Chlamydien
Eine Infektion gefährdet den Babywunsch

Häufig ist sie die Ursache für Unfruchtbarkeit bei Frauen: eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydia Trachomatis. Jetzt übernehmen endlich die Krankenkassen für Frauen unter 25 Jahren eine jährliche Untersuchung. Hier erfahren Sie mehr über die tückische Krankheit.

Chlamydien - was ist das für eine Krankheit?

Chlamydia trachomatis, wie die bakterielle Infektion wissenschaftlich genannt wird, gehört zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten der Welt. Etwa die Hälfte aller Sterilitätsfälle geht auf eine oft jahrelang verschleppte Infektion zurück. Allein in Deutschland wird die Zahl der Betroffenen auf rund eine Million geschätzt. Eine Umfrage der "Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau" unter Jugendlichen ergab, dass 83 Prozent der Befragten noch nie von der Krankheit gehört hatten - eine Unwissenheit mit verheerenden Folgen.

Denn die Zahl der Infizierten steigt rapide an - in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Drittel. Etwa zehn Prozent der über 14-jährigen Jugendlichen sind bereits betroffen. Das besonders Heimtückische: 80 Prozent der infizierten Frauen und 50 Prozent der Männer sind symptomlos.

Wie kann ich mich anstecken?

Wie die Geschlechtskrankheiten, sind auch Chlamydien primär durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragbar. Doch auch beim Petting oder beim Oralsex kann man sich anstecken. Sogar Schwangere können die Infektion an ihr Kind weitergeben. Die Bakterien können oft jahrelang "überwintern" und immer wieder von neuem aufflackern. Symptome treten, wenn überhaupt, ein bis drei Wochen nach Ansteckung, viele Monate später oder, wie in den meisten Fällen, überhaupt nicht auf. Mögliche Anzeichen für die Erkrankung sind bei Männern Brennen beim Wasser lassen, bei Frauen vermehrter Ausfluss, Unterleibsschmerzen oder Zwischenblutungen.

Welche Folgen hat die Infektion für Männer und Frauen?

Möglich: Eine Allergie gegen die Bakterien

Wird die Infektion jedoch nicht frühzeitig erkannt, können die Folgen schwerwiegend sein: Durch die Krankheit bilden sich spinnwebenähnliche Verwachsungen im Unterleib, die die Organe verkleben, Entzündungen, chronische Unterleibsschmerzen und eben oft auch Sterilität bewirken.

Sind die Eileiter verklebt, gelangen die Eier von den Eileitern nicht mehr in die Gebärmutter. Doch auch wenn die Eileiter durchgängig bleiben, sind sie oft durch die Infektion und die Vernarbungen im mikroskopischen Bereich so geschädigt, dass sie ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen können. Betroffene Frauen können so auf natürlichem Wege keine Kinder mehr bekommen, ihnen bleibt meist nur die In-vitro-Fertilisation (IVF): Dabei werden Eier aus den Eierstöcken entnommen, im Reagenzglas befruchtet und dann künstlich in die Gebärmutter eingesetzt.

Bei Männern kann die Krankheit zu Nebenhoden- und Prostataentzündungen oder Harnröhrenverengung führen. In seltenen Fällen können Gelenk- oder Augenentzündungen auftreten.

Eine weitere Folge der Chlamydieninfektion hat erst in jüngerer Zeit größere Beachtung gefunden: Wird eine solche Infektion nicht adäquat mit Antibiotika behandelt, so entwickelt der Körper häufig eine Art "Allergie" gegen bestimmte Oberflächenstrukturen der Bakterien. Ob eine solche "Allergie" vorliegt, lässt sich nur durch die Bestimmung der so genannten chlamydialen Hitzeschockproteine beziehungsweise der Antikörper herausfinden. Liegt eine Allergie vor, kann es auch nach einer akuten Chlamydieninfektion zu Problemen kommen - etwa rheumatischen Erkrankungen. Auch das Risiko für Früh- oder sogar Fehlgeburten steigt. Über die Behandlung einer solchen "Allergie" herrscht noch keine Einigkeit. Viele Ärzte befürworten jedoch eine mehrwöchige Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten, also Cortison. Vor der Behandlung muss jedoch sichergestellt werden, dass keine akute Infektion mehr vorliegt.

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