PCO-Syndrom
 
Hoffnung für kinderlose Paare

Forscher an den Unis in Lübeck und Heidelberg erproben ein Verfahren, das manchen Frauen die für eine künstliche Befruchtung nötige intensive Hormontherapie ersparen kann. Dieser Weg könnte besonders für Frauen mit PCO-Syndrom interessant werden.

Neues Reproduktionsverfahren wird erprobt

PCO-Syndrom: Hoffnung für kinderlose Paare

Dass die Frauenkliniken der Universitäten in Lübeck und Heidelberg nun die Eizellenreifung außerhalb des Körpers erforschen, könnte bei manchen Paaren Hoffnungen wecken. Allerdings steckt dieses reproduktionsmedizinische Verfahren noch in den Kinderschuhen. Publizierte Zahlen, wie viele fehlgeschlagene Behandlungen auf eine Geburt kommen, gibt es nicht. So bewerten auch die Forscher ihre ersten Erfahrungen mit Vorsicht. Gleichwohl wurden in den vergangenen Jahren weltweit mehr als 300 Kinder damit gezeugt und geboren - bislang fast ausschließlich in Kanada, Finnland, Schweden, Dänemark, Frankreich und Korea. in Deutschland wurde nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) Ende 2005 das erste Kind nach einer solchen Behandlung am Universitätsklinkum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, geboren.

In-Vitro-Maturation: Eizellen reifen im Labor

Bei der IVM erhält die Frau nur wenige Hormonspritzen

Bei der "In-Vitro-Maturation" (IVM) bekommt die Frau ab dem vierten Zyklustag etwa drei Tage lang Hormonspritzen, um die Eizellenreifung zu fördern. Zum Vergleich: Bei gängigen Verfahren der künstlichen Befruchtung sind Behandlungen von durchschnittlich sieben bis zehn Tagen erforderlich. Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen sind dabei unangenehm, aber viele Frauen halten sie in der Hoffnung aus, zu den etwa 16 Prozent zu gehören, die mit Unterstützung der Hormonbehandlung in diesem Zyklus schwanger zu werden.

Bei der IVM wird der Eisprung absichtlich bei viel zu kleinen Eisbläschen - und damit unreifen Eizellen - ausgelöst. Wie bei der künstlichen Befruchtung werden die Eizellen anschließend aus den Eibläschen unter Sicht eines Ultraschallgerätes durch die Scheide der Frau gesaugt. Im Labor, also "in-Vitro", werden diese unreifen Eizellen nun 30 Stunden lang in einer künstlichen Nährlösung nachgereift beziehungsweise "maturiert". Erst wenn sie - wie bei der herkömmlichen künstlichen Befruchtung - reif und damit befruchtungsfähig sind, werden die Spermien dazu gegeben. Ebenso wie bei der IVF erfolgt dann nach zwei bis drei Tagen der Embryonen-Transfer. Da diese Methode nur für Frauen bis 37 Jahre vorgesehen ist, werden dabei maximal zwei Embryonen eingesetzt.

IVM wird weiter erprobt

Bislang übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht

Bislang kämpfen die Mediziner bei der IVM allerdings mit einer Reihe von technischen Problemen: So hat man offenbar noch keine optimale Nährlösung für die Eibläschen gefunden. Außerdem bedarf es einiger Übung, aus den sehr kleinen Eibläschen die unreifen Eizellen zu entnehmen. "Hinzu kommt, dass die Qualität der Eizellen etwas schlechter ist, wenn sie statt im Körper der Frau im Labor ausreifen", sagt Oberarzt Sören von Otte vom Universitätsklinikum, der die erste erfolgreiche IVM in Deutschlang durchführte. Auch dauere die Reifung der Eizellen bei diesem Verfahren länger und verlaufe nicht immer einwandfrei.

Daher sind die Schwangerschaftsraten bei der IVM noch nicht so hoch wie bei der konventionellen IVF-Methode. Immerhin: Bisher gibt es keine Berichte über eine erhöhte Fehlbildungsrate bei diesem Verfahren - doch ist hierfür eine endgültige Beurteilung die Zahl der geborenen Kinder natürlich noch viel zu klein.

Die Uniklinik Lübeck setzt das Verfahren im Rahmen einer Studie weiter ein. Dabei wollen die Forscher zunächst in drei Versuchsgruppen klären, ob human oder gentechnisch hergestellte Hormone die Reifung der Eizellen besser unterstützen. Des Weiteren versuchen sie die Frage zu klären, ob die IVM sogar ohne hormonelle Stimulation der Frau möglich ist. Auf interessierte Paare kommen pro Behandlungszyklus Kosten um die 500 Euro zu. Von den Krankenkassen werden diese nicht übernommen.

