Kindergartenbeitrag
Was kostet ein Kindergarten-Platz?

Kinder zur Schule zu schicken, kostet nichts. Der Kindergarten hat auch einen Bildungsauftrag, aber hier hat die Politik sich anders entschieden und bittet die Eltern mit Kindergartenbeiträgen zur Kasse. Mal mehr und mal weniger. Wo Sie hinziehen müssen, um nichts für den Kindergarten zu zahlen, lesen Sie in unserem Artikel.

Kindergartenbeitrag: Was kostet ein Kindergartenplatz?
© Thinkstock - Jose luis Stephens

Kindergarten, Kita, Tagesmutter oder Großeltern?

Jede Familie entscheidet für sich selbst, welche Betreuungsform und zu welchem Zeitpunkt sie die Kinderbetreuung für ihr Kind in Erwägung zieht. Dabei sind Kriterien wie die finanzielle Situation, die Rückkehr in den alten Job, aber auch der Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes für eine Entscheidung wichtig. Manche Familien werden durch die Großeltern bei der Kinderbetreuung unterstützt, andere suchen sich beizeiten eine Tagesmutter oder entscheiden sich für einen Kindergarten. Die Frühförderung von Kleinkindern ist entscheidend für den späteren schulischen Erfolg oder Nichterfolg. Das heißt nicht, dass ein Kindergartenkind bereits Yogakurse belegt oder Chinesisch lernt. Das soziale Miteinander im Kindergarten ist Herausforderung genug für die Kinder. Kinder lernen von anderen Kindern deutlich effektiver. Gerade für Migrationskinder ist der Kindergarten eine tolle Chance sich früh zu integrieren in die neue Gesellschaft. Zu dem erleben sie im Spiel mit anderen Kindern im Kindergarten eine vorurteilsfreie Zone. Gerade die sprachliche Entwicklung ist für Kinder aus anderen Kulturen entscheidend besser durch den Besuch einer Kita.

Wonach richten sich die Kindergartengebühren?

Die Höhe des Kindergartenbeitrags variiert je nach Bundesland, Kommune und Träger. Zusätzlich spielt das Alter des Kindes, die Betreuungsform und die Betreuungszeit eine Rolle bei der Höhe der Gebühren. Allgemein lässt sich sagen, dass der Kindergartenbeitrag für private Kindergärten höher liegt als der Kindergartenbeitrag für kommunale Kindergärten. Kommunale Kindergärten werden zu 100 Prozent aus öffentlichen Geldern finanziert. Die Zuschüsse des Bundes und der Kommunen sind nur unterschiedlich hoch. Somit ist der Wohnort ganz entscheidend für die Höhe der Kindergartengebühr.

Wer blickt denn da noch durch?

Die Kommunen versuchen Eltern nach ihrer Leistungsfähigkeit an den Betreuungskosten zu beteiligen. Einige setzen Einkommensstufen fest, andere richten sich nach dem Netto- oder Bruttoeinkommen. Dadurch sind komplizierte Rechenmodelle entstanden, die sich nur schwer nachvollziehen lassen.

Welche Betreuungskosten entstehen, wenn ich mein Kind in einen Kindergarten gebe?

Die Kindergarten-Kosten teilen sich in Betreuungs- und Verpflegungskosten auf:

  • Die Betreuungskosten unterteilen sich dabei noch mal in Betreuungsgrundsatzkosten und Betreuungszusatzgebühren.
  • Die Betreuungsgrundsatzkosten decken die Betreuung eines Kindes während der Regelöffnungszeiten des Kindergartens ab.
  • Die Betreuungszusatzgebühren werden für besonders frühe oder späte Betreuungszeiten fällig, wenn die Eltern im Früh- oder Spätdienst tätig sind und deshalb gesonderte Betreuungszeiten in Anspruch nehmen müssen.
  • Die Verpflegungskosten decken eine Milch- und Getränkemahlzeit, sowie die Teilnahme am Kindergartenessen ab.

Zusätzliche Kosten kann eine Kita für z.B. besonders gesundes Essen erheben, aber auch für Bastelmaterial oder ein spezielles Angebot, wie die musikalische Früherziehung. Jeder Kindergarten legt die Höhe dieser Zusatzkosten selber fest.
 

Welche Einkünfte müssen Sie bei der Berechnung des Kindergartenbeitrags angeben?

