Krise im Kindergarten
Da geh ich nie mehr hin!

Die erste Zeit im Kindergarten verläuft bestens. Doch plötzlich streikt das Kind morgens und will nicht mehr hingehen. Es gibt gute Gründe, woran das liegen kann aber auch Möglichkeiten, wie Eltern ihre Kinder motivieren können.

Oft kommt die Krise mit Verzögerung. Warum?

Krise im Kindergarten: Da geh ich nie mehr hin!
© Corbis

Weil die ersten Tage noch zu aufregend sind, um darüber nachzudenken, was alles um einen herum passiert und was oder wer einem nicht gefällt. Nach einigen Wochen ist der Reiz des Neuen verflogen - ohne dass das Kind seinen Platz in der Gruppe schon gefunden hätte. Die Aufregung weicht - Unsicherheit und Protest macht sich breit. Manchmal lösen auch zu hohe Erwartungen eine Krise aus. Dann ist das Kind enttäuscht - vom Kindergarten oder von sich selbst. Letzteres kann passieren, wenn Erwachsene einem Dreijährigen das Bild vom "großen Kindergartenkind" in zu bunten Farben geschildert haben, das Kind jedoch bald merkt, dass es diesen Erwartungen nicht entsprechen kann, weil es sich in der neuen Umgebung eher klein und unsicher fühlt.

Die Frischlinge beginnen jedenfalls erst langsam zu realisieren, wie sehr sich ihr Leben ändert uns sie nun eine festen Wochenplan haben. Sie stellen fest, dass ihre Mutter nicht mehr - wie gewohnt - jederzeit verfügbar ist, sondern plötzlich eigene Wege geht, wenn sie zum Beispiel nach der Elternzeit wieder in ihren Beruf einsteigt. Manche Kinder bekommen aber auch die Krise, weil das kleine Geschwisterchen zu Hause bleiben kann, während sie in den Kindergarten gehen müssen. Sie sind schlicht und ergreifend eifersüchtig, wenn nicht sie, sondern Bruder oder Schwester die Mutter für sich alleine hat.

Wie finde ich heraus, wo mein Kind der Schuh drückt?

Gar nicht so einfach. Denn die Frage, wie es im Kindergarten war, wird häufig mit hartnäckigem Schweigen beantwortet. Den meisten Kindern muss jedes Wort einzeln aus der Nase gezogen werden. Das ist nachvollziehbar, schließlich reden sie ja im Kindergarten die ganze Zeit. Zwei weitere gute Gründe zu schweigen: Die vielen Eindrücke sind noch nicht verarbeitet, oder es sind Dinge passiert, die schon einem Dreijährigen peinlich sind. Anlässe gibt es genug: Ein Glas umschütten, ein Wort falsch aussprechen, im falschen Moment weinen. Nachbohren bringt wenig. Am ehesten erfährt man als Erwachsener etwas, wenn man nicht ständig fragt, sondern erzählt, was man selbst den Tag über so getrieben hat. Oder wenn man ein paar Sätze mit der Erzieherin wechselt. Vielleicht finden Sie so heraus, was Ihr Kind bedrückt. Die Gründe erscheinen uns Erwachsenen oft banal, aber einem Kind können sie schwer im Magen liegen. Zum Beispiel, wenn es

  • im Kindergarten etwas kaputt gemacht hat und sich deshalb vor Strafe fürchtet;
  • zweimal aus der Puppenecke vertrieben wurde, weil die "Vater-Mutter-Kind-Familie" schon komplett war;
  • sich weder traut, allein aufs Klo zu gehen, noch wagt, die Erzieherin zu bitten, ihm den Po abzuputzen.