Trotzphase
Gute Fahrt durch Trotz und Eigensinn!

Ein zweijähriges Kind ist eine Ladung Wollen. "Schoko!", "Baum rauf!", "Bett, nein!". Mit dem Dickschädel-Führerschein für Kinder in der Trotzphase steuern Sie sicher durch die stressige Zeit. Und: Verraten Sie uns, mit welchen Tricks Sie den Trotzanfällen Ihres Wildfangs begegnen. Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Tipps für die Trotzphase (einfach unterhalb des Textes Kommentar eintragen).

Die "Verkehrsregeln" für die Trotzphase lernen

Trotzphase: Gute Fahrt durch Trotz und Eigensinn!
© Thinkstock

Wenn Ihr Kind darauf besteht, Schuheanzuziehen, in die es nicht hineinpasst, wenn es sich beim Bäcker schreiend vor der Theke wälzt, und wenn "Ich will aber!" zu seinem Standardsatz geworden ist – dann befindet es sich in jener Phase, die man Trotzphase nennt. Versuchen Sie, das Positive daran zu sehen:
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  • Kleinkinder rebellieren nur gegen Menschen, bei denen sie sich sicher fühlen. Also: Bei Ihnen stimmt die Eltern-Kind- Bindung!
  • Ihr Kind entwickelt Selbstbewusstsein. Es ist von seinen Ideen (auf Mäuerchen steigen, Bonbon wollen) total überzeugt. Initiative, Ich-Stärke – wer wünscht sich das nicht für sein Kind?
  • Ihr Kind will Sie mit seiner Trotzphase nicht ärgern! Es ist nur enttäuscht und sauer, dass nicht alles so klappt, wie es sich das in den Kopf gesetzt hat.

Dicht zu häufig auf die Bremse treten in der Trotzphase!

Sicher, Ihr Kind gibt zurzeit ganz schön Gas. Bremsen Sie es trotzdem nicht ständig aus. Es muss Fehler machen dürfen, ausprobieren, was klappt (allein aufs Mäuerchen) und was nicht (in Papas Schuhen zum Bäcker laufen).Wenn auf "Ich will, ich kann!" immer nur "Nein, nein!" kommt, bleibt sein Selbstwertgefühl klein. Ist das Vorhaben Ihres Kindes riskant, darf es natürlich keine Diskussion geben. Oft jedoch übertragen wir Eltern unsere eigenen Ängste aufs Kind. Wir sehen nur, was alles passieren könnte, statt auf das zu schauen, was unser Kind schon kann.

In der Trotzphase gilt: Immer vorausschauend fahren

Eltern, die Profis im Umgang mit einem Kind in der Trotzphase sind, umfahren Hindernisse. Sie wissen, dass es im Supermarkt an der Wursttheke zu schrecklichen Szenen kommen kann, und nehmen daher einen Umweg über die Waschmittelabteilung in Kauf. Wenn es sich machen lässt, erledigen sie den Großeinkauf ohne Kind. Zu Hause räumen sie aus dem Weg, was nicht in die Hände von Zweijährigen gehört. Dann gibt es darum auch keinen Streit. Familienregeln ("Niemand darf den anderen hauen", "Das Essen wird wenigstens probiert" etc.) müssen selbstverständlich auch in der Trotzphase gelten. Doch wer sie auf ein nötiges Maß reduziert, hat viel für eine friedlichere Atmosphäre getan.

Bitte hohe Drehzahlen vermeiden!

Das sagt sich leicht, wenn der Dickkopf einen mal wieder in drei Sekunden von null auf hundert gebracht hat. Trotzdem stimmt es: Ruhe bewahren beendet lautstarke Willensbekundungen meist zuverlässiger als wilde Machtkämpfe mit Trotzphasen-Kindern. Jeder Elternteil hat da seine eigenen Rezepte. Zum Beispiel: 

  • Tief durchatmen und bis 20 zählen.
  • Das Kind durch lautes Singen ablenken.
  • Kurz aus dem Zimmer gehen.

Manche Kinder beruhigen sich und können ihre kleine Trotzphase eher beenden, wenn man sie liebevoll in den Arm nimmt und Verständnis für ihre Wut zeigt. Andere lässt man lieber in Ruhe, Berührungen machen sie nur noch wilder. Und in der Öffentlichkeit? Da hilft nur eines: Zähne zusammenbeißen und äußerlich ruhig bleiben. Nicht ausflippen, aber das Kind auch nicht ignorieren. Ruhig mit dem Trotzkopf reden, auch wenn er noch so laut schreit. Die Umstehenden um Verständnis bitten, und, wenn es gar nicht anders geht, den Laden oder die Straßenbahn verlassen.

Von:Oliver Steinbach