Kindergartengebühren
Alles drin von 0 bis 1752 Euro!

Der Abstand zwischen Bremen und Düsseldorf beträgt 239 Kilometer - Luftlinie. Wenn es aber um Kindergartengebühren geht, dann liegen Welten zwischen den beiden Städten: 1752 Euro für den Halbtagsplatz müssen Eltern für ein Kind pro Jahr in Bremen zahlen. Düsseldorfer Eltern sparen sich dieses Geld - der Kitaplatz dort ist kostenlos.

Kindergartengebühren: Alles drin von 0 bis 1752 Euro!

Grundsätzlich gilt: Die Höhe des Kindergartenbeitrags ist eine politische Entscheidung. Welche politischen Motive in Düsseldorf und Bremen zu den gegebenen Umständen führen, dazu sprachen wir mit örtlichen Vertretern.

Düsseldorf

Michael Bergmann, Sprecher der Stadt Düsseldorf für soziale Belange und Vater zweier Kinder im Alter von 7 und 12 Jahren:

"Seit dem Kitajahr 2009/2010 sind Kindergartenplätze in Düsseldorf kostenlos. Düsseldorf will sich als Familienstadt profilieren und für junge Familien attraktiv sein. Kostenlose Kitaplätze sind da ein zusätzlicher Anreiz und ein weicher Standortfaktor für die Stadt. Wir freuen uns auch, dass wir jedem Kind, dass einen Kitaplatz in Düsseldorf benötigt, auch einen Platz anbieten können. Dazu passt, dass entgegengesetzt zum Trend im Ruhrgebiet, in Düsseldorf die Einwohnerzahlen steigen und die Geburtenrate relativ hoch ist.

Die Kosten für einen Kitaplatz waren bislang stark nach Buchungszeit und Einkommen gestaffelt. Trotzdem waren gut 70 Prozent der Eltern von den Kitagebühren befreit, weil sie die Einkommensuntergrenze von 24542 Euro Brutto-Einkommen im Jahr unterschritten haben. Die kostenlosen Kindergartenplätze kosten die Stadt im Jahr ungefähr 20 Millionen Euro. Eltern sparen sich heute zwischen 33 Euro im Monat bis hin zu 370 Euro im Monat für einen Ganztagsplatz in der höchsten Einkommensgruppe.

Ein Problem haben wir im Moment aber: Kinder aus Nachbargemeinden werden jetzt teilweise auch in Düsseldorfer Kitas angemeldet, weil bei uns die Plätze kostenlos sind. Außerdem dürfen Eltern, die nicht in Düsseldorf wohnen aber hier arbeiten, auch ihre Kinder in die städtischen Kitas bringen - und zahlen jetzt ebenfalls nichts."

Bremen

Dr. Petra Kodr, Sprecherin der Bremer Senatorin für Soziales und Mutter zweier Kinder im Alter von 12 und 14 Jahren:

Was die Höhe der Kindergartenbeiträge in Bremen angeht, so gibt es von Seiten der Eltern bislang keine Beschwerden. Schwierig wird es aber, was die Betreuung der unter 3-Jährigen und das Angebot an Ganztagsplätzen betrifft. Bei diesen Themen erreichen uns von Eltern durchaus Beschwerden, weil das Angebot hier noch nicht ausreicht. Da müssen wir in Bremen noch aufholen.

Angesichts der knappen Haushaltslage werden wir die Beiträge aber nicht senken können. Denn hätten wir die Einnahmen aus den Kindergartengebühren nicht, würde der Ausbau der Kinderbetreuung noch langsamer voranschreiten und das ist nicht im Interesse der Eltern.

Ich kann verstehen, dass es Eltern als ungerecht empfinden, wenn es Kommunen gibt, in denen die Kindergartenplätze kostenlos sind und andere, die Gebühren erheben. Für eine Familie mit mittlerem Einkommen sind 150 Euro im Monat für den Kindergartenplatz viel Geld. Und gerade in Bremen gibt es viele Familien, die wenig Geld haben.

Deshalb zahlen auch über 50 Prozent der Eltern nur den Mindestbeitrag. Verdient eine Familie aber mehr, dann werden die Plätze auch teurer, wie es die Untersuchung zeigt. Denn auch wir staffeln unsere Beträge nach dem Einkommen und der Buchungszeit.

Elternvertreter Bremen

Hans-Gerhardt Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Gesamtelternbeirats von Kita Bremen:

"Bremen hat in den letzten Jahren viel für den Kitaausbau getan. Aber das Geld reicht hinten und vorne nicht. Es stimmt aber auch nicht, dass wir als Eltern uns nicht über die hohen Kita-Gebühren beschwert hätten. In Bremen steigt die Progression sehr schnell und sehr steil an. Das führt dazu, dass die mittleren Einkommensgruppen, also Familien, die zwischen 35 000 und 50 000 Euro Brutto-Jahresgehalt zur Verfügung haben, in besonderem Maße durch die Kindergartengebühren belastet werden. Das Ergebnis der Untersuchung hat mich daher nicht überrascht.

Für einen Ganztagesplatz müssen diese Familien bis zu 10 Prozent ihres Nettoeinkommens aufwenden und das ist richtig viel. Hier sehe ich eine große Ungerechtigkeit. Uns als Elternvertreter ist das auch zuviel, aber wenn man die Sozialbehörden darauf anspricht, bekommt man immer nur die eine Antwort: "Es ist kein Geld da."

Unserer Meinung nach gehört aber mehr Geld in diesen sozialen Bereich, denn an ihn werden von politischer Seite auch immer höhere Anforderungen gestellt: Ganztagesplätze, Betreuung der unter 3-Jährigen, diese politisch richtigen Zielsetzungen kosten aber auch Geld."

Von:Dagmar Fritz