Künstliche Befruchtung
Was zahlt die Kasse, wo unterstützt der Staat?

Wenn es einfach nicht klappt mit dem Baby, versuchen Paare mit Kinderwunsch es nach einiger Zeit häufig mit einer künstlichen Befruchtung. Das kann aber teuer werden. Wir erklären, wieviel die Kassen übernehmen und wann Bund und Länder einspringen. Neu: Auch unverheiratete Paare können in den Genuss der finanziellen Unterstützung kommen.

Künstliche Befruchtung: Was zahlt die Kasse, wo unterstützt der Staat?
© Thinkstock
Inhalt: 
Finanzielle Herausforderung KinderwunschbehandlungNeue Förderung für unverheiratete PaareKrankenkassen zahlen weiter nur für VerheirateteFörderung nur in bestimmten Bundesländern möglichWie hoch ist die Förderung?Einige Kassen zahlen mehr Noch mehr zum Thema Kinderwunschbehandlung

Finanzielle Herausforderung Kinderwunschbehandlung

Finanzielle Herausforderung Kinderwunschbehandlung
Bei einer künstlichen Befruchtung (z.B. IVF oder ICSI) übernehmen die Krankenkassen maximal die Hälfte der Behandlungskosten – und auch das nur unter strengen Auflagen: Ist das Paar verheiratet, die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre alt, gewähren die Krankenkassen eine Zuzahlung für bis zu drei Versuche. Dennoch rollt auf die kinderlosen Paare eine wahre Kostenlawine zu: Eine Kinderwunschhandlung kostet im Schnitt rund 3.000 Euro. Pro Versuch zahlen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch rund  2.000 Euro. Nicht selten sind drei bis vier Versuche nötig, bis die Frau schwanger wird. Das macht locker 6.000 bis 10.000 Euro.

Privat versicherte Paare, sollten sich bei Ihrer Krankenkasse nach den Voraussetzungen für eine Kostenübernahme erkundigen. Wie viel Prozent der Behandlungskosten übernommen werden, ist sehr unterschiedlich.
Seit der Kürzung der Zuzahlung in 2004 hat sich die Zahl der Geburten nach einer künstlichen Befruchtung durch In-vitro-Fertilisation (IVF) oder eine Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) mehr als halbiert. Sie fiel von 17.000 auf 8.000 Geburten jährlich.
Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind gut 1,5 Millionen Frauen ungewollt kinderlos - viele davon, weil sie die Kosten für eine künstliche Befruchtung schlicht und einfach nicht bezahlen können.

Neue Förderung für unverheiratete Paare

Neue Förderung für unverheiratete Paare
Das Bundesfamilienministerium will nun die Zahl der Geburten nach einer künstlichen Befruchtung steigern. Seit Januar 2016 können auch unverheiratete Paare finanziell unterstützt werden, wenn sie mit Hilfe der Reproduktionsmedizin schwanger werden wollen. Dazu wurde die  Bundesförderrichtlinie zur "Unterstützung von Maßnahmen der assistierten Reproduktion" geändert, so gab Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig bekannt. 
"Der Kinderwunsch von Eltern darf nicht am Geld scheitern. Deshalb müssen wir Paare mit unerfülltem Kinderwunsch unterstützen - egal, ob sie verheiratet sind oder nicht. Es ist nicht mehr zeitgemäß, unverheiratete Paare mit unerfülltem Kinderwunsch anders zu behandeln als Verheiratete. Deshalb öffne ich die Richtlinie, damit auch Paare, die ohne Trauschein leben, Unterstützung erhalten können", erklärte Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Krankenkassen zahlen weiter nur für Verheiratete

Krankenkassen zahlen weiter nur für Verheiratete
Die neue staatliche Unterstüzung ist für unverheiratete Kinderwunschpaare zwar eine Hilfe. Einen größeren Effekt auf die Geburtenstatistik hätte allerdings eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Eine solche ist auch künftig nicht in Sicht. Die Familienministerin kritisierte die Ungleichbehandlung von verheirateten und unverheirateten Paaren. Es sei ungerecht, so Manuela Schwesig, dass die Behandlungskosten größtenteils von den Paaren selbst getragen werden müssen. "Für viele sind die Kosten nicht zu finanzieren. Deshalb müssten diese von den Krankenkassen übernommen werden. Solange dies nicht der Fall ist, möchte ich gemeinsam mit den Bundesländern diesen Paaren helfen."

