Künstliche Befruchtung
 
Die wichtigsten Fragen zur IVF

Der beste Zeitpunkt für den eigenen Nachwuchs wird heute immer weiter Richtung Lebensmitte verschoben. Leider nimmt die Wahrscheinlichkeit, spontan schwanger zu werden, bei Frauen schon ab dem 20. Lebensjahr kontinuierlich ab. Die künstliche Befruchtung ist für viele Paare der einzige Weg zu ihrem Wunschkind. Hier findest Du alle Fakten zum Thema In-Vitro-Fertilisation, kurz IVF.

Die wichtigsten Fragen zu IVF
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Inhalt: 
Wie funktioniert die künstliche Befruchtung genau?Kann man die Samenprobe von zu Hause mitbringen?Ist die Behandlung für die Frau sehr unangenehm?Wie groß sind die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung?Warum gibt es nach einer IVF überdurchschnittlich oft Mehrlinge?Gibt es eine Altersgrenze für die IVF?Welche Kosten kommen auf uns zu?

Wie funktioniert die künstliche Befruchtung genau?

Genau genommen ist das, was sich künstliche Befruchtung nennt, nicht wirklich künstlich. Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) läuft ab wie die natürliche Befruchtung - nur eben im Reagenzglas. Samen und Eizelle verschmelzen dort aber genauso wie im Eileiter. Eine IVF läuft in folgenden Schritten ab:

  • Die Untersuchung der Spermien: Die Samenzellen des Mannes werden auf Anzahl, Beweglichkeit, Form und mögliche Infektionen geprüft. Im so genannten Spermiogramm kann man erkennen, ob und in welchem Ausmaß er zeugungsfähig ist.
  • Die hormonelle Stimulation: Zunächst blockiert ein Medikament die natürliche Aktivität der Eierstöcke. Anschließend lässt eine tägliche Hormonabgabe eine größere Anzahl von Eizellen parallel heranreifen. Nach etwa zwei Wochen werden diese, ebenfalls hormonell, auf den Eisprung vorbereitet und so fruchtbar gemacht.
  • Die Eizellen-Punktion: Der Arzt entnimmt der Frau fünf bis 15 Eizellen, die in eine Nährflüssigkeit gelegt werden.
  • Die Befruchtung: Spermien des Mannes werden gezielt aufbereitet und in einem Reagenzglas mit den Eizellen zusammengebracht. Bis zu drei gesunde "Vorkerne", also befruchtete Eizellen, die sich noch nicht geteilt haben, dürfen weiterreifen.
  • Der Embryonen-Transfer: Nach zwei bis drei Tagen sind aus den Vorkernen achtzellige Embryonen entstanden. Sie werden über einen Schlauch in die Gebärmutter eingesetzt - etwa 48 Stunden nach der Punktion.

Kann man die Samenprobe von zu Hause mitbringen?

Wenn Ihr es schafft, das Sperma innerhalb von 30 Minuten in einem ausgekochten, kleinen, verschließbaren Glas- oder Plastikbehälter in die Klinik zu bringen, ja. Die Samenprobe sollte nah am Körper transportiert werden, um sie auf Körpertemperatur zu halten - so bleiben die Spermien beweglich.

Ist die Behandlung für die Frau sehr unangenehm?

Lange musste die Frau täglich zum Arzt, um sich ab dem sechsten Zyklustag Hormone spritzen zu lassen. Mittlerweile gibt es auch Einmalspritzen mit der vordosierten Wirkstoffmenge, die die Frau sich selbst verabreichen kann. Die Hormone bringen die Eierstöcke dazu, mehr als nur eine befruchtungsfähige Eizelle zu produzieren. Rund ein Drittel der Frauen fühlt sich in der Stimulationsphase aufgeschwemmt. Viele schwitzen schneller und stärker. Aber nur ganz selten muss die Hormonstimulation abgebrochen werden, weil die Frau sie nicht verträgt.
Für die Ei-Entnahme empfehlen viele Ärzte ein Schlafmittel, eine lokale Betäubung oder eine Vollnarkose (circa zehn bis 15 Minuten), weil die Prozedur dann komplikationsärmer verläuft.

Wie groß sind die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung?

Ziemlich hoch, sofern man sie mit denen von normalem Geschlechtsverkehr vergleicht. Beim ungeschützten Sex beträgt die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, 15 bis 20 Prozent pro Zyklus. Eine künstliche Befruchtung hebt die Wahrscheinlichkeit um zehn Prozentpunkte. Grund dafür ist das exakte Timing: Ei- und Samenzelle werden zum optimalen Zeitpunkt zueinander gebracht. Allerdings spielt das Alter der Mutter eine große Rolle: Während eine 30-Jährige noch eine 34-prozentige Chance auf Erfolg bei der künstlichen Befruchtung hat, beträgt sie bei einer 45-Jährigen nur noch zwölf Prozent.

Insgesamt wurden laut IVF-Register allein in Deutschland zwischen den Jahren 1997 und 2014 in Deutschland rund 170.000 Babys geboren, deren Eltern sich für eine künstliche Befruchtung (IVF und ICSI) entschieden hatten. Das „International Committee for Monitoring Assisted Reproductive Technologies (ICMART)“ geht davon aus, dass weltweit jährlich zwischen 219.000 und 245.000 Kinder geboren werden, die per IVF gezeugt wurden.

Wie das British Medical Journal berichtet, scheint Akupunktur einen positiven Einfluss auf die IVF-Behandlung zu haben. Bei der Analyse verschiedener Studien errechneten Wissenschaftler eine um 65 Prozent erhöhte Schwangerschaftsrate bei IVF-Patientinnen, die sich kurz vor dem Einsetzen der befruchteten Eizellen in die Gebärmutter sowie kurz danach einer Akupunktur-Behandlung unterzogen hatten. Der genaue Zusammenhang ist noch nicht geklärt. Die Forscher vermuten entweder eine Ausschüttung von Neurotransmittern, die sich auf den Zyklus und die Fruchtbarkeit der Frau auswirkt, eine Beeinflussung des Uterus oder eine erhöhte Produktion körpereigener Opioide, die die körperliche Stressreaktion auf die IVF reduziert.

Warum gibt es nach einer IVF überdurchschnittlich oft Mehrlinge?

Um die Erfolgsrate bei der In-Vitro-Fertilisation zu erhöhen, dürfen bis zu drei Embryos in die Gebärmutter zurückgegeben werden - und die können sich alle natürlich weiterentwickeln. Bei Frauen unter 38 Jahren übertragen die Mediziner in der Regel heute maximal zwei Eizellen. So kommt etwa jedes zweite Zwillingspärchen in Deutschland als Folge einer Sterilitätsbehandlung auf die Welt. Diese Zwillinge sind logischer Weise zweieiig.

Gibt es eine Altersgrenze für die IVF?

Frauen über 40 sollten mit realistischen Erwartungen an die Kinderwunsch-Behandlung herangehen. Denn ob mit oder ohne IVF: Je älter die Frau, desto geringer die Chance auf eine Schwangerschaft. Mit dem Alter nimmt die Anzahl der Eizellen ab, Zyklen ohne Eisprung werden häufiger. Noch dazu ist die Wahrscheinlichkeit, eine Fehlgeburt zu erleiden, deutlich erhöht.

Welche Kosten kommen auf uns zu?

Eine künstliche Befruchtung ist für ein Paar mit Kinderwunsch mit hohen Kosten verbunden. Je nach Krankenversicherung und Wohnort übernehmen Krankenkasse und Staat aber einen Teil der finanziellen Belastung.