Mehrsprachig Aufwachsen
Probleme in der mehrsprachigen Erziehung - nicht aufgeben!

Wenn Kinder mehrsprachig aufwachsen sollen, gibt es manchmal Probleme und mitunter kommen Zweifel auf. Kein Grund, aufzugeben! Eltern.de gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur mehrsprachigen Erziehung.

Soll man Fehler korrigieren?

Ja. Allerdings ist ein belehrendes Verbessern meist kontraproduktiv, wirkt einschüchternd und führt dazu, dass der Nachwuchs völlig verstummt. Bieten sie stattdessen die richtige Formulierung oder das richtige Wort an, ohne das Gespräch zu unterbrechen: "Was möchtest du essen?" "Fischkäse!" "Du meinst Frischkäse? Er steht hier drüben. Bitte, hier hast Du den Frischkäse."

Gibt es eine stärkere und eine schwächere Sprache oder kann mein Kind später beide Sprachen gleich gut?

Viele Eltern fragen sich: Gibt es eine stärkere und eine schwächere Sprache? So gestellt lässt sich diese Frage nach Ansicht von Sprachwissenschaftlern kaum beantworten. Weil Kinder ihre Mehrsprachigkeit ökonomisch nutzen, entwickeln sie in den jeweiligen Sprachen unterschiedliche Fähigkeiten. Was sie in der einen Sprache besonders gut ausdrücken können, daran hapert es in der anderen. Und was in der anderen ohne Probleme über die Lippen geht, bringen sie sonst nur schwer heraus. Wenn der kleine Jeff also auf Englisch schon recht gut Bleistift ("pencil") und Füller ("pen") auseinander halten kann, ihm das auf Deutsch aber schwer fällt, ist das noch lange kein Grund zur Sorge und zunächst einmal normal. Vielleicht bildet er dafür im Deutschen grammatikalisch öfter korrekte Sätze oder spricht fließender. Also: Zweisprachig aufwachsende Kinder besitzen nicht eine schwache und eine starke Sprache. Sie verfügen über die einen Stärken in der einen, über die anderen in der anderen Sprache.

Zwei Muttersprachen?

Jeder weiß, wie es sich anfühlt, in seiner Muttersprache zu sprechen - und wie, wenn man in eine Fremdsprache wechselt. Mitunter fühlt man sich unwohl, kann nicht alles so ausdrücken, wie man es möchte. Und wie geht es Kindern, die von Anfang an zweisprachig groß werden? Entwickeln sie zwei Muttersprachen? Oder sind sie in keiner der beiden wirklich zu Hause? Die US-Psychologin Laura Ann Petitto findet eine eindeutige Antwort: Kinder, die früh in intensiven Kontakt mit einer zweiten Sprache kommen, entwickeln zwei Muttersprachen in einem Gehirn: Durcheinander Fehlanzeige. Zudem ermutigend für Eltern, die sich erst nach einigen Jahren zu einer zweisprachigen Erziehung entscheiden: Nach den Forschungsergebnissen der Psychologin können selbst Kinder, die schon etwas älter sind, eine zweite Sprache noch perfekt lernen. Allerdings nur dann, wenn sie in wirklich intensiven Kontakt mit ihr kommen, beispielsweise in der Familie oder durch längere Aufenthalte bei den Großeltern im Ausland.