002 wurden 960 Kinder aus dem Ausland adoptiert, 2007 waren es 709 Kinder.

Wo liegt der Unterschied zwischen Auslandsadoptionen und Privatadoption?

Was sich in diesen Statistiken nicht widerspiegelt, ist der Zahl der Privatadoptionen. Keine Angaben möglich, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Aber Experten vermuten, dass etwa ein Viertel bis ein Drittel der Auslandsadoptionen auf privatem Wege ablaufen. Bei Privatadoptionen stellen die adoptionswilligen Paare oder Personen keinen Antrag bei einer der staatlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen, sondern wenden sich an private Kontakte, die sie häufig über Mund zu Mund Propaganda, etwa in Chatrooms, finden.

Privatadoptionen gehen schneller und das Alter der Eltern spielt kaum eine Rolle

Im Gegensatz zu dem von vielen Paaren als sehr nervenaufreibend empfundenen Weg über die Behörden, hat die Privatadoption vermeintliche Vorteile: Die Paare müssen keine "Eignungsüberprüfung" durchlaufen, das Alter der Partner spielt kaum eine Rolle - und es geht schneller. Dass dieser Weg in Deutschland überhaupt möglich ist, bezeichnet Dr. Bernd Wacker, bei terre des hommes zuständig für Fragen der Auslandsadoption und des internationalen Kinderhandels, als Skandal. Gerade dieser Form von Adoption habe man in Deutschland mit dem neuen Adoptionsvermittlungsgesetz von 2002 eigentlich einen Riegel vorschieben wollen.

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Kommentare zu diesem Artikel
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  • von Mark am 8. Mai 2012, 14:03 Uhr

    hm,
    ist das also noch erlaubt mit den privat adoptionen?
    Weil wir wollten auch adoptieren und da meine Frau bereits 43 und ich 37 bin macht man uns nicht alzu viel Hoffnung. Weiter ist meine Frau Diab. Stufe 1. Was es auch net leichter macht. Wenn ich nun 4 Jahre warten soll!!! Dann sind wir ja noch älter!!! wie lange dauert dann so was mit ner privat Adoption? weiß da jemand was?


  • von Jenn am 18. April 2012, 17:38 Uhr

    Ja, großartig! Herr Wacker hält Privatadoption für einen Skandal, und ich stimme ihm zu, dass es da sicher viele Fälle gibt, wo das Wohl des Kindes nicht im Vordergrund stand (auch wenn es den Kindern damit sicher nicht schlecht geht), aber Herr Wacker vergißt geflissentlich, dass es die deutschen Behörden sind, die mit ihrer Bürokratie und Paragraphenreiterei adoptionswillige Eltern dazu treiben, diese halbseidenen Wege einzuschlagen. Jahrelange Wartezeiten und dann die Aussage "aber jetzt sind sie zu alt" sind etwas, für das ein adotptionswilliges Paar um die 40 kein Verständnis hat, auch wenn es lieber den offiziellen Weg gehen würde - zum Wohl der Kinder. DAS dürfte Herr Wacker gerne mal als Skandal bezeichnen.
    Leider machen wir in Deutschland lieber noch ein paar Verbote mehr, als dass wir uns überlegen, wie wir zum Wohle aller die Bürokratie einschränken können.


  • von Ulrike Richter am 10. November 2011, 21:23 Uhr

    Es gibt Länder, in denen täglich Müllhalden nach "entsorgten" Babys abgesucht werden, die dann in den ohnehin schon überfüllten Kinderheimen untergebracht werden. Und angeblich kommen jeden Tag zahlreiche neue hinzu. Die Mütter oder andere Familienmitglieder sind nicht mehr nachvollziehbar.
    Wenn diese Kleinkinder, egal wohin auf der Welt, so schnell wie möglich in Familien kommen, die sie versorgen können, ist das für die Kinder das beste. Und wenn die Kinder noch klein sind, ist die Umgewöhnung auch nicht so krass.


  • von Bettina am 14. Juli 2011, 10:10 Uhr

    Hallo zusammen, ich selbst schreibe auf einer Seite www.kinderwunsch-aktuell.de zum Thema unerfüllter Kinderwunsch. Ich weiß selbst sehr genau, wie Frauen unter ihrer Kinderlosigkeit leiden und wie schrecklich es für sie ist, aber ein Kind "unfreiwillig" seinen Wurzeln zu entreißen ist nicht der richtige Weg. Vielen Dank für diesen Artikel!!


  • von Lisa am 26. April 2011, 04:25 Uhr

    Ich bin Mutter von drei Söhnen im Alter zwischen fast 18 und 28 Jahren. Mein jüngster Sohn lebt noch bei mir. Leider darf ich mit meinen 47 Jahren als geschiedene Frau in Deutschland kein Kind adoptieren. Gerne würde ich auch ein größeres Kind aufnehmen, das Geschlecht wäre mir ebenfalls egal.
    Auch vor dem Hintergrund der hohen Akzeptanz von Abtreibungen in unserer Gesellschaft, sowie dem rücksichtslosen Umgang mit unseren Kindern und Jugendlichen, kann ich nicht verstehen, weshalb ich nicht geeignet sein sollte, ein weiteres Kind in sein Erwachsenenleben hinein zu begleiten. Ich meine, dass zumindest das adoptionsfähige Alter analog zum Rentenalter nach oben hin verschoben werden sollte. Kein Wunder, dass sich viele im Ausland nach einer privaten Adoptionsmöglichkeit umsehen.


(11 Kommentare)

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