Wissenschaft

Neuer Stichtag für embryonale Stammzellen

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Der Umgang mit embryonalen Stammzellen - eine schwere Entscheidung


Foto: Universität Heidelberg

Bereits im Februar musste sich der Bundestag mit gleich vier Gesetzesanträgen zur Änderung des seit 2002 geltenden Stammzellengesetzes befassen. Dieses legte unter anderem fest, dass die Stammzellforschung nur der Grundlagenforschung sowie der Erweiterung medizinischer Kenntnisse dienen dürfe. Außerdem bestimmte das Gesetz, dass in Deutschland nur an Stammzellen geforscht werden darf, die aus dem Ausland stammen und die vor dem 01.01. 2002 gewonnen wurden. Dies wurde von vielen Forschern kritisiert, da die Stammzelllinien ihrer Meinung nach zu alt seien und so keine effektive Forschung ermöglichen würden.

Die Änderungsanträge reichten von einem generellen Verbot der Stammzellenforschung bis zur völligen Aufhebung des Stichtages. Die Verfechter von letzterem Vorschlag begründeten ihre Ablehnung einer Stichtagsregelung mit der Sorge, dass in einigen Jahren eine erneute Verschiebung nötig sein könne, das Problem sich also immer wieder aufs Neue stellen würde.

In einem weiteren Antrag sprachen sich auch einige Abgeordnete für die Beibehaltung der bisherigen Regelung aus. Am mehrheitsfähigsten erschien jedoch von Anfang an die Initiative von René Röspel (SPD) und Ilse Aigner (CSU): Die Initiatoren wollten die bisherigen strengen Auflagen beibehalten, aber den Stichtag im deutschen Stammzellenimportgesetz einmalig auf den 01.05. 2007 verschieben. Dadurch sollten die Wissenschaftler Zugang zu neueren Stammzelllinien für ihre Forschungen enthalten.

Welche Argumente sprechen für einen neuen Stichtag?

Auf menschlichen embryonalen Stammzellen ruhen große Hoffnungen von Medizinern und Patienten. Künftig könnten schwere Krankheiten wie Parkinson oder Multiple Sklerose mit ihrer Hilfe geheilt werden. Bisherige Resultate von Tierversuchen begründen die Annahme, dass diese Zellen eines Tages Ersatz für verschlissenes Gewebe und Organe liefern können, die vom Empfänger nicht abgestoßen werden.

Stammzellen: Hilfe bei Diabetes und Schlaganfall?

Der Vorteil embryonaler Stammzellen: Sie sind noch nicht auf eine endgültige Aufgabe festgelegt. Im Labor sind daher bereits viele verschiedene Zelltypen aus ihnen hervorgegangen und in Versuchstiere eingepflanzt worden. So haben embryonale Stammzellen zum Beispiel Ratten bereits bei Diabetes und Schlaganfall geholfen. Für den Einsatz am Menschen ist diese Technik jedoch bei weitem noch nicht ausgereift.

Deshalb hatte unter anderem die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) vehement eine Lockerung des Gesetzes gefordert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (beide CDU) plädierten für einen neuen Stichtag. Dieser ist nach Ansicht von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) auch mit der Verfassung vereinbar. Zwar habe der Staat die Pflicht, menschliches Leben zu schützen, sagte Zypries. Genauso müsse er aber auch darauf achten, dass die Freiheit der Forschung nicht eingeschränkt werde.

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