Erziehung
Was möchten Sie Ihrer Tochter mit auf den Weg geben?

Als Mädchen in Zeiten von "Germanys next Topmodel" groß zu werden ist gar nicht so einfach: Obwohl sie in Schule und Studium viel besser abschneiden, haben Mädchen mehr Komplexe als Jungs, sie trauen sich weniger zu. Was versuchen Sie Ihre Tochter mit auf den Lebensweg zu geben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema hier in unseren User-Geschichten.

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Erziehung: Was möchten Sie Ihrer Tochter mit auf den Weg geben?
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Nehmt Euch was ihr wollt! 
von Christine Weigl 


Ich habe zwei Töchter, die eine ist 13 die andere 5. Beide könnten unterschiedlicher nicht sein. Die Große fing mit zwei an, sich für Glitzerhaarspangen und rosa Kleider zu interessieren und wehrte sich vehement gegen Latzhosen, der Kleinen ist es mit 5 noch wurscht. Sie trägt beides, spielt viel mit Jungs, aber auch mit ein paar wenigen Mädchen.

Mir war immer wichtig, die beiden als eigene, ganz besondere Persönlichkeiten zu sehen. Ich habe ihnen früh viel Freiheit gelassen, ihnen aber auch Verantwortung übertragen. Soziale Fähigkeiten habe ich immer als enorm wichtig angesehen, also etwas, das zur klassischen Mädchenerziehung gehört. Also nicht zu akzeptieren, wenn andere schlecht behandelt werden, Schwächeren zu helfen, zu teilen etc. Gleichzeitig habe ich ihnen klar gemacht, dass sie vernehmlich ihre Meinung sagen sollen und dass sie das sein dürfen was sie sein wollen. 

Ein Beispiel: die Große wollte mit 4 Jahren wochenlang nur im Ballettanzug in den Kindergarten. Es war tiefster Winter. Da habe ich gesagt - "Okay, ziehen wir den Schneeanzug drüber!" Dann hat sie dazu noch blaues Lametta im Haar getragen, das fand sie todschick. Ich habe diese Form der Kreativität unterstützt, sie aber darauf vorbereitet, dass es zu Hänseleien kommen könnte. Die kamen dann auch. Wir haben zuhause darüber gesprochen, sie fand ihren Selbstausdruck wichtiger und hat das drei Wochen lang durchgezogen. Zum Schluss wollten die anderen Mädchen auch Lametta ins Haar. Ich fand das stark von ihr. Sie hat dadurch verstanden, dass ich nicht von allen gleichermaßen gemocht werden kann, also kann sie sich die Freiheit nehmen die zu sein, die sie sein will. 

Ich möchte dass meine Töchter laut und deutlich sagen was sie wollen. Und sie mussten früh lernen selbst Grenzen zu setzen. Sie mussten sich selbst wehren, auch körperlich agieren und tun das auch. Beide lernen zu Hause dass Gewalt ein Mittel derer ist, die zu schwach zum argumentieren sind. Und dennoch ist sie als Schutzmaßnahme ungeheuer wichtig. Laut "Nein" sagen lernen und das von klein auf, ist enorm wichtig und auch das Gefühl sich wehren zu können.

Das reibt sich mit dem leider immer noch verbreiteten Frauenbild - aber ich lebe es ihnen vor und ecke auch an. Ich sage ganz klar, ich will Familie und Beruf (Karriere). Bei uns müssen Papa und Bruder auch putzen und waschen. Und ich sage vor allem Schluss mit der Bescheidenheit! Mädchen müssen lernen, dass es für sie völlig okay ist, etwas für sich zu fordern und zu beanspruchen! Und das klar zu artikulieren. 

Ich habe genug Freundinnen, die mir die Ohren voll jammern wie schlecht es ihnen geht und dass ihre Männer sie nicht verstehen, weil sie nie etwas für sich fordern sondern still leidend hoffen, dass sie das kriegen, was sie sich schon lange wünschen. Meine Töchtern will ich diesen K(r)ampf ersparen!