Kinderbücher
Müssen Kinderbücher so hässlich sein?

Für Babys und Kleinkinder bietet der Buchmarkt viel. Allerdings überwiegen schematische Darstellungen, Applikationen und simpelste Geschichten. Warum eigentlich?

Haben Kleinkinder bereits einen künstlerischen Anspruch

Kinderbücher: Müssen Kinderbücher so hässlich sein?

Sie sind weich, kuschelig, bissfest, spuckeresistent und badewannentauglich. Es gibt sie aus Stoff, Holz oder Pappe, manche klappern oder können sogar quietschen, wenn man kräftig draufdrückt: Bücher für die Kleinsten, für Kinder von drei bis 24 Monate. Sie gleichen Event-Angeboten für alle Sinne: Der Abenteuerspielplatz Buch lockt mit Plüsch-Applikationen und Glitzerfolien, Laschen und Öffnungen zum Anfassen, Durchschauen, Aufklappen. Das ist praktisch für unterwegs, weil sich schon die Kleinsten damit kurzzeitig allein beschäftigen.

Aber viele Eltern fragen sich angesichts der schematischen Darstellungen, ob Kleinkinder nicht einen höheren künstlerischen Anspruch verdienen. Aus den Babyzimmern haben sie schließlich auch allzu niedliches Bärchendesign verbannt.

Die neuen Kinderbücher - eine Marktlücke für die Verlage

Vor fünf Jahren hat der Ravensburger Verlag mit Ministeps ein eigenes Konzept entwickelt, das die Elemente Buch und Spiel vereint, und damit eine Marktlücke geschlossen. Auch Coppenrath, Carlsen, ars edition, Arena oder Gerstenberg haben die Frühleser entdeckt. "Kinder brauchen Bücher von Anfang an", so Sandra Schwarz, Programmleiterin Bilderbuch beim Ravensburger Buchverlag, dem Marktführer. "Wer mit adäquaten Materialien früh die Neugier fürs Medium Buch weckt, macht mit Büchern vertraut und legt die spätere Lesefaszination fest. Das ist die beste Grundlage für lebenslanges Lesen und Lernen."

Das Manko vieler Kinderbücher: Schlichte Bilder, keine Dramaturgie

Bücher für die Kleinsten sollen entwicklungs- und altersgemäß einfach sein

Weil das Kind, so die Erkenntnis der Buchmacher, auf allen Seiten einsteigen können soll, fällt Dramaturgie unter den Tisch. Schlicht geht's auch auf der Bildebene zu: Die Illustrationen wirken brav, traditionell in Perspektive und Strich. Die Farben plakativ. Erste Tiere sind auf Umrisse reduziert, von Hintergrund meist keine Spur. Haben Verlage und Illustratoren keinen künstlerischen Anspruch?

"Um ästhetische Erziehung geht es nicht, die Geschmacksbildung kommt erst später", erklärt Katrin Hogrebe, Pressesprecherin des Carlsen Verlags, das Konzept für die Kleinsten - und trennt Kunst von Förderung. "Natürlich herrscht ein anderer Anspruch als beim ambitionierten Bilderbuch. Die Bücher für die Kleinsten sollen entwicklungs- und altersgemäß einfach sein, damit den Kindern der Transfer zwischen ihrer Welt und einem Buch möglich ist. Am Anfang geht es um Wörter und deren Klang, darum, auch die anderen Sinne zu schulen."

Essen, spielen, ins Bett oder aufs Klo gehen, Zähne putzen, Angst haben - Thema wird, was in der Kinderwelt passiert. Sogar in Beziehungsfragen können sich die Kleinsten neuerdings üben: in den Wendebüchern um Mia (Gabriel) sind Alltagssituationen gleich in doppelter Perspektive nachzulesen; mit Mama und Papa, Oma und Opa, großer Schwester und kleinem Bruder.