Ernährung
 
Achtung, Schwangere: Vorsicht vor Lakritz!

Nein, hier geht es nicht um eine einzelne genaschte Lakritzschnecke, sondern um den regelmäßigen Verzehr von viel Lakritz in der Schwangerschaft. Der kann weitreichende Folgen für das Ungeborene haben, so eine neue Studie finnischer Forscher. Aber wie viel ist zu viel?

Lakritz und Süßholz
iStock, fotograv

Ist schon ein toller Stoff, der Saft der Süßholzwurzel: Er schmeckt lecker nach Lakritz, wirkt schleimlösend bei Erkältungen und lindernd bei Magenbeschwerden. Leider hat der Wirkstoff mit dem Zungenbrechernamen Glycyrrhizin, der den Saft so heilsam macht, auch schwerwiegende Nebenwirkungen. In größeren Mengen gegessen kann er Bluthochdruck fördern und in der Schwangerschaft offenbar dem ungeborenen Baby schaden.
Eine wichtige Studie kam schon 2010 aus Finnland, federführend war dabei Katri Räikkönen von der Universität von Helsinki mit ihrem Team. Das Ergebnis damals: Kinder von Frauen, die während der Schwangerschaft pro Woche mehr als 100 Gramm Lakritz verzehrten, litten später eher unter Verhaltens- und Konzentrationsproblemen.

Geringere Intelligenz, frühere Geschlechtsreife

Nun hat die Forschergruppe die selben 378 Kinder noch einmal untersucht – sie sind inzwischen 12 Jahre alt. Dafür wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Die Kinder der Lakritz-Verächterinnen (Die Mütter hatten zwischen 0 und 250 mg Glycyrrhizin in der Woche zu sich genommen) und die Kinder der Lakritz-Liebhaberinnen. (Diese Mütter hatten viel mehr, nämlich mindestens 500 mg Glycyrrhin wöchentlich zu sich genommen.)
Das Ergebnis war eindeutig: Die Kinder der Lakritz-Liebhaberinnen hatten ein dreimal so hohes ADHS-Risiko und sie schnitten beim IQ- und beim Gedächtnis-Test schlechter ab. Die Mädchen waren im Durchschnitt 8 kg schwerer als ihre Altersgenossinnen der ersten Gruppe, und bei 60 % hatte die Pubertät schon eingesetzt. Das war nur bei 40 Prozent der Lakritzverächterinnen-Töchter so. Auf die Reife der Jungen hatte sich der Lakritzkonsum der Mütter dagegen nicht ausgewirkt.
Über welchen Mechanismus der Genuss von Lakritz dem Ungeborenen schaden kann, darüber können die Forscher bisher nur Vermutungen anstellen. Wahrscheinlich bekommt das ungeborene Kind ein Übermaß am Stresshormon Cortisol aus dem mütterlichen Blut, was sich auf die Gehirnentwicklung auswirkt.

Und was heißt das jetzt für die Praxis?

Muss eine Schwangere sich Sorgen machen, weil sie in der Schwangerschaft mal eine Handvoll Lakritzkonfekt gegessen hat? Sicher nicht. Bei dieser Untersuchung hatten ja die Kinder der Mütter, die bis zu 250 mg Glycyrrhizin in der Woche zu sich genommen hatten, keine Symptome gezeigt. Umgerechnet wären das etwas mehr als 100 g normale deutsche Lakritze. (Zur Erklärung: Normale deutsche Lakritze, etwa Lakritzschnecken, darf maximal 200 mg Glycyrrhizin pro 100 g enthalten. Bei höheren Konzentrationen muss das Produkt als "Stark-Lakritze" gekennzeichnet sein.)
Das Forscherteam hat aber auch keinen Schwellenwert nennen können, bis zu dem Lakritz in der Schwangerschaft in Ordnung ist. Wer also bei der Ernährung in der Schwangerschaft auf Nummer sicher gehen will, sollte lieber auf Lakritze verzichten. Und gleich auch auf Tees, Tropfen und andere Heilmittel mit Süßholz, denn sie enthalten zum Teil noch mehr Glycyrrhizin als Lakritz.