Motorische Entwicklung

Jungs rennen - Mädchen reden

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Moritz hat mit seinen 20 Monaten für sich festgelegt, was im Leben zählt: Geschwindigkeit. Er will sich bewegen, am besten rennen, rollern oder rutschen – und das möglichst schnell. Reden ist erst mal Nebensache.

Seine Zwillingsschwester Ella hat da andere Prioritäten – sie will reden und nicht rennen. Ella kann mit 20 Monaten nicht nur Mama und Papa sagen, sondern nach der U-Untersuchung beim Kinderarzt in einem ganzen Satz nach einem "Kabimmi" fragen, was Kaugummi oder auch Gummibärchen bedeutete. "Sie kann sich schon richtig gut verständigen, dafür klappt rennen und hüpfen noch nicht so gut", erzählt Sandra Maurer, die Mutter der Zwillinge. Während Ella noch gern an Mamas und Papas Hand geht und Angst vor dem Hinfallen hat, will Moritz lieber "selber" laufen und lässt sich nur ungern an die Hand nehmen.

Man muss nicht Eltern eines gemischten Zwillingspärchens sein, um zu erkennen: Mädchen sind anders und Jungs auch. Jungs wollen raus, sich bewegen, haben weniger Scheu irgendwo hinaufzukrabbeln oder herunterzuspringen als Mädchen. Kein Wunder also, dass in Kinderambulanzen viermal mehr Jungen als Mädchen nach kleineren häuslicheren Unfällen behandelt werden.

In ihren Forschungen über waghalsiges Verhalten von Kleinkindern fand die kanadische Psychologin Barbara Morrongiello Interessantes heraus: Deutlich mehr Mädchen als Jungen schätzen bestimmte Aktivitäten wie waghalsige Kletterpartien als gefährlich ein. Außerdem versuchen Mädchen diese Gefahren eher zu vermeiden. Jungs glauben hingegen oft nicht daran, dass ihnen etwas zustoßen könnte.

Trotzdem: Wenn es um die motorische Entwicklung in den ersten Lebensjahren geht, lassen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen. Der Zeitpunkt wann Kinder krabbeln, laufen oder radfahren lernen, hat nichts damit zu tun, ob es sich um ein Mädchen oder einen Jungen handelt. Darüber entscheidet nur das ganz individuelle Entwicklungstempo jedes einzelnen Kindes. Und das ist auch gut so.

Daher die gute Nachricht: Lehnen Sie sich ab sofort ganz entspannt zurück, wenn das Gespräch unter Müttern wieder auf das beliebte Thema "Mein Kind kann aber schon …" fällt. Sie wissen es jetzt schließlich besser.

Laufen, springen, purzeln – wann es soweit ist

Die Übersicht zeigt die durchschnittliche Entwicklung eines Kindes in den ersten Lebensjahren. Weil jedes Kind sein eigenes Tempo hat, können diese Daten nur ungefähre Anhaltspunkte sein:

Mit 3 Monaten Ihr Baby kann sich in Bauchlage auf die Unterarme stützen und dabei Kopf und Brust bis 90 Grad heben.
Mit 6 Monaten Ihr Baby dreht sich von einer Seite auf die andere, um nach der Rassel zu greifen. Es kann allein sitzen, muss sich aber noch abstützen.
Mit 9 Monaten Ihr Baby bewegt sich irgendwie vorwärts oder rückwärts – robbend, krabbelnd, rollend, rutschend, gern auch im Kriechgang wie ein Soldat im Gelände. Es drückt sich selbst mit dem Arm zum Sitzen hoch.
Mit einem Jahr Ihr Baby krabbelt sicher. Sein liebster Ort: der Couchtisch. An ihm zieht es sich hoch und hangelt sich daran entlang. Reichen Sie ihm den Finger, nimmt es begeistert die ganze Hand – und läuft los.
Mit 15 Monaten Ihr Kind braucht Ihre Hand nicht mehr: Es kann zehn Schritte frei gehen – am liebsten, wenn Sie die Arme ausbreiten und es auffangen.
Mit eineinhalb Jahren Ihr Kind spielt am liebsten in der Hocke. So kommt es perfekt an das Buch, das auf dem Boden liegt. Dann drückt es sich in den Stand, um Ihnen das Buch zu bringen. Ihr Kind entdeckt das Bobbycar. Anfangs nur zum Sitzen, bald aber auch zum Durch-die-Wohnung-Flitzen.
Mit 21 Monaten Ihr Kind kann drei Schritte rückwärts gehen. Wenn Sie es festhalten, kann es die Treppe im Nachstellschritt rauf- und runtergehen. Es schiebt einen Stuhl in die Küche und klettert darauf, um mit Ihnen zu kochen.
Mit zwei Jahren Ihr Kind kickt einen Ball, ohne umzufallen. Es schaut sich nach hinten zur Watschelente um, ohne das Gleichgeicht zu verlieren. Es kann ein paar Schritte auf den Zehenspitzen gehen.
Mit 27 Monaten Ihr Kind spielt gern um den Tisch herum Fangen, ohne hinzufallen – scharfe Kurven sind kein Problem mehr. Es steigt mühelos über ein Buddelloch im Sandkasten.
Mit zweieinhalb Jahren Ihr Kind hüpft über eine kleine Pfütze, ohne hinzufallen. Es kriecht unter Ihnen durch, wenn Sie eine Brücke machen. Es steht zwei Sekunden lang auf einem Bein. Um etwas aufzuheben, muss Ihr Kind nicht mehr in die Hocke gehen, sondern kann sich bücken.
Mit drei Jahren Ihr Kind springt mit beiden Beinen gleichzeitig von der untersten Treppenstufe und landet sicher auf beiden Füßen. Es lernt, Dreirad zu fahren, und steigt die Treppe hoch wie die Großen.
Mit dreieinhalb Jahren Ihr Kind liebt es, mit Ihnen um die Wette zu laufen. Es kann auf einem Mäuerchen balancieren und einen Hampelmann machen. Es kann mit gestreckten Armen und Beinen einen Hang hinunterrollen.
Mit vier Jahren Ihr Kind lernt Fahrrad fahren – am besten schon ohne Stützräder. Es springt mutig von einem Hocker, schlägt einen Purzelbaum und klettert gern – kurz und gut: Toben ist sein Element.
Mit fünf Jahren Ihr Kind wird in seinen Bewegungen immer geschickter, schneller und genauer. Vielleicht macht es in diesem Sommer die ersten Schwimmzüge im Freibad. Ein Vorschulkind kann auch schon längere Zeit wandern.

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