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Die gute Mutter – Abschied von einem Klischee

Von Anna, die mit Berlinmittemom einen Berliner Mama Blog mit Blick über den Tellerrand betreibt.

Was ist das: die gute Mutter? Eine, die sich aufopfert? Eine, die immer alles richtig macht? Eine, die nur liebevoll mit ihren Kindern spricht? Die mit dem selbstgebackenen Biobrot? Oder die, die mit ihren Kindern eine Weltreise unternimmt? Welche ist die richtige?

Ich sage: es gibt sie nicht die gute Mutter. Wir sind es nämlich entweder alle – oder keine von uns. Denn die gute Mutter ist in erster Linie ein Klischee und zwar eins, von dem ich mich jetzt und hier für immer verabschieden möchte.

Die gute Mutter: Vorurteile und Klischees

Wir Mütter kennen sie zur Genüge, die vielen Vorurteile, die es über uns gibt. Da werden alle Aspekte bedient: wer nicht stillt ist eine schlechte Mutter, wer nicht trägt ist eine schlechte Mutter (wer falsch trägt ist übrigens auch eine schlechte Mutter), wer nicht selbst fürs Baby kocht ist eine schlechte Mutter, wer kein Baby-led-weaning praktiziert ist eine schlechte Mutter, wer arbeitet ist eine schlechte Mutter (“Wofür hat sie überhaupt Kinder gekriegt?”), wer zu Hause bleibt ist eine schlechte Mutter (Glucke!), wer seine Kinder in die Kita schickt ist eine schlechte Mutter (Rabenmutter!), wer nicht impft ist eine schlechte Mutter, wer impft ist es natürlich auch, wer Homöopathie in Erwägung zieht ist eine schlechte Mutter, wer Antibiotika gibt ist eine schlechte Mutter, wer seine Kinder vegan ernährt ist eine schlechte Mutter, wer ihnen Fleisch zu essen gibt sowieso… Undsoweiterundsofort. Diese Liste ließe sich endlos verlängern und fortführen.

Tatsache ist: das ist alles überhaupt total irrelevant. Denn was tatsächlich darüber entscheidet, ob eine “die gute Mutter” ist oder nicht, hängt einzig und allein von ihrer individuellen Beziehung zu ihren Kindern ab. Die Kinder sind nämlich die einzigen Menschen, die das Prädikat “Die gute Mutter” vergeben dürften, sonst niemand. Denn auf diese Beziehung kommt es an und die ist, wie alles, was uns Menschen in unserer Verschiedenheit ausmacht – individuell.

Alles Experten – außer der Mutter

An vielen Stellen im Netz und auch in den Printmedien können wir nachlesen, dass es Anforderungen an uns Mütter gibt, die wir erfüllen sollen. Wie wir darunter zusammenbrechen, dass wir  alles wollen. Dass es “Mummywars” gibt, wo Mütter sich gegenseitig klassifizieren und kategorisieren und einander absprechen, gute Mütter zu sein. Es gibt kaum einen anderen Bereich im Leben, in dem jeder was weiß und jeder seine höchstpersönliche Meinung für relevant hält. Und für verbindlich! Sobald wir Mütter werden, geht die Einmischerei im Umfeld dann auch prompt los und wir dürfen uns anhören, was wir alles anders machen sollten. Was wir lassen sollten. Und wie es früher war – wo es ja auch gut war. In der Zeitung und im Internet lesen wir, was ältere Herren, ihres Zeichens Pädagogen oder Psychiater zum Beispiel, über Mutterschaft, Bindungsverhalten von Säuglingen und der Unverzichtbarkeit von klassischer Konditionierung im Umgang mit einem Baby zu sagen haben, und die Sprechstundenhilfe beim Kinderarzt weiß bei der U2 schon genau, was für unser Kind besser ist als in unseren Armen zu schlafen – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Sobald wir Mütter werden, weiß jeder im Umfeld was und wir sind sofort in der Situation, unsere Entscheidungen im Umgang mit unseren Kindern zu erklären, sogar zu rechtfertigen.

Da gibt’s aber nichts zu rechtfertigen. Wenn nicht gerade eine ihr Kind bei Minustemperaturen nackt auf den Balkontisch legt oder es schlägt und hungern lässt, ist fast jede Entscheidung ihr Kind betreffend einzig und allein ihre Sache. Und die ihres Kindes. Fakt ist nämlich mal eins: Mutter-Kind-Paare sind die einzigen unmittelbar Beteiligten an dieser Beziehung. Nur hier darf der Begriff “die gute Mutter” für diese eine Rolle spielen.

Und ehrlich, Freunde, ich bin’s leid. Ich bin es leid, ständig irgendwo zu lesen, was jetzt wieder alles getan oder gelassen werden muss, um eine gute Mutter zu sein. Ich bin es leid, dass junge Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, immer noch und immer wieder unter Beschuss geraten wegen allem, was sie tun oder entscheiden und oftmals zutiefst verunsichert sind, ob sie auch wirklich alles richtig machen. Ich bin es leid, dass in konstruierten Kategorien von Richtig und Falsch unsichtbare Schemata entstehen, die wie ein Raster über uns alle gelegt werden, damit abgehakt werden kann, ob wir alle Punkte auch erfüllen. Ich mache da nicht mit.

We’re in this together, moms!

