Kindergarten
Mein Kind weint beim Abschied - was tun?

Welche Eltern kennen das nicht: Ihr Kind weint beim Abschied und will sich nicht von Ihnen trennen. Dürfen Sie trotzdem einfach gehen? Oder ist es besser Ihr Kind wieder mit nach Hause zu nehmen. Der Verhaltensforscher Dr. Fritz Jansen weiß Rat.

Kindergarten: Mein Kind weint beim Abschied - was tun?

Wie reagiere ich richtig, wenn mein Kind beim Abschied im Kindergarten weint?
Dr. Fritz Jansen: Ganz wichtig: Trotzdem gehen! Und die Erzieherin später fragen, wie lange Ihr Kind geweint hat. Bis zu zehn Minuten ist alles unproblematisch.

Aber wie kann ich sicher sein, dass mein Kind keinen seelischen Schaden dabei nimmt?
Sie wissen, dass der Weg stimmt, wenn Ihr Kind von Tag zu Tag ein bisschen weniger weint. Bis zu zehn Minuten weinen bedeutet, dass das Kind nicht in Nöten ist, sondern sich noch eine Extraportion Zuwendung von den Eltern holt. Vertrauen Sie Ihr Kind daher dem Kindergarten an, und warten Sie ab: Zwischen zwei Tagen und vier Wochen hört Ihr Kind auf zu weinen.

Was ist, wenn das Kind aber stets länger als zehn Minuten weint?
Dann hat es vermutlich Angst, selbst wenn sie in der Regel unbegründet ist. Auch dieses Kind muss unbedingt ohne Mama im Kindergarten bleiben, damit es erfahren kann: Es passiert gar nichts Schlimmes!

Was passiert, wenn ich das nicht übers Herz bringe, und ich es oft wieder mit nach Hause nehme?
Eltern, die ihr Kind in dieser Situation schützen wollen, nehmen ihm die Chance, dass es seine Angst verlieren kann, in dem es erkennt, dass sie unbegründet sind. In diesem Fall trägt das Kind vermutlich tatsächlich einen psychischen Knacks davon.

Hören denn alle Kinder spätestens nach etwa vier Wochen auf zu weinen?
Nein, es gibt noch eine dritte Gruppe, die das Problem allein nicht lösen kann. Das kommt zwar nicht so oft vor, aber es ist ganz wichtig, dass diese Kinder professionelle Unterstützung bekommen. Es ist möglich, dass sich das Kind vor wirklich bedrohlichen Situationen fürchtet, die von außen niemand mitbekommt.

Und lässt sich so etwas im Gespräch mit dem Kind lösen?
Leider nicht. Kindergartenkinder können ihre Probleme noch gar nicht in Worte fassen. Deshalb muss sich der Profi die Sache vor Ort angucken, also wirklich so viel Zeit im Kindergarten verbringen, bis er weiß, was los ist.

Welche Situationen sind denn typisch, wenn der Kindergarten einem Kind Angst macht?
Oft wird das Kind ausgegrenzt. Wir haben sogar schon erlebt, dass Kinder im Kindergarten Taschengeld abgeben mussten. Häufig ist aber das Kind, das Angst hat, selbst das Problem. Dann gilt es, herauszufinden, warum es sich selbst die Schwierigkeiten in der Gruppe verschafft und mit ihm so zu arbeiten, dass es sein Verhalten ändern kann.

Von:Anke Leitzgen