Sobald Sie Ihr Kind in einer Kita anmelden wollen, benötigt das Jugendamt einen Nachweis des Familieneinkommens zur Berechnung des Elternbeitrags. Folgende Einkünfte werden hierbei miteinberechnet:

  • Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit
  • Einkünfte aus selbstständiger oder freiberuflicher Arbeit
  • Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung sowie Kapitalvermögen
  • Erhaltene Unterhaltsleistungen
  • Rente
  • Leistungen nach dem Arbeitsförderungsgesetzt inklusive Krankengeld
  • Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld

In der Regel wird das Bruttoeinkommen des letzten Kalenderjahres der gesamten Familie  als Grundlage für die Berechnung des Elternbeitrages herangezogen. Sollte das Einkommen sich für das beantragte Kindergartenjahr deutlich ändern, so wird für die Berechnung das Zwölffache des letzten Monatseinkommens verwendet. Finanzielle Änderungen zum Vorjahr können sich schnell ergeben, wenn z.B. das Elterngeld über zwei Jahre bezogen wird und somit beim Kindergarteneintritt mit einem Jahr, ein Elternteil noch ein Jahr lang verringerte Einkünfte bezieht. Oder Sie werden nach dem Wiedereinstieg in den Job befördert und erhalten nun ein höheres Gehalt. Nach steuerlichem Abschluss des Jahres erfolgt rückwirkend eine Prüfung des Jugendamtes anhand des Steuerbescheids, ob die angegebenen Einkünfte auch den tatsächlichen entsprachen. Das ist vor allem bei Selbstständigen wichtig, da hier oft nur eine Schätzung der Einkünfte abgegeben werden kann. Nachzahlungen oder auch Rückzahlungen sind die Folge.

Private Kindergärten

Der Kindergartenbeitrag für private Kindergärten liegt oft höher als die Gebühr für kommunale Kitas. Private Kindergärten werden von freien Trägern unterhalten. Bekannte Träger sind Caritas, das Rote Kreuz, aber auch Elterninitiativen. Eine Einkommensstaffelung für den Elternbeitrag ist hier nicht immer gegeben. Private Kindergärten finanzieren sich auch teilweise aus öffentlichen Mitteln, aber auch Spenden, Sponsoren und Mitgliederbeiträgen. Um eine genaue Kostenaufstellung zu erfahren, wenden Sie sich direkt an die Leitung oder den Träger der Einrichtung.

Kindergartenbeitrag steuerlich absetzen

Die Kosten für die Kinderbetreuung können als Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung zu zwei Dritteln und bis zu einer Höhe von 4.000 Euro pro Kind und Jahr geltend gemacht werden.
Für Familien mit nur geringem Einkommen lohnt sich in jedem Fall die Nachfrage beim Jugendamt nach Ermäßigungen für die Kinderbetreuungskosten.

Kosten für Kindergartengebühren im Unterhaltsrecht

In den Unterhaltsbeiträgen sind die Kinderbetreuungskosten nicht enthalten. Die Betreuungskosten für den Kindergarten können als Mehrbedarf geltend gemacht werden.  Dabei muss beachtet werden, dass die Verpflegungskosten nicht als Mehrbedarf gelten, sondern lediglich die Betreuungskosten.
Die Unterhaltsverpflichteten beteiligen sich zusätzlich zum Unterhalt an den Elternbeiträgen für den Kindergarten. Anteilig zum Einkommen der beiden Eltern werden die Kosten aufgeteilt. Jedes Elternteil hat Anspruch auf einen Selbstbehalt von ca. 1000 Euro. Sollte ein Elternteil einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen und der andere ein dementsprechend höheres Einkommen haben, muss der Geringverdiener gar nichts an Betreuungskosten zahlen.
Nur die Verpflegungskosten werden dabei nicht berücksichtigt.
 
Allgemein lässt sich sagen, ist erst mal der Kindergarten der Wahl gefunden worden, so erfahren Sie über die Internetwebsite des Kindergartens oder über die Website der jeweiligen Stadt, welche Gebühren dafür anfallen.

Deutschlandweite Studie zu Kindergartenbeiträgen

Die Ergebnisse der Studie "Kindergartenmonitor 2010" (Auftraggeber dieser Studie sind die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und die Zeitschrift ELTERN) offenbaren erhebliche und teilweise nicht nachvollziehbare Unterschiede bei den Elternbeiträgen in Deutschland.
Im Folgenden finden Sie aus dieser Studie zu allen Bundesländern und den 100 größten Städten Deutschlands eine kleine Karte und Tabelle zu den Kindergartenbeiträgen in der jeweiligen Region:

In neun deutschen Städten sind Kindergärten kostenlos

Neun Städte bieten für alle untersuchten Modellfälle Beitragsfreiheit:

  • Düsseldorf
  • Hanau
  • Heilbronn
  • Kaiserslautern
  • Koblenz
  • Ludwigshafen
  • Mainz
  • Salzgitter
  • Trier

Im ersten Kindergartenmonitor von 2008 war Heilbronn die einzige Stadt, die Beitragsfreiheit für alle drei Kindergartenjahre gewährte.

Von: Biona Schütt
ELTERN Abo