Ich schreibe viel über Kinder, über meine Kinder, aber auch über Kinder im Allgemeinen. Was ich glaube, wie sie aufwachsen sollten, wie wir mit ihnen sprechen und sie begleiten sollten, damit sie starke, selbstbewusste, glückliche Menschen sein können. Die Auseinandersetzung mit dieser Thematik bringt es mit sich, dass ich mich auch viel mit Müttern beschäftige, denn wenn ich umreiße, wie der Umgang mit Kindern meiner Meinung nach sein sollte, sind Eltern, Mütter, ein entscheidender Teil in dieser Rechnung. Was ich nicht tue, niemals getan habe und auch nie tun werde ist, über andere Mütter zu urteilen.

Es ist nämlich irrelevant, was ich darüber denke, wenn ihr eure Kinder tragt. Oder nicht. Oder mit dem Löffel füttert. Oder nicht. Oder sie auf konfessionelle Schule schickt oder in einer WG großzieht oder bis 23h aufbleiben lasst oder nach vorne oder nach hinten gerichtet im Auto anschnallt. Es spielt keine Rolle, ob ihr alleinerziehend oder lesbisch oder eine Teenagermama seid. Ob ihr drei Kinder von drei verschiedenen Vätern habt oder ob ihr eure Kinder adoptiert habt. Ob ihr ein Kind durch künstliche Befruchtung bekommen habt oder es in Pflege gegeben habt. Ob ihr eine späte Mutter seid, ob ihr sechs Kinder habt oder nur eins. Ob ihr Karriere macht oder Hausfrau seid. Das alles ist für unsere Rolle als Mutter unserer Kinder sekundär. Natürlich prägen wir unsere Kinder durch die Art und Weise, wie wir sie erziehen und wie sie aufwachsen. Aber ob das eine gut und richtig und das andere schlecht und falsch ist für sie – wer will das bestimmen?

Mutterschaft ist kein Kampf, den wir untereinander ausführen sollten. Es ist unser jeweils ganz eigener Weg mit unseren Kindern. Wir sind verschieden, das ist alles. Und das ist okay.

Ich sage: bye-bye, Mummywars und hallo GUTE MUTTER. Weil, wie schon gesagt: entweder sind wir es alle. Oder keine von uns.

Auf ihrem Blog hat Anna eine Interviewreihe zum Thema „Die gute Mutter„.

13 Kommentare zu “Die gute Mutter – Abschied von einem Klischee

  1. Sehr schön gesagt. Bin seit vier Monaten junge Mama und höre ständig mach dies so und das so….ätzend:) ich höre auf mein Gefühl was die anderen davon halten…egal…jedes lächeln von meinem Sohn sagt mir genug…

  2. Oh ja wie war….
    Jede Mutter sollte dass machen was sie für richtig hält und nicht auf jemanden anderen hören! All die Mütter die meinen sie wären besser, haben meiner Ansicht nach ein groses problem….
    Für Kinder gibts immer nur eine, die die beste ist und zwar die eigene Mutter, egal wie man entscheidet…

  3. Sehr gut geschrieben. Bestimmt jede Mutter hasst diese wuderbare Rate hören.
    Jede Mutter ist am beste für eigene Kind. Das weiß jede Kind 😉

    Aber was machen, wie kommt „MAMAPAPA“ judgenamt?
    Als nette (aber ZOOMBI !) und beißt und frisst unsere Kinder?
    Verreiste mama, verreiste , fast bewustlos von Angst und Stress.
    Judgentamt macht Mutter und Kinder krank, und dann verkauft kleine weiter.
    5000 € für übergabe für andere Elternteil, 15000 für übergabe für „pflegefamilie“ – wo Leben (ohne Gesunde , Normale Mutter ist unerträglich)
    „Gute Rat“ von andere Müter sind unbequem, aber bitte um Große Aufmerksamkeit was macht KinderMafia – welcher in letztem jahren immer schneller verbreitet ihr tödlicher Geschäft. Kinder welcher sind abreist von Mütter – haben Angst vor dem BRUTALE erzieherinen und Tränen in Auge, sie werden schon niemals in seinem Leben fröhlich lachen. SIE HABEN KEINE STIMME! Und in Namen diese Kinder, ich rufe für alle um Hilfe ! Politisch gesteuerte KinderMafia (Pedo file kommen schon ohne sich zu verstecken zur Heime, Kinderdorfe) verbreitet sich in letztem jahren immer schneler. SIND KEINE SCHLECHTER MUTTER! Ist aber Kinderklau in eigenem Staat!???!!! Unglaublich – aber das kann auch dir treffen!!! Wir mussen mit das schluss machen. Zu viel kindliches Leid, zu viel kindliches Leid, zu viel tödliches Kinderopfer…. Bitte hilft Ihr!!!

  4. Ich finde man ist eine gute Mutter wenn die eigenen Kinder zu einem kommen und sagen ich hab dich lieb

  5. Sehr schön geschrieben und vor allem sehr wahr, nur hätte ich mir gewünscht, wenigstens einmal das Wort Papa zu lesen.
    Als alleinerziehender Vater ist man dieser ganzen Besserwisserei nämlich noch um ein Vielfaches stärker ausgesetzt.
    Zu oft höre ich, dass Väter gar keine so starke Bindung zu ihrem Kind aufbauen können, ganz zu schweigen von öffentlichen Stellen, wenn man auf deren Hilfe angewiesen ist. Mehr als einmal musste ich schon hören „Geben sie das arme Kind doch zu seiner Mutter, da ist es doch eh besser aufgehoben“

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