Kinderkrankheiten
Scharlach bei Kindern: Ansteckung, Symptome und Therapie

Dein Kind hat plötzlich hohes Fieber, starke Halsschmerzen und geschwollene Lymphknoten? Das könnte Scharlach sein! Warum Du in diesem Fall unbedingt mit Deinem Kind zu Arzt gehen solltest, welche Symptome noch auf Scharlach hindeuten und wie der Ausschlag genau aussieht, erfährst Du hier.

Inhalt: 
Was ist Scharlach?Wie kommt es zur Ansteckung?Welche Symptome sind typisch?Was ist so gefährlich an Scharlach?Bildergalerie: So sieht Scharlach ausWie wird Scharlach behandelt?Bei Scharlach-Streptokokken immer Antibiotika - muss das sein?Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?Wie gefährlich ist Scharlach in der Schwangerschaft?Wann darf ein Kind nach einer Scharlach-Infektion wieder in die Kita oder Schule?Video: Wie kann ich meinem Kind bei Scharlach helfen?

Was ist Scharlach?

"Himbeerzunge" bei Scharlach
"Himbeerzunge" bei Scharlach
© Dr. Rautenstrauch, www. paib.de

Scharlach ist wie Windpocken, Masern, Röteln und Ringelröteln eine der klassischen Kinderkrankheiten, die hoch ansteckend sind und mit Ausschlag einhergehen. Vor Einführung der Behandlung mit Antibiotika war Scharlach sehr gefürchtet, weil die Betroffenen wochenlang schwer krank waren und nicht selten an der Infektion starben.
Erreger sind Bakterien, und zwar sogenannte A-Streptokokken. Sie bilden eigene Giftstoffe (Toxine) und verursachen meist eine Halsentzündung mit Fieber, starken Halsschmerzen und Hautausschlag. Die Erkrankung tritt vermehrt im der kalten Jahreszeit auf und meist dort, wo viele Kinder zusammenkommen. Vor allem Kinder zwischen vier und zehn Jahren sind betroffen, seltener Babys, Jugendliche und Erwachsene. Hat ein Patient die Erkrankung überstanden, ist er in Zukunft vor dem jeweiligen Giftstoff des Erregers geschützt. Da die Bakterien aber unterschiedliche Giftstoffe bilden, ist es möglich, mehrfach an Scharlach zu erkranken. 

Wie kommt es zur Ansteckung?

Typisch ist eine Ansteckung von Kind zu Kind, und zwar per Tröpfcheninfektion, also durch Sprechen, Pusten, Husten und Niesen. In seltenen Fällen werden die Bakterien auch über gemeinsam benutzte Gegenstände übertragen. Aber: Etwa zehn bis 20 Prozent aller Menschen tragen Streptokokken, ohne krank zu sein und sind ansteckend, ohne es zu wissen. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Anzeichen, ist fast immer sehr kurz, nämlich zwischen einem und drei Tagen.

Welche Symptome sind typisch?

Die Krankheit beginnt heftig und innerhalb weniger Stunden mit schnell ansteigendem Fieber und Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Gaumen, Rachenraum und Mandeln sind rot und entzündet, oft sind auch weiße Beläge zu sehen. Die Lymphknoten am Hals sind auffällig geschwollen. Bei Kindern kommen oft auch Bauchschmerzen und Erbrechen hinzu.
Nach ein, zwei Tagen erscheint ein feinfleckiger, samtartiger Ausschlag auf der Haut. Die stecknadelkopfgroßen Flecken sind meist zuerst in der Leistengegend oder den Innenseiten der Oberschenkel zu sehen, dann breiten sie sich über die Haut des gesamten Körpers aus. Der Ausschlag juckt nicht. Handinnenflächen und Fußsohlen bleiben ausgespart. Der Ausschlag hält etwa eine Woche oder auch ein paar Tage länger an. Danach schält sich die Haut an den Zehen und den Fingerkuppen.
Die Infektion zeigt sich aber nicht nur am Auschlag: Die Wangen sind hochrot, die Haut um den Mund herum ist dagegen auffallend blass. Besonders typisch sieht die Zunge aus: Sie ist zuerst von weißen Belägen bedeckt, nach einigen Tagen dann himbeerfarben, die Geschmackspapillen der Zunge stehen hervor. Deshalb sprechen die Ärzte auch von einer "Himbeerzunge".
Dank dieser auffälligen Symptome kann der Kinderarzt Scharlach meist schnell erkennen. Zur Sicherheit wird er aber einen Abstrich aus dem Rachen nehmen, um den Erreger exakt nachzuweisen. Es gibt auch Schnelltests, die innerhalb weniger Minuten Streptokokken nachweisen können.

