Kinderwunsch
Babys auf Staatskosten?

Sie haben alles versucht, doch es will einfach nicht klappen. Deshalb setzen viele kinderlose Paare auf eine künstliche Befruchtung (IVF). Allerdings kann das eine teure Angelegenheit werden. Einen Teil der Kosten soll künftig der Staat zahlen, so der Wunsch von Familienministerin Kristina Schröder.

Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) ist teuer

Seit der Gesundheitsreform im Jahr 2004 übernehmen die Krankenkassen bei einer künstlichen Befruchtung nur noch maximal die Hälfte der Behandlungskosten – und auch das nur unter strengen Auflagen. Bei drei Versuchen (solange das Paar verheiratet ist, die Frau nicht älter als 40 und der Mann nicht älter als 50 Jahre alt ist) gibt es eine Zuzahlung. Dennoch rollt auf die kinderlosen Paare eine wahre Kostenlawine zu:

Eine Behandlung kostet im Schnitt rund 3.000 Euro. Für die Eltern sind das pro Versuch mindestens 1.500 Euro. Nicht selten sind drei bis vier Versuche nötig. Das macht locker 6.000 bis 10.000 Euro. Seit der Kürzung habe sich die Zahl der Geburten nach einer künstlichen Befruchtung mehr als halbiert, so Kristina Schröder, sie fiel von 17.000 auf 8.000 Geburten jährlich.

Nach Schätzungen von Wissenschaftlern sind gut 1,5 Millionen ungewollt kinderlos - viele davon, weil sie die Kosten für eine künstliche Befruchtung schlicht und einfach nicht bezahlen können. Diesen Paaren möchte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) jetzt helfen. "Kinderwünsche sollen nicht am fehlenden Geld scheitern", so eine Sprecherin des Ministeriums.

Zehn Millionen Euro für kinderlose Paare

Das Model, das Familienministerin Kristina Schröder anstrebt, schaut folgendermaßen aus:

  • Der Staat soll bei den ersten drei Versuchen 25% der Kosten übernehmen.
  • 50% sollen (wie bisher) die Krankenkassen bezahlen.
  • Die restlichen 25% der Kosten sollen von den Paaren bezahlt werden (bislang 50%).

Scheitern die ersten drei Versuche der künstlichen Befruchtung, soll nach dem Wunsch Kristina Schröders beim vierten Versuch die Hälfte der Kosten vom Staat übernommen werden. Momentan müssen Kinderwunsch-Paare ab dem dritten Versuche sämtliche Kosten selbst bezahlen.

Das zehn Millionen Euro schwere Programm soll im Frühjahr 2012 starten. Bislang fehlt allerdings das grüne Licht der Koalitionsfraktionen.

Hat das Modell Zukunft?

In Deutschland kommen zwar wieder mehr Kinder zur Welt (momentan kriegen Frauen in Deutschland 1,6 Kinder). Doch insgesamt sind die Geburtenraten zu niedrig, um die gegenwärtige Bevölkerungszahl zu halten.

Deshalb halten Forscher die richtige Familienpolitik für entscheidend. Und dazu gehört - neben materiellen Anreizen, Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten - eben auch die Unterstützung ungewollt kinderloser Paare.

Sehen Sie das genauso?

Sollen Kinderwunschpaare mehr staatliche Unterstützung erhalten? Und das unabhängig von der finanziellen Situation? Machen Sie mit bei unserer Umfrage:

Noch mehr zum Thema Kinderwunschbehandlung

Sie wünschen sich schon lange vergeblich ein Kind? Hier finden Sie alle Infos über Chancen und Risiken der modernen Repdroduktionsmedizin.

Im Kinderwunsch-Forum können Sie sich mit anderen Paaren, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, über Ihre Hoffnungen und Ängste austauschen!

Sollen Kinderwunschpaare vom Staat unterstützt werden?
Von:Benita Wintermantel