PID
 
Bundestag erlaubt Präimplantationsdiagnostik

Embryonen dürfen künftig vor einer künstlichen Befruchtung auf schwere genetische Erkrankungen untersucht werden. Die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten hat am Donnerstag nach einer emotionalen Debatte für die Freigabe der Präimplantationsdiagnostik (PID) gestimmt. Lesen Sie hier, wie die Gesetzeslage in Deutschland künftig aussehen wird

Entscheidung für Gentests

PID: Bundestag erlaubt Präimplantationsdiagnostik

Es war eine Entscheidung, die sich wahrscheinlich kein Abgeordneter leicht gemacht hat: Sollen Paare, die um schwere Erbkrankheiten in ihrer Familie wissen, künftig Embyronen auf Gendefekte untersuchen lassen dürfen, bevor diese in die Gebärmutter übertragen werden? Die Mehrheit im Bundestag hat heute dafür gestimmt. Im sehr begrenztem Rahmen wird die Präimplantationsdiagnostik (PID) in Deutschland erlaubt: Bei Paaren, die eine schwere erbliche Vorbelastung haben oder bei denen das Riskio einer Tot- oder Fehlgeburt sehr hoch ist, darf der Arzt im Vorfeld der künstlichen Befruchtung künftig Gentests durchführen.
Aber:

  • Bei wem die PID-Ausnahmeregelung gilt, soll nicht im Vorfeld in einem Katalog festgelegt werden, sondern einzeln durch eine Ethikkommission entschieden werden.
  • Die PID soll nur in entsprechend lizenzierten Zentren zugelassen werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich für Verbot ausgesprochen

Gegner und Befürworter der PID finden sich in allen Parteien, die heutige Abstimmung erfolgte daher ohne Fraktionszwang. Auch die drei Gesetzentwürfe waren in fraktionsübergreifenden Gruppen entstanden. 326 der Stimmen entfielen auf den Gesetzentwurf pro PID. Für ein Verbot der PID stimmten 260 Abgeordnete. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich im Vorfeld gegen die PID ausgesprochen.

Lesen Sie hier alle wichtigen Hintergrundinformationen zur PID

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Lesen Sie hier alle wichtigen Hintergrundinformationen zur PID

Was ist die Präimplantationsdiagnostik (PID)?

Die PID kann bei einer künstlichen Befruchtung Auskunft darüber geben, ob ein im Reagenzglas gezeugter Embryo einen genetischen Defekt hat. Die Untersuchung findet statt, bevor der Arzt den Embryo in die Gebärmutter überträgt. Also bekommen nur genetisch unauffällige Embryonen die Chance weiterzuwachsen. In Nachbarländern wie Dänemark oder Frankreich ist PID nur bei erblich vorbelasteten Paaren erlaubt. Aber natürlich könnte die PID auch Auskunft über das Geschlecht geben. Oder es könnte dank ihr ein sogenanntes "Retterkind" gesucht werden - ein Embryo, dessen Gewebe zu dem eines erkrankten Geschwisterkindes passt. Das ist beispielsweise in Großbritannien erlaubt.

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