Fit für die Schule
 
Ist unser Kind schulreif?

Auch Kinder, die nach dem Einschulungsstichtag geboren wurden, können im neuen Schuljahr eingeschult werden. Entscheidend ist, ob das Kind schulreif ist. Oft ist es für Eltern schwierig zu entscheiden, ob sie die Möglichkeit zur vorzeitigen Einschulung nutzen sollen. Hier finden Sie Rat.

Fit für die Schule: Ist unser Kind schulreif?
Corbis

Eltern mit einem sogenannten Kann-Kind stehen vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen sie es vorzeitig einschulen oder ihm noch ein Jahr im Kindergarten gönnen?
Kann-Kinder sind all jene, die nach einem bestimmten Stichtag sechs Jahre alt werden. Diese Stichtage sind je nach Bundesland unterschiedlich. In vielen Bundesländern ist es der 30. Juni. Wer vorher sein sechstes Lebensjahr vollendet hat, muss ab Spätsommer in die Schule, wer nach dem Stichtag geboren wurde, kann eingeschult werden.
Aber wann ist ein Kann-Kind schulreif?

Ist ein Kind schulreif, sollte es folgendes können

Im letzten Kindergartenjahr können Kinder kleine Defizite ausgleichen
  • Eine Stunde lang stillsitzen.
  • Sich gut konzentrieren.
  • Enttäuschungen aushalten und eigene Wünsche zurückstellen.
  • Eine kleine Geschichte korrekt nacherzählen.
  • Einfache Formen, Buchstaben und Zahlen nachmalen.
  • Einfache Dinge basteln, mit Schere und Klebstoff umgehen.
  • Sich ohne Probleme auch für mehrere Stunden von seinen Eltern trennen.
  • Fehlerfrei sprechen.
  • Sich komplett an- und ausziehen und allein zur Toilette gehen.

Eltern, die unsicher sind, können ihr Kind einen Schuleignungstest machen lassen, wie ihn zum Beispiel Erziehungsberatungstellen anbieten (wer sonst noch prüft, ob Ihr Kind schulreif ist, erfahren Eltern in der Regel im Schulsekretariat oder beim Schulpsychologen). Dort nehmen mehrere Kinder an einem Probeunterricht teil. Die Psychologen achten darauf, ob die Kinder die oben genannten Kriterien erfüllen. Sie testen nicht nur, ob die Fünfjährigen auf Bildern fehlende Linien ergänzen, Details erkennen und Äpfel, Würste und Nüsse zählen können, sie registrieren auch genau, wie kooperativ sie sich beim Spielen verhalten und ob sie sich mit Augenkontakt verabschieden oder nicht.

Es kann sein, dass sie einem Kind das Zeugnis ausstellen, aufgeweckt und sozial kompetent zu sein und dennoch den Eltern raten, sich das mit der Einschulung noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen - wenn zum Beispiel zwei Aufgaben auf dem Testbogen nicht richtig gelöst sind und eine leichte feinmotorische Schwäche sichtbar ist. Sie werden den Eltern dann wahrscheinlich sagen: Ihr Kind kann durchaus jetzt schon in die Schule. Aber in einem weiteren Kindergartenjahr könnte es die kleine Schwäche bestimmt aufholen und würde dann auf der Schule sicher noch weniger Probleme haben.

Schwierigkeit: Soziale Kompetenz

Zweifel kann kein Eignungstest ausräumen

Das Problem bei der frühen Einschulung ist nicht die intellektuelle Leistung, sondern die soziale Kompetenz. Sich in einer Klasse von 25 bis 30 Kindern zu behaupten, ist nicht leicht. Dazu braucht ein Kind eine gewisse innere Sicherheit und Selbständigkeit. Spätestens in der dritten Klasse beginnt ein Leistungsdruck, dem sehr junge Kinder oft nicht gewachsen sind. Wenn es darum geht, Aufgaben zu lösen, brauchen früh eingeschulte Kinder oft die gesamte vorgegebene Zeit. Die Älteren haben zwischendurch ein paar Minuten Verschnaufpause. Die fehlt den Jüngeren, und dadurch wird die Schule für sie sehr anstrengend.

Es ist für die Seele eines Kindes sehr viel weniger belastend, ein Jahr später eingeschult zu werden, als irgendwann eine "Ehrenrunde" drehen zu müssen. Ein Kind, das bei der Einschulung über eine gewisse innere Stabilität verfügt, wird sich die gesamte Schulzeit über leichter tun.

Unter Pädagogen und Psychologen ist die Auffassung weit verbreitet, dass die jüngsten Kinder einer Klasse in der Grundschule schlechter mitkommen als die älteren. Und sie wird durch die meisten Untersuchungen gestützt: So kam etwa eine Studie der Essener Bildungsforscherin Gabriele Bellenberg zu dem Ergebnis, dass vorzeitig eingeschulte Kinder bis zur zehnten Klasse fast doppelt so häufig sitzen bleiben wie regulär eingeschulte Kinder. Frühes Scheitern, da sind sich die meisten Experten einig, wirkt sich langfristig oft sehr negativ auf die Schulleistungen aus.

Eltern wollen ihrem Kind dieses Gefühl natürlich ersparen. Andererseits überlegen sie: Wenn es nun aber doch gut durchkommt, dann hätte es später ein Jahr gewonnen.

Diese Zweifel kann kein Eignungstest wirklich ausräumen. Was oder wer dann? Am ehesten wohl die Person, die - außer den Eltern - das Kind am besten kennt: die Erzieherin. Sie hat es zwei oder drei Jahre lang in der Gruppe erlebt und kann meist sehr genau beurteilen, wie weit Fein- und Grobmotorik entwickelt sind, wie konzentriert es Aufgaben lösen kann.

Und natürlich sollte das Kind selbst ein Wörtchen mitreden. Hat es überhaupt Lust, schon auf die Schule zu gehen? Oder würde es sich als ältestes Kind im Kindergarten vielleicht ein Jahr lang zu Tode langweilen? Für ein groß gewachsenes Mädchen, das in der Bau- und Puppenecke ohnehin schon immer die Bestimmerin war, ist ein weiteres Jahr im Kindergarten wahrscheinlich nicht empfehlenswert. Eher schon für den kleinen, schüchternen Jungen, der sich als Ältester in seiner Gruppe dann endlich mal als "Großer" fühlen und Selbstvertrauen tanken könnte.

Diese Produkte könnten Sie interessieren:
Ein großer Tag - Die Einschulung!
Wie die Zeit vergeht - schon steht der 1. Schultag an! Lade Freunde und Verwandte zu diesem besonderen Moment ein. Persönliche Karten sind ganz einfach bei uns im ELTERN Grußkarten-Shop selbst gestaltet.