Förderung nur in bestimmten Bundesländern möglich

Förderung nur in bestimmten Bundesländern möglich
Leider ist die Förderung an den Wohnort des Paares gekoppelt. Ehepaare und nichteheliche Lebensgemeinschaften von Mann und Frau, die eine Kinderwunschbehandlung planen, können künftig einen Zuschuss vom Bund erhalten, wenn:

  • sich das Wohnsitzbundesland mit einem eigenen Landesförderprogramm in entsprechender Hinsicht finanziell beteiligt,
  • sie ihren Hauptwohnsitz im Bundesgebiet haben,
  • sie eine reproduktionsmedizinische Einrichtung im Wohnsitzbundesland nutzen,
  • sie eine IVF-Behandlung (In-vitro-Fertilisation) oder ICSI-Behandlung (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) durchführen wollen,
  • und im Übrigen die weiteren Voraussetzungen nach § 27a SGB V erfüllt werden, wie insbesondere die Altersbegrenzung: Alter der Frau zwischen 25 und 40, Alter des Mannes zwischen 25 und 50 Jahren.

Folgende Bundesländer haben bisher ein Landesförderprogram für ungewollt kinderlose Paare aufgelegt: Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Paare mit Kinderwunsch, die in einem anderen Bundesland leben, können also auch weiterhin nicht mit staatlicher Unterstützung rechnen.

Aktuelle Informationen finden Sie im Informationsportal zu Kinderwunsch des Bundesfamilienministeriums.

Wie hoch ist die Förderung?

Wie hoch ist die Förderung?
Paaren, die in nichtehelicher Lebensgemeinschaft leben, werden künftig Zuwendungen für die erste bis dritte Behandlung in Höhe von bis zu 12,5 Prozent und für die vierte Behandlung in Höhe von bis zu 25 Prozent des Selbstkostenanteils gewährt. Hintergrund dieser Unterscheidung ist, dass bei verheirateten Paaren beim ersten bis dritten Versuch 50 Prozent der Gesamtkosten der Behandlung vorab durch die Krankenversicherung abgedeckt sind und somit die Bundeszuwendung bei allen vier Versuchen nur bezogen auf den verbleibenden Eigenanteil erfolgt (in Höhe von bis zu 25 Prozent).

Der Zuschuss des Bundes muss vor Beginn der Behandlung mit dem hierfür vorgesehenen Antragsformular beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragt werden. Das Antragsformular erhalten Sie in Ihrer reproduktionsmedizinischen Einrichtung.

Einige Kassen zahlen mehr

Einige Kassen zahlen mehr
Einige Krankenkassen gehen mit ihren Zuschüssen über den Leistungskatalog der GKV hinaus und übernehmen einen höheren Prozentanteil oder erweitern die Altersgrenzen. So zahlen die AOK Hessen und die Bergische Krankenkasse, die BKK B. Braun sowie die DAK 100 Prozent der Behandlungskosten bei den ersten drei Behandlungszyklen. Andere Kassen gewähren 75 Prozent oder zahlen einmalige Zuschüsse, wenn beide Partner bei der betreffenden Kasse versichert sind.

Ist eine Kinderwunschbehandlung geplant, lohnt sich also eventuell der Wechsel zu einer anderen Krankenkasse. Einige Kassen, die zuvor mit einer höheren Kostenübernahme geworben hatten, haben diese in Einzelfällen wieder zurückgenommen. Bitte studieren Sie daher genau die Leistungskataloge, bevor Sie wechseln.

Noch mehr zum Thema Kinderwunschbehandlung

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Von:Sandra Hermes