Was ist so gefährlich an Scharlach?

Gefährlich sind die Komplikationen, die eintreten können, wenn die Krankheit nicht oder nicht lange genug mit Antibiotika behandelt wurde. Dazu gehören häufig Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und Entzündungen der Nebenhöhlen. Seltener, aber besonders gefährlich ist das akute rheumatische Fieber, das bleibende Schäden an Herz, Nieren und Gelenken hinterlassen kann.

Bildergalerie: So sieht Scharlach aus

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Wie wird Scharlach behandelt?

Wenn die Diagnose durch die Symptome und einen Rachenanstrich gesichert ist, wird der Arzt als Behandlung die Einnahme von Antibiotika verschreiben, und zwar für zehn Tage. Die Therapie muss unbedingt diese zehn Tage lang eingehalten werden, auch wenn das Kind schon völlig gesund wirkt, sonst besteht das Risiko für Rückfälle und Spätfolgen.

Bei Scharlach-Streptokokken immer Antibiotika - muss das sein?

Das kommt darauf an, ob das Kind Symptome hat oder nicht. Werden zum Beispiel bei einem Rachenabstrich Streptokokken Typ A gefunden, der Patient zeigt aber keine Symptome, dann empfiehlt das Robert-Koch-Institut, keine Antibiotika zu geben. Zeigt das Kind aber deutliche Scharlach-Anzeichen und hat entsprechende Streptokokken im Abstrich, dann sollte es gleich mit Antibiotika behandelt werden, und zwar ausreichend lange (siehe oben). Und das auch notfalls mehrere Male hintereinander, wenn es sich mehrfach mit Scharlach ansteckt. Die Gefahr von schweren Spätschäden durch eine nicht behandelte Scharlach-Infektion wäre sonst zu groß.
Manchmal hört man die Empfehlung, ein Kind Scharlach ohne Antibiotika durchmachen zu lassen, weil es dann fürs Leben gegen Scharlach immun werde. Das ist ein Ammenmärchen. Ganz abgesehen davon, dass man sein Kind der Gefahr von schweren Spätschäden aussetzen würde: Auch nach einer durchgemachten Erkrankung ist das Kind nur gegen einen von mehreren Scharlach-Erregern immun, eine Infektion kann also auch bei ihm jederzeit wieder auftreten.

Wie kann man sich vor einer Infektion schützen?

Eine Impfung gegen die Krankheit gibt es nicht. Deshalb bleibt nur, sich von Erkrankten möglichst fern zu halten, sich die Hände häufig, gründlich und mit Seife zu waschen und möglichst auch keine Gegenstände gemeinsam zu benutzen.
Es ist auch nicht notwendig, Menschen, die mit Kontakt mit Scharlach-Patienten hatten, vorbeugend Antibiotika zu geben. Ausnahme: Personen, die an einer schweren Grunderkrankung oder Abwehrschwäche leiden.
Hier mehr dazu, wie Eltern vermeiden, selbst krank zu werden.

Wie gefährlich ist Scharlach in der Schwangerschaft?

Im Gegensatz etwa zu Röteln birgt eine Infektion mit Scharlach in der Schwangerschaft grundsätzlich keine Gefahr für das ungeborene Baby, es sind auch keine Fehlgeburten oder Schädigungen zu erwarten. Allerdings sollte eine Schwangere bei Symptomen zügig mit einem Medikament behandelt werden, das gegen die Streptokokken wirkt und in der Schwangerschaft eingenommen werden darf. Es wird der schwangeren Frau und dem Baby nicht schaden.

Wann darf ein Kind nach einer Scharlach-Infektion wieder in die Kita oder Schule?

Betroffene Kinder oder Jugendliche dürfen nicht in den Kindergarten oder in die Schule, bis die Ansteckungsgefahr vorbei ist. Wann es soweit ist, darüber entscheidet der Kinderarzt. Als Faustregel gilt, dass ein Kind nicht mehr ansteckend ist, wenn es einen Tag Antibiotika bekommen hat. Die Eltern müssen die Einrichtung über die Erkrankung ihres Kindes informieren.

Video: Wie kann ich meinem Kind bei Scharlach helfen?

Von:Christine Brasch