ICSI
Qualität der Eizellen entscheidet über den Erfolg

Bonner Forscher machen kinderlosen Paaren Hoffnung. Mit einer neuen Methode wollen sie die Erfolgsrate bei dem so genannten ICSI-Verfahren verbessern. Überraschend: Obwohl dieses Verfahren angewandt wird, wenn der Mann zu wenige Spermien produziert, konzentrieren sich die Wissenschaftler dabei auf die Qualität der Eizelle.

Was ist eine ICSI?

Bei der intracytoplasmatischen Spermieninjektion, kurz ICSI, werden der Frau nach einer Hormonstimulation mehrere reife Eizellen entnommen. Unter einem speziellen Mikroskop wird dann ein einzelnes Spermium in eine dünne Pipette aufgezogen und direkt in die Eizelle eingebracht. Gelingt die Befruchtung, können zwei bis drei Tage später Embryonen in die Gebärmutter übertragen werden.

Mithilfe dieses Verfahrens soll ungewollt kinderlosen Paaren geholfen werden, bei denen der Mann zu wenige oder zu träge Spermien produziert. Die einzelnen, funktionstüchtigen Spermien werden dabei direkt aus dem Hodengewebe gewonnen. Allerdings liegt die Schwangerschaftsrate nach einer ICSI derzeit nur bei etwa 20 Prozent. Das wollen die Wissenschaftler der Universität Bonn ändern.

Welchen Einfluss hat die Eizelle auf den Erfolg der ICSI?

Je besser die Qualität der Eizelle, umso größer die Chance auf ein Kind

Der Ansatz der Forscher: Sie richteten ihr Augenmerk auf die Eizellen. "Es dauert 26 Stunden, bis die Zellkerne von Ei- und Samenzelle verschmelzen und ein Embryo entsteht", erklärt der Reproduktionsbiologe Dr. Markus Montag. "In dieser Zeitspanne müssen wir uns entscheiden, welche der befruchteten Eizellen wir in die Gebärmutter einsetzen." Bis zu zwei (das deutsche Embryonenschutzgesetz erlaubt drei) befruchtete Eizellen werden schließlich implantiert – doch welche das sind, ist bislang weitestgehend dem Zufall überlassen. Denn sobald die Eizelle befruchtet ist, darf sie in Deutschland nicht mehr untersucht werden.

Doch die einzelnen Eizellen unterscheiden sich teilweise erheblich in ihrer Qualität. Deshalb haben die Bonner Forscher ein Verfahren entwickelt, mit denen sie die am besten geeigneten Eizellen identifizieren können. Die Eizellen werden dabei noch vor der Befruchtung untersucht. "Wir betrachten dazu die Eihülle unter einem Polarisationsmikroskop", erläutert Dr. Montag aus. "Sie erscheint dort als leuchtend orange-roter Ring. Je heller und je gleichmäßiger dieser Ring leuchtet, desto größer ist die Chance, dass daraus ein Kind entsteht." Als Grund vermutet Montag, dass eine Eihülle eine umso gleichmäßigere Struktur besitzt, je besser die Bedingungen während ihrer Reifung waren. Solche "idealen" Zellen sind jedoch nicht die Regel - nach Erfahrung des Experten gehören nur zwei von zehn Zellen dazu.