Kinderbetreuung
Deutschland nur Mittelmass bei der Förderung von Kindern

Geben wir unseren Kindern von klein an die bestmögliche Kinderbetreuung? Anscheinend nicht. Nach einer UNICEF-Studie ist Deutschland, was die Betreuung und Förderung von Kindern in Kindergärten und Kindertageseinrichtungen angeht, nur Mittelmaß.

Kinderbetreuung: Deutschland nur Mittelmass bei der Förderung von Kindern

In der UNICEF-Studie wurden 25 Industrieländer anhand von zehn Mindestkriterien unter die Lupe genommen. Sie sollen Auskunft darüber gebe, ob und wie die Länder Vorraussetzungen geschaffen haben, um die besonderen Chancen der frühkindlichen Förderung bei der Kinderbetreuung zu nutzen. Nur Schweden schaffte die volle Punktzahl, gefolgt von anderen skandinavischen Ländern. Deutschland erreichte lediglich fünf der Kriterien und ist damit im Mittelfeld. Bemängelt wurden in Deutschland unter anderem die Ausbildung und Bezahlung der Erzieherinnen, die hohe Kinderarmut, die zu geringen öffentlichen Investitionen für Kitas - und dass nicht alle Kinder Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung haben.
In der UNICEF -Studie wird ausdrücklich darauf hingewiesen, wie wichtig eine frühkindliche Förderung für die soziale, emotionale und sprachliche Entwicklung der Kinder ist. Hier kann die soziale Benachteiligung gemildert werden und eine Basis für das schulische Lernen gelegt werden.

Die zehn Kriterien

  • ein Jahr Elternzeit nach der Geburt bei mindestens 50 Prozent des Einkommens
  • 50 Prozent der Mitarbeiter in Kindergärten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung in diesem Bereich
  • ein Mindestpersonalschlüssel von 1 zu 15
  • ein nationaler Aktionsplan mit Priorität zur Förderung benachteiligter Kinder
  • ausreichende öffentliche Investitionen (ein Prozent des Bruttonationaleinkommens für Kindergarten/Kindertageseinrichtungen)
  • eine niedrige Kinderarmutsrate von unter 10 Prozent
  • ein staatlich geförderter Kindergartenbesuch für 25 Prozent der Kinder unter drei Jahre
  • 80 Prozent der Kinder ab vier Jahren haben Zugang zu anerkannten und öffentlich geförderten Kindergärten
  • Alle Kinder haben Zugang zu medizinischen Grunddiensten
  • die Standards für Ausbildung und Bezahlung an Mitarbeiter in Kindergärten werden angehoben

Ursula von der Leyen will eine bessere Kinderbetreuung

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertete die Ergebnisse der Studie als wenig überraschend. "Das Zeugnis der UNICEF bescheinigt uns Mittelmaß, weil wir in einigen Feldern sehr gut aufgestellt sind und in anderen besser werden müssen." Die Ergebnisse lieferten starke Argumente, "beim Ausbau einer guten Kinderbetreuung hartnäckig zu bleiben", sagte Leyen der "Rheinischen Post" (Freitag, 12.12.08).
Die Ministerin fügte hinzu: "Besser werden müssen wir unbedingt bei der Betreuung von kleinen Kindern und bei der Qualifizierung von Tagesmüttern und Erziehern." Leyen verwies darauf, dass das Gesetz zum Ausbau der Kinderbetreuung auch Kinderarmut bekämpfe. Eltern, insbesondere Alleinerziehende, könnten nur ein Einkommen erzielen, wenn sie eine flexible Kinderbetreuung zur Verfügung hätten

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Von:Michaela Müller/ddp