Das PCO-Syndrom

Die IVM kommt vor allem für Frauen in Frage, die an Zyklusstörungen leiden, die durch das Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCOS) ausgelöst werden. Die Ursache des PCOS ist noch nicht ganz geklärt. Vermutet wird, dass der Eierstock in seiner "normalen Tätigkeit" insbesondere durch ein Zuviel an männlichen Hormonen gebremst und behindert wird.

Die IVF ist bei Frauen mit diesem Syndrom allerdings mit hohen Risiken verbunden: Selbst bei vorsichtiger Hormonbehandlung reifen bei ihnen häufig sehr viele Eibläschen heran. Sind diese einmal groß genug und man führt die Entnahme der Eizellen durch, kann sich ein Überstimulationssyndrom entwickeln. Dies ist bei der Entnahme der unreifen Eizellen aus den sehr kleinen Follikeln nicht der Fall.

Das Überstimulationssyndrom ist eigentlich ein "Überfunktionssyndrom": Durch die übermäßige Anzahl an Eibläschen beziehungsweise Gelbkörperzysten werden zu große Mengen an Östrogen und Gelbkörperhormon produziert. Diese Hormone führen dazu, dass die Durchlässigkeit der Gefäße sich maximal erhöht, das Wasser in das Gewebe oder den Bauchraum "verschwindet" und das Blut eindickt. Mögliche Folgen: Atemnot und Probleme mit der Nierenfunktion sowie Bluthochdruck oder erhöhte Cholersterinwerte.

Ursachen, Diagnose und Behandlung

Sport hilft, den Insulinspiegel zu senken

Insgesamt leiden etwa fünf bis 15 Prozent aller Frauen unter dem PCO-Syndrom, das oft auch vererbt wird. Häufig wird diese Hormonstörung aber erst festgestellt, wenn der Kindersegen ausbleibt. Weitere Symptome sind Zyklusstörungen, Akne, Übergewicht und Tendenz zu männlichem Haarwuchs.

Ein erhöhter Spiegel männlicher Hormone im Blut, Insulinresistenz und Übergewicht sind Faktoren, die zur Entstehung des PCOS beitragen. In der Forschung liegt der Fokus zwar zurzzeit auf dem Zusammenhang zwischen Übergewicht und Insulinresistenz. Warum aber zum Beispiel nicht alle übergewichtigen Frauen ein PCOS bekommen, ist noch nicht geklärt.

Die Diagnose des PCOS kann durch verschiedene Hormontests zuverlässig gestellt werden. Zusätzlich werden die Eierstöcke per Ultraschall untersucht. Denn etwa 70 Prozent aller Frauen mit PCOS weisen dort viele Zysten auf.

Frauen, die nicht schwanger werden möchten, können die Hormonproduktion dann beispielsweise mit einer Antibabypille normalisieren, die einen hohen Östrogen- und einen niedrigen Gestagenanteil hat. Auch Pillen, die sogenannte Antiandrogene enthalten wirken sich günstig aus. Zudem hat sich mittlerweile die Behandlung mit Metformin etabliert: Weil das PCO-Syndrom durch einen erhöhten Insulinspiegel, etwa durch Übergewicht oder eine Insulinresistenz der Zellen, ausgelöst wird, kann die Verabreichung dieses Medikaments, das normalerweise zur Behandlung von Altersdiabetes eingesetzt wird, helfen.

Um den Insulinspiegel zu senken kann allerdings jede Frau durch Sport selbst etwas beitragen: Aktive Muskeln verwerten Zucker und Insulin besser als untrainierte. Deswegen sollten Frauen mit PCOS mehrmals pro Woche etwa eine halbe Stunde sanften Ausdauersport machen, wie zum Beispiel Walken. Und wie neueste Forschungen ergaben, kann bereits eine Gewichtsreduzierung um fünf Prozent die PCO-Symptome deutlich lindern.

Weitere Infos

Weitere Infos finden Betroffene unter www.pcos-selbsthilfe.org und www.pco-syndrom.de.

Sind Sie auch von der Diagnose "PCO-Syndrom" betroffen? Im Eltern.de Familiennetz können Sie sich mit Frauen zusammenschließen, die ein ähnliches Schicksal haben. Schauen Sie doch einmal, ob es schon eine entsprechende Gruppe gibt. Falls nicht, können Sie ganz einfach selber eine gründen.

wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Dr. med. habil. Wolfgang Würfel vom Kinderwunsch Centrum München